Langenthal/Röthenbach

Brauereien setzen auf bittere Biere

Langenthal/RöthenbachDie Brau AG Langenthal will ab Herbst mit einem neuen Bier punkten. Sie ergänzt ihre 49er-Linie mit einem India Pale Ale. Ein solches stellt die Kleinbrauerei Faex in Röthenbach schon seit Mai 2014 her. Beide Anbieter liegen damit voll im Trend.

Dem Trend voraus: Stefan Müller von der Kleinbrauerei Faex in Röthenbach hat bereits seit Mai 2014 ein India Pale Ale im Angebot. Im Herbst will nun die Brau AG mit einem eigenen IPA nachziehen. Das Bier  mit der bitteren Note soll die 49er-Linie ergänzen.

Dem Trend voraus: Stefan Müller von der Kleinbrauerei Faex in Röthenbach hat bereits seit Mai 2014 ein India Pale Ale im Angebot. Im Herbst will nun die Brau AG mit einem eigenen IPA nachziehen. Das Bier mit der bitteren Note soll die 49er-Linie ergänzen. Bild: Thomas Peter

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Oberaargauer Brauereien haben Lunte gerochen. Ihr Augenmerk gilt immer mehr der Sparte «Craft Beer». Darunter fallen Biere, die üblicherweise in kleineren Mengen hergestellt werden und die das gewisse Etwas haben. Weil: Beim Brauen wurde mit Zutaten experimentiert – mit der Hopfenzugabe, mit Gewürzen oder mit Früchten etwa. «Craft Beer» ist als Gegenbewegung zu den üblichen Lagerbieren der Industrieproduzenten zu sehen.

Ein Bier dieser Sparte ist die Sorte India Pale Ale (IPA). Ein IPA ist typischerweise leicht fruchtig und hat wegen der intensiven Hopfung auch eine hervortretende Bitterkeit (siehe Kasten). Damit treffen die Brauer bei den Konsumenten offenbar ins Schwarze. Das IPA liege in Zürich voll im Trend, stellte der «Tages-Anzeiger» diesen April fest. Ebenso sehen Oberaargauer Brauer die Sorte im Aufkommen begriffen. Die Brau AG Langenthal will ab Oktober/November 2015 ein IPA trinkbereit haben – im Fläschchen, als viertes Spezialbier der erfolgreich lancierten 49er-Linie.

Kleinbrauer als IPA-Fan

Einen Schritt voraus ist Stefan Müller von der Kleinbrauerei Faex in Röthenbach bei Herzogenbuchsee. Er bietet seit Mai 2014 ein IPA an. Bei ihm trägt das Spezialbier den Namen Albus. Er bezeichnet sich selbst als regelrechten IPA-Fan. «Immer mehr Brauereien springen auf den fahrenden Zug der Craftbierbewegung auf», bemerkt Müller. Die Entwicklung freut und fuchst ihn zugleich. Toll findet ers einerseits, weil sich dank der geschmacklichen Vielfalt immer mehr Leute für Bier interessieren. Als Tüftler und Szenekenner bleibt ihm aber andererseits nicht verborgen, dass die Konkurrenz stetig wächst.

Bei Frauen gepunktet

Mit seinem India Pale Ale bewege er sich im Genussbereich, sagt Müller. «Das ist kein Bier zum Kippen an einem Open Air.» Erstaunlich findet er die Reaktionen der Leute nach der Degustation des Albus-Biers. «Nicht wenige, die sagten, sie tränken keine bitteren Biere, waren nach dem ersten Schluck begeistert.» Sogar bei Frauen habe er mit Vorurteilen aufräumen können, erzählt der Kleinbrauer und Biersommelier. Das IPA ist eines von neun Bieren der Brauerei Faex.

Obwohl Oberaargauer Brauereien auch im «Craft Beer»-Segment mitmischen, ist die regionale Auswahl an India Pale Ales noch relativ bescheiden. «Ich habe mich noch nicht an diese Sorte gewagt», schreibt Daniel Wüthrich von der Kleinstbrauerei Buchser Landbier auf Anfrage. Wüthrich konzentriert sich momentan auf seine drei Sorten: das Helle, das Ale und das Stout.

Als Betrieb im Hobbysektor bietet die Kleinbrauerei Önzer Bräu vor allem zwei Biere an, ein helles und ein bernsteinfarbenes. In Richtung IPA wurde noch nicht experimentiert. Dafür anderweitig. Zwei Beispiele: Ein Kirschenbier (in Planung) oder ein dunkles mit einer Schokoladennote. «Das sind natürlich immer Kleinstmengen», lässt Hobbybrauer Markus Ammann wissen.

Blumig dank Kalthopfung

Ein India Pale Ale anbieten will ab Herbst die Brau AG Langenthal. Schon bei der Lancierung der 49er-Linie sei klar gewesen, dass die vierte Sorte ein IPA sein werde, sagt Geschäftsführer Peter Kläfiger. «Die ausgeprägten Bitternoten des Hopfens, eingebettet in eine blumige Note durch die zusätzliche Kalthopfung, werden das neue Spezialbier ausmachen.» Eine genaue Zielgruppe sei nicht definiert worden. Ansprechen will man mit dem IPA aber sicher Genusstrinker, die sich von den «08/15-Industriebieren» verabschiedet haben oder dies noch tun wollen.

Gleichzeitig mit dem neuen Bier erhöht die Brau AG auch ihre Lagerkapazitäten um 30 Prozent. Bisher hatte man Platz für 250 Hektoliter. Neu werden es 325 Hektoliter sein. Bei der Lieferung der neuen Tanks – ein Gär-, ein Lager- und ein Ausschanktank – gab es einige Verzögerungen. Ende August sollten sie nun aber endgültig eintreffen, sodass im September das erste 49er-IPA gebraut werden kann. Dieses werde dann nach einer Lagerung von rund acht Wochen bereit sein für den Verkauf, sagt Peter Kläfiger. Für das Rezept zeichnet im Übrigen der seit Mai für die Brau AG tätige Braumeister Dieter Dingeldein verantwortlich.

«Konstant lieferfähig sein»

Mit der Erhöhung der Lagerkapazitäten wolle man sich auch der Herausforderung stellen, konstant lieferfähig zu sein, sagt Kurt Schär, neuer Verwaltungsratspräsident der Brau AG. Zur Erinnerung: Nach der Lancierung der 49er-Linie im Mai letzten Jahres kam es aufgrund der grossen Nachfrage bald einmal zu Lieferengpässen. Das soll mit den neuen Tanks nicht mehr vorkommen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.08.2015, 08:17 Uhr

Bier mit Geschichte

Ein India Pale Ale hat einen kräftigen und intensiven Geschmack. Es ist oftmals ziemlich herb. Durch die zusätzliche Zugabe von Hopfen werden mehr Aromastoffe freigesetzt. Dadurch erhält das Bier eine fruchtige Note. Zum IPA gibt es folgende, von einigen angezweifelte Geschichte: Ursprünglich wurde das Bier im 19. Jahrhundert in England und Schottland für die indischen Kolonien gebraut. Aufgrund der langen Seefahrt wurden Ansprüche an die Haltbarkeit gestellt. Daher rührt der hohe Alkohol- und Hopfengehalt des Biers.

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