Hans-Jürg Käser: Der zackige England-Fan
Von Susanne Graf. Aktualisiert am 16.02.2010
Hans-Jürg Käser (FDP, bisher). Die Kandidierenden wurden im Fotostudio vor einem weissen Hintergrund fotografiert – wie, war ihnen freigestellt. Aus den Aufnahmen wählten sie ihr Wunschbild aus. (Bild: Andreas Blatter)
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Geduld gehört nicht zu Hans-Jürg Käsers Stärken. Das gibt der Vorsteher der bernischen Polizei- und Militärdirektion unumwunden zu. Dass sich der ehemalige Lehrer trotzdem wohl fühlt in der Politik, erstaunt ihn selber: «Denn ça dure, bis man hier etwas zu Stande bringt.» Das hat er ab 1995 als vollamtlicher Stadtpräsident von Langenthal erfahren und erfährt es seit vier Jahren als Regierungsrat. Diese Langsamkeit entspreche eigentlich nicht seinem Naturell.
Und wenn er schon dabei ist, einen kritischen Blick auf sich zu werfen, räumt der 60-Jährige auch noch ein, impulsiv und emotional zu sein. «Aber ich bin fast sicher, dass mein Umfeld nicht darunter leidet.»
Wie es ist, wenn Käser der Kragen platzt, haben die Lützelflüher vor einem Jahr erlebt: Der Polizeidirektor war gekommen, um zu erklären, warum binnen kürzester Zeit ein Asylzentrum zu eröffnen sei. Als ein Votant eine nörgelnde Frage stellte, fuhr ihn Käser an: «Muss ich Ihnen jetzt das ganze Gesetz noch einmal vorlesen?» Da hiess es, Käser sei überheblich.
Wichtiges und Unwichtiges
Er scheint zu wissen, dass seine zackige Art – Käser benutzt gerne das Wort «zielführend» – auch als arrogant interpretiert werden kann. «Es soll nicht überheblich tönen», warnt er deshalb, bevor er sagt: «Ich glaube, ich habe die Gabe, schnell einschätzen zu können, was man rasch anpacken muss und was warten kann.» Bei jedem Problem mache er eine Lagebeurteilung und prüfe, ob Sofortmassnahmen einzuleiten seien. Diese «Führungsmechanismen», die er sich wohl auch als Kommandant des Infrastrukturregiments des Bundesrats angeeignet hat, habe er «einfach intus». «Da kann es schon vorkommen, dass ich an einer Sitzung ungeduldig werde, wenn das Wesentliche längst erkannt ist, man aber noch lange Veloständerprobleme diskutiert.»
Mit dem Vorwurf der Ungeduld kann Käser leben. Mehr Mühe hat er, wenn ihm Unglaubwürdigkeit vorgeworfen wird. Als Stadtpräsident von Langenthal und FDP-Grossrat bekämpfte er Police Bern; als Polizeidirektor aber war er es, der Stadt- und Kantonspolizei miteinander verschmelzte. Prompt hiess es, er sei ein Wendehals. «Volk und Parlament haben so gestimmt, also setzte ich das um», rechtfertigt Käser die Wende und fügt an: «Credibility, Glaubwürdigkeit, ist mir entscheidend wichtig.»
Die Liebe zu England
Dass er das Bekenntnis mit einem englischen Ausdruck würzt, ist kein Zufall. Käser ist England-Fan. «Wenn ich ein Land suchen müsste, in dem ich mir mein Leben vorstellen könnte, dann wäre das England.» Warum? Käser lächelt, lehnt sich zurück, legt die Hände auf den Tisch und zählt auf: In England sei jedem klar, dass man sich in die Schlange stelle – überall. Und auf der Rolltreppe gelte: Rechts steht man, links geht man. «Das ist einfach klar, dafür braucht es dort keine Plakätli.»
Käser liebt klare Regeln – und doch hat er eine davon letzten Sommer in aller Öffentlichkeit verletzt: Ein Pfeifchen schmauchend, verstiess er gegen das Rauchverbot. Keinen Moment habe er daran gedacht, dass das auf allen Seiten offene Festzelt einen Zusammenhang haben könnte mit «diesem unsäglichen Gesetz», sagt er. Mit der Überweisung von 100 Franken an die Lungenliga gestand Käser den Fehler ein. In seinem Büro aber raucht er immer noch, «wenn die anderen längst Feierabend haben und ich noch nachdenke». Käser: «Ich halte dafür, dass mein Büro kein öffentlicher Raum ist.»
Er sei ein glücklicher Mensch, sagt Käser und bezieht dies auf die Tatsache, dass ihn noch nie schlaflose Nächte quälten. Auch nicht, als er vergangenen Herbst als Polizeidirektor dafür verantwortlich gemacht wurde, dass ein Kinderschänder aus der Anstalt St.Johannsen hatte entweichen und ein Mädchen sexuell belästigen können. Käser hat in der «schwierigen Zeit» die «Lehre aus der Übung» gezogen: «Von jetzt an lasse ich mir die Dossiers der kritischen Fälle regelmässig vorlegen.» Denn der Polizeidirektor hat etwas zu verlieren: «Ich glaube, sagen zu können, ich habe meine Direktion im Griff.» Das möchte Käser weiterhin beweisen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 16.02.2010, 07:02 Uhr
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