Zwischen Freudentränen und Enttäuschung
«Ich bin froh, meine Familie um mich zu haben»: Albert Rösti mit Frau Theres auf Sunnbühl. (Bild: Markus Grunder)
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Beatrice Simon: Hausputz vor dem Wahlsieg
Aufstehen, «Z’Chile gah», mit den Hunden spazieren, das Haus putzen – so sah der gestrige Tagesablauf der neuen BDP-Regierungsrätin Beatrice Simon aus. Dies und der bewusste Ausschluss der Medien den ganzen Tag über wirkt auf den ersten Blick doch eher erstaunlich. Wer mit Beatrice Simon spricht, dem wird jedoch sogleich klar, dass dies Ausdruck der bodenständigen Art der neuen Regierungsrätin ist. «Ich brauchte diesen normalen Tagesablauf, sonst hätte ich die Nervosität nicht ausgehalten», erklärt sie ihr Vorgehen.
Doch ganz umschiffen konnte sie die Nervosität dann doch nicht. Von der Angst, dass der Handywecker zu spät und nicht um 7.15 Uhr losgeht wegen der Zeitverschiebung, über das doch eher frauentechnische Dilemma: Was ziehe ich heute an? bis zur abschliessenden Verkündung der Wahlergebnisse, durchlebte sie einige Hochs und Tiefs. «Die letzte Stunde, als es noch so richtig knapp wurde, habe ich wirklich gelitten», sagt sie mit Nachdruck. Aber auch am Nachmittag hätten sich trotz ihrer Ruhe, die sie von Haus aus besitze, die Nerven gezeigt. «Ich habe vor lauter Nervosität noch den Staubsauger hervorgenommen und danach alle Böden feucht aufgenommen», erklärt Simon mit einem Lächeln.
Ihre flatternden Nerven hat sie in der Öffentlichkeit jedoch gekonnt kaschiert. Als das Wahlergebnis bekannt gegeben wurde, spazierte sie noch mit ihrem Ehemann von ihrem Adlerhorst beim «Klösterlikeller» zum Rathaus. Dort wurde sie sogleich von ihren beiden Töchtern Stéphanie (22) und Nicole (18) in den Arm genommen, und zum ersten Mal am Tag flossen dann auch bei der sonst eher gelassenen Beatrice Simon die Tränen.
Albert Rösti: Das Bauchgefühl sagte Nein
Am Morgen des Wahlsonntags vermissen Albert Rösti (SVP) und seine Frau Theres die Stunde Schlaf, die ihnen die Sommerzeit geraubt hat. Denn die letzten Monate waren hart, so der 42-jährige Regierungsratskandidat aus Uetendorf. Der Direktor der Schweizer Milchproduzenten lässt den Wahlsonntag deswegen ruhig angehen. Nach einem gemütlichen Morgen mit seiner Frau, Tochter Sarina (9) und Sohn André (13) will sich der Bauernsohn an diesem wichtigen Tag auf seine Wurzeln besinnen und in Kandersteg seine Familie treffen. Gemeinsam geht es von dort aus mit der Gondelbahn nach Sunnbüel.
Gegen Mittag ist die Nervosität bereits ständige Begleiterin von Rösti und seiner Frau. Trotz Schneetreiben müssen die beiden auf dem Berg ein erstes Mal an diesem Tag für den Fotografen posieren. «Ich bin froh, meine Familie heute um mich zu haben, sie bedeutet mir alles», sagt Rösti. Sein Handy klingelt, in der Gemeinde Aeschi hat er die meisten Stimmen erhalten. Ab jetzt ertönt der Signalton alle paar Minuten. Gegen 16 Uhr erhält der Uetendorfer erste Hochrechnungen: Es wird eng für ihn.
Nach dem Ausflug macht sich Rösti auf den Weg nach Bern. Weitere Wahlkreise werden ausgezählt, seine Chancen schrumpfen. «Die Enttäuschung wäre gross», sagt er, «aber mein Bauchgefühl hat mir bereits heute Morgen gesagt, dass es wohl nicht reicht.» Dann, gegen 18 Uhr, ist alles vorbei: Albert Rösti hat den Sprung in den Regierungsrat nicht geschafft. Die Enttäuschung steht ihm ins Gesicht geschrieben. Doch Rösti ist ein fairer Verlierer: Er gratuliert seiner ärgsten Widersacherin Beatrice Simon zu ihrer Wahl. (Berner Zeitung)
Erstellt: 29.03.2010, 09:03 Uhr
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