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«Wir tippten fast richtig»

Von Stefan von Bergen. Aktualisiert am 30.03.2010

Auf Grund der Kandidatenfotos haben Lausanner Studenten letzte Woche Berns Regierung gekürt. Fast so wie nun die Wähler.

Wahlen im Kanton Bern 2010

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John Antonakis schmunzelte, als er gestern auf dem Weg in sein Büro an der Universität Lausanne auf Radio Suisse Romande hörte, wie Regierungsrat Bernhard Pulver gerade sein Spitzenergebnis bei den Wahlen erklärte: Es sei das Ergebnis vierjähriger Arbeit. «Wirklich?», dachte sich Antonakis, «hat Pulver nicht einfach das Glück, dass sein freundliches Gesicht bei den Wählern gut ankommt?»

Gesichter machen Sieger

Der Verhaltenspsychologe hatte im Auftrag dieser Zeitung seinen Studenten die Fotos der ihnen unbekannten Kandidaten für die Berner Regierungswahl vorgelegt und sie gebeten, ein Ranking nach Kompetenz zu erstellen (siehe Samstagsausgabe «Zeitpunkt»). «Wir tippten fast richtig», stellte Antonakis gestern befriedigt fest. Seine Studenten entschieden bis auf eine Ausnahme wie die Berner Wähler. Sie sahen Pulver vor Käser, Simon, EVP-Mann Marc Jost, Neuhaus, Egger, Rickenbacher und Rösti. Und auf dem Jura-Sitz Perrenoud vor Zuber und Astier. Antonakis selber tippte auf die sechs Bisherigen plus Beatrice Simon. Im jungen Marc Jost hätten sich seine jungen Studenten wohl aus Alterssolidarität getäuscht, meint er.

Antonakis machte 2009 in der renommierten Wissenschaftszeitschrift «Science» Furore, als er mit Experimenten nachwies, dass Studenten und sogar Kinder auf Grund von Kandidatenfotos in sieben von zehn Fällen richtig tippten, wer in der Tat gewählt worden war.

Schein kommt vor Sein

Auch das Berner Experiment belege «eine starke und positive Relation zwischen der Spontanreaktion auf fotografierte Gesichter und dem Wählerverhalten», sagt Antonakis. «Vor allem aus den Medien bekannte Kandidaten wählen wir nicht wegen ihrer Kompetenz, sondern wegen ihrer Erscheinung.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.03.2010, 10:23 Uhr

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