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Willkommen im bunten, chaotischen Plakatwald

Von Markus Zahno. Aktualisiert am 27.03.2010

Jetzt, im Vorfeld der Wahlen, ist der Plakatwildwuchs besonders kräftig und ungebremst in die Höhe geschossen. Wer Wahl- und andere Plakate illegal aufstellt, hat oft gute Chancen, dass seine Werbung stehen bleibt.

Legal, aber nicht besonders ästhetisch: der Hang vor der Ilfis-Käserei eingangs Langnau.

Thomas Peter

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Bisher habe er nichts gehört, dass an diesem Standort etwas falsch sein soll, sagt Bruno Aebi. «Aber falls eine Meldung eingeht, werden wir die Plakate selbstverständlich entfernen.» Denn es sei nicht auszuschliessen, dass man die Situation falsch eingeschätzt habe.

Aebis Firma, die Boostit GmbH, organisiert und promotet die nächsten Barfestivals in Langnau und Huttwil. Dutzende Plakate haben er und seine Jungs entlang der Strassen aufgestellt, zwei davon an der Emmentalstrasse eingangs Goldbach. Direkt neben der 50er-Tafel. Laut Vorschrift müsste der Abstand zur Tafel mindestens 20 Meter betragen.

«Wir wussten es nicht»

Der Familie, der das Land 20 Meter weiter innerorts gehört, wurden deshalb immer wieder ungefragt Plakate aufs Grundstück gestellt. Sie duldet das nicht mehr und nimmt die Reklamen jeweils postwendend wieder weg. So werden diese nun halt auf dem Nachbargrundstück montiert. Neben der 50er-Tafel. Der Strasseninspektor entdeckte das, legte die Barfestival-Plakate eigenhändig um – aber bald darauf standen sie wieder. Am gleichen Ort.

Grundsätzlich sind die Standortgemeinden für das Plakatwesen verantwortlich, im Fall Goldbach also Hasle. Dort hatte man keine Kenntnis vom Verstoss. «Wenn niemand reklamiert und wirs nicht selber sehen, können wir nicht reagieren», sagt Andreas Mühlebach von der Gemeindeverwaltung. Nun, da ein Hinweis vorliege, werde man die Sache anschauen und den Barfestival-Veranstalter auffordern, die Plakate zu entfernen. Vielleicht wird dies nicht mehr nötig sein: Dem Strasseninspektor ist es inzwischen nämlich zu bunt geworden, er hat seine Leute angewiesen, die Plakate wegzuräumen und einzuziehen. Die Werbung für die Barfestivals ist trotzdem angekommen.

Eine Wiese, zwölf Plakate

Goldbach ist bei weitem nicht der einzige Ort, an dem das Plakatieren bisweilen groteske Formen annimmt. Vor allem jetzt, unmittelbar vor den Gross- und Regierungsratswahlen, ist an manchen Dorfeingängen vor lauter Plakaten die Wiese fast nicht mehr zu sehen. Vor der Ilfis-Käserei eingangs Langnau etwa stehen derzeit zwölf temporäre Reklametafeln.

Er könne nachvollziehen, dass sich Leute über solche Zustände aufregten, sagt der Langnauer Bauverwalter Oliver Mischler. «Aber Sie müssen sehen: Das ist absolut legal.» Laut bernischem Baubewilligungsdekret können Reklamen für Veranstaltungen oder Wahlen – innerorts – sechs Wochen vor dem Anlass bewilligungsfrei aufgestellt werden.

Ungleichbehandlung

Ausserorts ist zwar immer eine Bewilligung nötig. Wer eine beantragt, wie die BDP in Huttwil, erhält vielfach ein Nein. Wer seine Plakate aber illegal aufstellt, hat Chancen: Manche bleiben wochenlang stehen.

«Das Problem ist», sagt Oliver Mischler denn auch, «dass die Regeln in den Gemeinden sehr unterschiedlich umgesetzt werden.» Manche Gemeinden agieren mild: Lützelflüh etwa reisst illegale Reklamen nicht ab, sondern bittet die Veranstalter lediglich um ein nachträgliches Gesuch. In Lauperswil dagegen demontiert der Wegmeister illegale Reklamen auf der Stelle und nimmt sie mit in den Werkhof.

«Das ist gefährlich»

Andreas Limbach, der Emmentaler Strasseninspektor, plädiert für ein härteres Vorgehen. Denn: «Oberste Priorität hat die Verkehrssicherheit.» Plakate, die beispielsweise bei Ausfahrten oder Kreuzungen die Sicht versperrten, seien ebenso verboten wie Plakate, die näher als 3 Meter am Strassenrand oder näher als 20 Meter an einem Signal stehen. Denn sie lenken die Konzentration der Autofahrer ab, und das sei äusserst gefährlich, erklärt Limbach.

Seine Leute vom kantonalen Tiefbauamt haben den Auftrag, solche Reklamen wegzuräumen. Und ein Emmentaler Polizist hat im Streifenfahrzeug stets Hammer und Beil dabei, um gefährliche Plakate sofort entfernen zu können. «Aber leider», bedauert Limbach, «geschieht das viel zu selten, schliesslich hat die Polizei ja auch anderes zu tun.»

Noch fünf Tage

Wer wiederholt gegen die Vorschriften verstösst, kann angezeigt und gebüsst werden. Für all jene, die sich trotzdem über die chaotischen Plakatwälder ärgern, gibt es ein Trostpflästerli: Dieses Wochenende sind Wahlen. Und spätestens fünf Tage später müssen alle Wahlplakate weggeräumt sein. Auch innerorts. (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.03.2010, 12:32 Uhr

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