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Was bewirkt der Politsturm?

Von Peter Rothacher. Aktualisiert am 30.03.2010

Der Wahlkampf von BDP und SVP hat im Oberland einen politischen Wirbelsturm verursacht. Zerzaust wurde in erster Linie die SP. Aber auch andere Parteien sahen ihre Hoffnungen geknickt. Nähern sich die Verursacher selber nun an?

BZ Grafik: Frischknecht

Wahlen im Kanton Bern 2010

Kommentar: Wählen lohnt sich

Wer wählen geht, kann etwas bewirken. Das ist das erfreuliche Fazit für all jene, die an die Urne gingen. Und weil im Oberland West bis zu knapp 44 Prozent von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten, im Oberland Ost aber nur 28,7 Prozent, hatte dies markante Auswirkungen: Es fand eine erhebliche Sitzverschiebung von Ost nach West statt. Drei der vier neuen Sitze (hier durchaus im Kantonstrend mit je zwei BDP und SVP) wurden so auf westlichem Territorium erobert.

Dass die Bevölkerung im Saanenland und Simmental besonders «geladen» war, hat mit dem Dauerbrenner Spitalstandort zu tun. Das Thema hat mobilisiert. Es spricht für unser Wahlsystem, dass die Engagierten belohnt werden und die Trägen leer ausgehen. Thomas Knutti (SVP) und Hans-Jörg Pfister (FDP) haben ihre Wahlerfolge ihrer Unerschrockenheit in der Spitalfrage zu verdanken. So gesehen waren die Grossratswahlen im Oberland auch Personenwahlen. Nicht vergebens machte der Brienzer Peter Flück (FDP) mit seinem Leistungsausweis das beste Ergebnis. Notabene als Vertreter jener Partei, die im Kanton völlig absackte. Das Oberland funktioniert eben meistens etwas anders. s.peternell@bom.ch

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Die BDP hat das Resultat der Grossratswahlen im Wahlkreis Oberland geprägt. Auf Anhieb errang die neue Partei drei Sitze. Dieses Resultat hatte Auswirkungen auf das gesamte Kräfteverhältnis unter den politischen Parteien. Leidtragende war allerdings nicht die SVP, von der sich die BDP abgespalten hatte. Diese gewann sogar einen Sitz dazu. Als grosse Verliererin ging die SP hervor, welche zwei Sitze verlor. Mit Anita Luginbühl-Bachmann (BDP) aus Krattigen nahm wieder eine Frau Einsitz. Zusammen mit Bethli Küng-Marmet (SVP, Saanen) und Christine Häsler (Grüne, Wilderswil) sind weiterhin drei Oberländer Frauen im Rat vertreten.

Wir haben die Parteipräsidenten einen Tag nach den Wahlen zu den Auswirkungen befragt.

SVP: «Bürgerliche legen zu»

«Gegenüber 2006 konnten wir einen der damals verloren gegangenen Sitze wieder zurückholen – wir können zufrieden sein», erklärt Gerhard Fischer (Meiringen). Der SVP-Präsident des Oberlandes fügt an: «Dass Bernhard Zumbrunn seinen Sitz verlor, liegt an der tiefen Stimmbeteiligung im Oberland Ost. Niedersimmental/Frutigen hat da viel besser mobilisiert und reussierte mit Christoph Berger aus Aeschi und Thomas Knutti aus Weissenburg.» Fischer glaubt, dass die Fehde mit der BDP bald der Vergangenheit angehören könnte: «Das Stimmvolk hat ihre Sitze legitimiert. Es kann niemand mehr von ‹der SVP geklauten Mandaten› sprechen.» Man verfolge grösstenteils gleiche Ziele, eine Zusammenarbeit währe daher nichts als logisch. Das Oberland sei eine bürgerlichen Bastion, meint Fischer: «Ausser den Vertretern von SP und Grünen rechne ich alle dem bürgerlichen Rahmen zu.»

BDP: «Sehr glücklich»

Für den BDP-Wahlleiter Samuel Brunner aus Aeschi sind die Wahlen optimal verlaufen: «Wir sind sehr glücklich. Dank der Listenverbindung mit den Grünliberalen sind drei Sitze Tatsache geworden.» Allein hätte die BDP zwei geschafft. «Wir haben wohl hauptsächlich Leute angesprochen, die parteiungebunden, lösungsorientiert und bürgerlich wählen. Andererseits haben offensichtlich auch Wähler aus anderen Parteien zu uns gewechselt», sagt Brunner.

Gegenüber der SVP habe er keine Berührungsängste, meint Brunner. «Ihre Exponenten hatten vorgängig eine Listenverbindung abgelehnt. Wir haben ähnliche Zielsetzungen – wenn wir künftig gemeinsam Probleme lösen können, profitieren alle.»

SP: «Es ist ein Desaster»

«Der Verlust des vierten Sitzes wäre noch verdaubar gewesen, aber die Abwahl von Andrea Zryd bedeutet für uns ein Desaster», erklärt SP-Präsident Kaspar Boss aus Interlaken. «In der Region Oberland Ost konnten wir uns behaupten, aber ansonsten ist die SP-Stimmbeteiligung total eingebrochen.» Der BDP/SVP-Kampf habe deren Wähler mobilisiert, bei der SP hätten die zugkräftigen Köpfe und das nötige Budget gefehlt, um da mithalten zu können. «Wir haben sicher Wähler an die BDP verloren. Es ist wohl für viele einfach chic, die neue Partei zu wählen.»

Es gelte nun, die Katerstimmung zu verdauen und das Geschehene zu analysieren. «Wir müssen es künftig schaffen, unsere West-Kandidierenden in der Region Ost bekannter zu machen und umgekehrt», zieht Boss ein erstes Fazit.

FDP: «Grosse Genugtuung»

Nachdem die FDP Saanen ihm vor den Wahlen den Rücktritt nahe gelegt hätte, sei er schon etwas verunsichert gewesen, sagt Co-Präsident Hans-Jörg Pfister aus Zweisimmen. «Das höchste Resultat von Peter Flück aus Brienz und das dritthöchste von mir – das stellt nun für mich aber eine sehr grosse Genugtuung dar.» Die FDP habe zwar Wähleranteile, gerade auch an die BDP, verloren, die zwei Sitze aber halten können. «Mit zwei Listen hätte die FDP Oberland noch besser abgeschnitten», zeigt sich Pfister überzeugt.

«Einige FDP-Wirtschaftsstrategen sind für ihr hochnäsiges Getue bestraft worden. Wir – die von diesen oft als Landeier belächelten Vertreter – sind dagegen für unsere gradlinige Politik belohnt worden», sagt Pfister mit Blick auf das kantonale Ergebnis. Umgekehrt habe im Simmental das Resultat, auch das der SVP, bewiesen: «Gemeinsam sind wir stark! Auch bei der Spitalthematik goutiert das Volk unser Engagement offensichtlich.»

EDU: «Zwischen Fronten»

Hans-Rudolf Schranz aus Unterseen hält fest: «Wir sind bei der EDU mit einem blauen Auge davon gekommen. Zwischen den Fronten von BDP und SVP hatten wir kaum eine Chance und unser Partner EVP verlor leider massiv an Stimmen.»

EVP: «Mitte ist gefragt»

Grossrat Markus Grossen aus Reichenbach sagt: «Mittepolitik ist gefragt, das zeigt das Resultat der BDP. Ich sehe mich durchaus als bürgerlicher Politiker, bedaure aber, dass wir mit der EDU zusammen kein besseres Resultat erzielen konnten.»

Grüne: «Steiniger Boden»

Das Oberland sei ein steiniger Boden für die Politik der Grünen, erklärt deren Grossrätin Christine Häsler aus Wilderswil. Der Verteilkampf unter den Parteien sei hart gewesen. «Über mein persönliches, sehr gutes Resultat darf ich aber stolz sein. Und ich sehe mich als liberale Grüne. Vielleicht ergibt sich ja eine Annäherung der neuen grünliberalen Partei»

Grünliberale: «Enttäuscht»

Neu am Start waren die Grünliberalen (Glp): «Wir sind klar enttäuscht, dass es uns nicht für einen Sitz gereicht hat», betont Jürg Grossen aus Frutigen. «Wir waren nahe daran und haben immerhin auf Anhieb gut vier Prozent Wähleranteil erreicht.» Man habe nun vier Jahre Zeit, sich zu etablieren. «Denn das Oberland ist ein guter Boden für unsere grünliberale Politik», ist Grossen überzeugt. (Berner Oberländer)

Erstellt: 30.03.2010, 09:49 Uhr

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