Viele Wähler bleiben zu Hause
Von Susanne Graf. Aktualisiert am 28.03.2010
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Reist man durch den Kanton Bern, könnte man meinen, hier stünde ein Ereignis bevor, das die Gemüter bewege. Von allen möglichen Wänden, Feldern und Vorgärten lachen einem Leute von Plakaten entgegen. Doch ihr Bestreben, Vertrauen und Aufbruchstimmung zu erwecken, scheint nicht zu fruchten: Es zeichnet sich eine miserable Wahlbeteiligung ab. Dabei hätte man erwarten können, dass wenigstens der Knatsch zwischen SVP und BDP den einen oder andern Stimmbürger mehr hinter dem Ofen hervorlocken könnte. Dem ist scheinbar nicht so, wie eine Umfrage in den fünf grössten Städten des Kantons Bern zeigt.
Dürftig wie gehabt
In der Stadt Bern werden voraussichtlich ebenso wenig Leute an den Regierungs- und Grossratswahlen teilnehmen wie vor vier Jahren. Damals lag die Wahlbeteiligung bei gerade mal 32,9 Prozent. Bis am Donnerstagabend waren 18560 Wahlkuverts eingegangen. Mit einer Differenz von weniger als 40 Kuverts seien das fast genauso viele gewesen wie vor vier Jahren zur gleichen Zeit, sagte Vizestadtschreiberin Christa Hostettler auf Anfrage. «Wir sind auf Kurs», fügte sie an – und meinte damit, dass die Beteiligung wohl nicht unter jene von 2006 fallen werde.
In Thun haben vor vier Jahren ganze 26,4 Prozent bei den Wahlen mitgemacht. Vizestadtschreiber Remo Berlinger vermutet, dass es auch dieses Wochenende unter 30 Prozent sein werden. Denn bis gestern Mittag waren erst 6128 briefliche Stimmabgaben eingegangen. Wobei: Dieses Mal sei das Wahlmaterial relativ spät gekommen, und je näher der Sonntag rücke, umso mehr Kuverts träfen ein. Doch weil es über keine Sachvorlage abzustimmen gebe, rechne er trotzdem mit einer tiefen Beteiligung. «Die Leute wählen nicht so gern», stellt er fest.
In Langenthal waren es vor vier Jahren immerhin 35,6 Prozent, die wählen gingen. Diesmal werde es schwierig werden, diesen Prozentsatz zu erreichen, sagt Luis Gomez, Fachbereichsleiter Einwohnerdienst, angesichts der bisher eingegangenen Kuverts. Bis gestern Vormittag hatten 23,5 Prozent der Langenthaler gewählt. In der Regel würden hier 90 bis 92 Prozent brieflich stimmen.
Besonders schwer für Wahlen zu begeistern sind offenbar die Bieler. Vor vier Jahren haben sie es auf eine Beteiligung von 24,4 Prozent gebracht. Und wie Vizestaatsschreiberin Ursula Wyssmann vermutet, wird sich das tiefe Niveau dieses Wochenende bestätigen.
Nur Burgdorf legt zu
Die einzige der befragten Städte, in der mit einer höheren Wahlbeteiligung gerechnet wird, ist Burgdorf. Simon Liechti, Leiter des Einwohnerdienstes, glaubt, dass hier «sicher über 35 Prozent» bei den Wahlen mitmachen werden. Das wäre noch immer nicht berauschend, es wären aber immerhin drei Prozent mehr als vor vier Jahren. Damals sei die Beteiligung ausserordentlich schlecht gewesen, erklärt er, weshalb er nun auf ein besseres Resultat hofft.
Bis gestern Morgen hatten die 11084 Stimmberechtigten von Burgdorf zwar auch erst 2700 Kuverts abgegeben. Aber Simon Liechti sagt: «Bei Wahlen gehen die Leute tendenziell eher an die Urne.» Er vermutet, viele hätten bei der brieflichen Stimmabgabe wohl immer noch «eine gewisse Skepsis bezüglich Wahlgeheimnis». (Berner Zeitung)
Erstellt: 28.03.2010, 10:47 Uhr
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