«Taktische Massnahme» der EVP
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Greift die EVP Kanton Bern zu einem raffinierten taktischen Trick, um ihr Ergebnis bei den Grossratswahlen von morgen Sonntag zu optimieren? Dieser Gedanke, den die Beteiligten weit von sich weisen, liegt angesichts einer bevorstehenden Rochade vom Berner Rathaus ins Bundeshaus nahe.
Die Geschichte geht so: Walter Donzé aus Frutigen will im Herbst 2010 nach zehn Jahren als Nationalrat zurücktreten. Er bestätigt entsprechende Gerüchte auf Anfrage und betont zugleich, er ziehe sich nicht etwa zurück, sondern erwäge ernsthaft, 2011 bei den Ständeratswahlen anzutreten.
Seine Nachfolgerin im Nationalrat ist bereits gesetzt: Marianne Streiff, Grossrätin und Ex-Gemeinderätin aus Köniz, die bei den Nationalratswahlen 2007 zum wiederholten Mal den ersten Ersatzplatz hinter Donzé erreicht hatte. Sie habe sich schon entschlossen, das Amt anzunehmen, wie sie sagt. Das Komische ist nur: Marianne Streiff kandidiert morgen trotzdem noch einmal für den bernischen Grossen Rat, dem sie seit 1998 angehört.
Man muss nicht besonders bösartig sein, um der EVP zu unterstellen, sie habe bei den Grossratswahlen schlicht nicht auf ihr profiliertes Zugpferd Marianne Streiff verzichten wollen. Streiff wird zuverlässig einen Sitz für die EVP holen, den sie nur etwa vier Monate später – nach ihrem absehbaren Wechsel in den Nationalrat – einem Nachfolger überlassen kann, der den Sprung in den Grossen Rat selber vielleicht nicht geschafft hätte.
Zu dieser These passt, dass Walter Donzé seinen Rücktritt erst nach den kantonalen Wahlen offiziell bekannt geben wollte. Für die These spricht auch, dass die EVP nicht besonders optimistisch in die Grossratswahlen gehen kann. Diverse Gemeindewahlen haben gezeigt, dass sie markant Wähler an die BDP verlieren könnte. Es handelt sich dabei wohl um Wähler, die zuvor von der SVP zur EVP gewechselt haben und nun in der BDP eine neue Heimat finden.
Walter Donzé und Marianne Streiff widersprechen der These entschieden. Streiff betont, es gehe hier nicht um Ränkespiele. Aus rein parteipolitischer Sicht wäre es in ihren Augen besser gewesen, Donzé wäre schon vor gut einem halben Jahr zurückgetreten, sagt sie. Und: Solange Donzé nicht offiziell den Rücktritt gegeben habe und sie nicht politikmüde sei, spreche nichts dagegen, dass sie erneut für den Grossen Rat kandidiere.
Walter Donzé ist da ein wenig offener: Von einem «Trick» will er nichts wissen – er bezeichnet das Ganze lieber als eine «taktische Massnahme», die völlig normal und weit verbreitet sei. Bei Proporzwahlen, findet er, sei ein solches Vorgehen zulässig, bei Exekutivwahlen würde er es ablehnen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 27.03.2010, 12:34 Uhr
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