Simon sieht sich nicht als Regierungsrätin der Linken
Von Susanne Graf. Aktualisiert am 30.03.2010 3 Kommentare
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Beatrice Simon, haben Sie gut geschlafen?
Beatrice Simon: Ich habe etwas wenig, aber sehr gut geschlafen.
Hatten Sie heute Zeit für Ihre Hunde?
Ich war soeben eine knappe Stunde mit ihnen draussen, nachdem schon früh ein paar Medienleute hier gewesen waren. Ich versuche, einen einigermassen geordneten Tag zu gestalten, damit niemand zu kurz kommt.
Wie werden Sie Ihren Alltag künftig organisieren?
In einer ruhigen Minute werden wir in der Familie schauen, wer künftig wofür zuständig sein wird. In den nächsten zwei Monaten werde ich mein Leben neu organisieren. Zuerst werde ich verschiedene Demissionen schreiben müssen und das Gemeindepräsidium abgeben. Das ist mit einer gewissen Wehmut verbunden. Aber jetzt wartet etwas Neues, für das ich meine ganze Kraft einsetzen muss.
Werden Sie auch als Regierungsrätin mit dem Roller nach Bern fahren?
Bei schönem Wetter, warum nicht?
Bleiben Sie in Seedorf wohnen?
Ich denke nicht, dass ich mir in Bern eine Wohnung nehme. Ich bin in Seedorf zu Hause und fühle mich hier sehr wohl.
Obwohl die Seedorfer Rösti und Neuhaus mehr Stimmen gegeben haben als Ihnen?
Seedorf war einmal eine SVP-Hochburg. Dass hier mehr Leute Rösti und Neuhaus wählen würden, damit musste ich rechnen.
Wie erklären Sie sich, dass am Schluss Sie und nicht Rösti das Rennen machten?
Dafür gibt es einen Mix aus verschiedenen Gründen: Die BDP hat generell gut abgeschlossen. Ich bin eine Frau, das spielte hier auch eine Rolle. Und ich habe, was der SVP nicht gelang, auch in der Stadt viele Stimmen gemacht.
Sehen Sie sich als Regierungsrätin der Linken?
Ich wüsste nicht warum. Die BDP hat ein grosses Wählerpotenzial in der Stadt. Viele bürgerlich denkende Leute, die mit der SVP nicht mehr einverstanden waren, haben mir die Stimme gegeben. Aber es stimmt: Es gab auch SP-Leute, die mir sagten, sie hätten mich als zweite Frau gewählt. Doch es waren sicher nicht allein SP-Wähler, die mich gewählt haben.
Welche Politik wird die BDP nun betreiben? Eine klar bürgerliche? Oder wird sie im Grossen Rat wie bisher zuweilen ausscheren?
Wir müssen eine lösungsorientierte Politik machen und dürfen keine Grabenkämpfe führen. In der Vergangenheit haben wir mehrheitlich bürgerlich entschieden, doch hier und da waren für uns eben auch andere Entscheidungen denkbar. Deswegen sind wir aber keine linke Partei. Wir werden weiter eine bürgerliche Politik verfolgen – aber eben ohne Scheuklappen. Denn nicht nur die bürgerliche Seite weiss, wie es geht.
Weil Sie auch von SP-Leuten gewählt wurden, müssen Sie jetzt deren Erwartungen ebenfalls erfüllen, wenn Sie Ihren Wahlerfolg in vier Jahren wiederholen wollen. Haben Sie keine Angst vor dem Spagat?
Ich denke nicht, dass wir einen Spagat machen müssen. In den letzten anderthalb Jahren hat man gesehen, welche Politik wir betreiben und dass wir nicht den einen oder andern gefallen wollen. Wir haben unsere Grundprinzipien: Wir setzen auf Eigenverantwortung, auf CO2-freie Energie und ein Kernkraftwerk – was ja dann gar nicht zu einem rot-grünen Lager passen würde. Man kann uns in keine Ecke drängen, wir sind eine Partei der Mitte und die Partei, die zuhört. Wenn wir es richtig finden, unterstützen wir auch eine Idee aus dem rot-grünen Lager. Aber wir werden ganz sicher nicht im Hinblick auf Wahlen Anliegen der SP oder der Grünen unterstützen.
Wie sehen Sie die künftige Zusammenarbeit zwischen der rot-grün dominierten Regierung und dem bürgerlichen Parlament?
In einem Exekutivamt ist man gut beraten, Vorschläge zu bringen, die mehrheitsfähig sind. Und man muss vor allem darauf achten, das Beste für den Kanton zu suchen. Es braucht ausgewogene Lösungen, man kann nicht in die eine odere andere Richtung ausscheren.
Welche Direktion möchten Sie, wenn Sie wählen könnten?
Ich kann nicht wählen. Das entscheiden die Bisherigen. Auf Grund meiner Erfahrung in der Gemeinde ist für mich jede Direktion denkbar. Die Bau-, Energie- und Verkehrsdirektion würde mich sehr interessieren. Aber ich gehe nicht davon aus, dass Barbara Egger wechseln wird. Wenn die Bisherigen die Finanzdirektion für mich bestimmen, freue ich mich auf diese Aufgabe. Das ist eine sehr spannende Direktion, und ich würde mich mit voller Kraft an die Arbeit machen.
Was aber, wenn die Volkswirtschaft frei wird und Sie sich mit den SVP-treuen Landwirten arrangieren müssen? Macht Ihnen dieses Szenario Sorgen?
Dann hätte es Andreas Rickenbacher auch Sorgen machen müssen. Die Bauern arbeiten ja auch nicht a priori mit der SP zusammen. Zudem hat die BDP viele landwirtschaftliche Mitglieder. Nein, es würde mir keine Angst machen, die Volkswirtschaft zu übernehmen.
Wie geht es jetzt weiter mit dem kantonalen Präsidium der BDP?
Wir werden eine Nachfolge suchen und an der Parteiversammlung vom 17.Mai das Präsidium neu besetzen.
Welche Präferenzen haben Sie?
Wir haben viele Leute, die das gut machen würden. Aber es ist zu früh, dazu etwas zu sagen.
Vizepräsidentin ist Annelise Vaucher. Kommt sie nach ihrer Abwahl aus dem Grossen Rat eher nicht mehr in Frage?
Es ist traurig, dass sie abgewählt wurde. Aber betreffend Präsidium müssen wir jetzt zuerst intern Gespräche führen, bevor wir an die Öffentlichkeit gehen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 30.03.2010, 08:28 Uhr
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3 Kommentare
Als Grossrätin hat Frau Simon bewiesen, dass sie zu 50% gegen die Wirtschaft und das Gewerbe gestimmt hat - auch wenn sie das nicht wahr haben will - in Zukunft werden die Beschlüsse im Regierungsrat zusätzlich um 50% nach links rücken. Frau Simon hilft ja auch Grüne Richter und Rote Regierungsstatthalter wählen. Ein eingefleischtes Gedankengut kann man ja nicht von heute auf morgen ändern !? Antworten
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