Regierungsratswahl-Kandidaten geben sich zahm
Von Anna Tschannen. Aktualisiert am 12.03.2010
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Von einem Wahlpodium vor den Regierungsratswahlen könnte man eigentlich erwarten, dass die Kandidierenden auch Wahlkampf betreiben. Schliesslich wäre das die ideale Plattform für markige Sprüche und scharfes Abgrenzen vom politischen Gegner. Umso erstaunlicher deshalb, dass die neun Kandidierenden, die am Mittwochabend im «Kreuz» in Belp gegeneinander antreten sollten, friedlich ihre Wahlwerbung von sich gaben. Die Runde agierte mehrheitlich souverän und liess sich auch von provokativen Fragen von Moderatoren und aus dem knapp 100-köpfigen Publikum kaum aus dem Konzept bringen. Doch so stilvoll, wie der Wahlkampf über die Bühne geht – so langweilig ist er auch.
Kaum Überraschungen
Wer die Positionen der einzelnen Parteien kennt, erlebte während der zweistündigen Diskussionsrunde kaum eine Überraschung. Klar sind die bürgerlichen Kandidierenden dafür, dass die rot-grüne Mehrheit wieder abgelöst wird. Ebenso klar ist, dass die Linke dies verhindern will. Doch die sechs Bisherigen, die sich zur Wiederwahl stellen, überboten sich in Nettigkeiten und betonten, wie gut die Regierung aktuell miteinander auskommt. «Wir haben nicht jeden Mittwoch Krieg miteinander, weil die Parteibücher nicht übereinstimmen», sagte beispielsweise Regierungspräsident Hans-Jürg Käser (FDP).
Die einzelnen Positionen zu den aktuellen Themen wie Atomenergie, Steuersenkung und Schulreform vermochten kaum zu überraschen. Lediglich ein paar Statements ragten aus der Masse der solid vorgetragenen Wahlpropaganda heraus: So sprach sich der amtierende Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) dafür aus, die Wasserkraftwerke im Grimselgebiet auszubauen – im Widerspruch zu seiner Partei.
Mini-Duell um den Jura-Sitz
Zwei kleine Konfliktpotenziale waren an diesem Abend auszumachen: Die Trennung von SVP und BDP schmerzt noch immer, wie einige Seitenhiebe zwischen Beatrice Simon (BDP) und Christoph Neuhaus (SVP) bewiesen.
Der zweite Streit betraf den Jura-Sitz: Der Bisherige Philippe Perrenoud (SP) und sein Herausforderer Sylvain Astier (FDP) sind nicht eben die besten Freunde, auch wenn sich ihre Haltung zum Jura-Konflikt nur in Nuancen unterscheidet: Beide sind überzeugte Bernjurassier. Doch sie wissen, dass wahrscheinlich nur einer von ihnen in den Regierungsrat einziehen wird.
Wo bleibt der Wahlkampf?
Fazit des Abends ist, dass die Bisherigen – mit Ausnahme des eher farblosen Christoph Neuhaus – kaum um ihre Wiederwahl fürchten müssen. Die These sei gewagt, dass unter diesen Umständen die bürgerliche Wende nicht zu schaffen ist: Die vier rot-grünen Regierungsräte werden so wenig attackiert, dass sie mit Dossiersicherheit und Erfahrung überzeugend genug wirken. So läuft andernorts der Wahlkampf nicht.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 12.03.2010, 10:37 Uhr
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