Parteien vor heissem Wahlherbst
Wahlen im Kanton Bern 2010
- Die Fraktion der Mitte wächst
- Neuer Stapi Raphael Lanz: «Sehe mich als Teamcaptain»
- Verlierer Peter Siegenthaler: «Gegen ihn bin ich chancenlos»
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Sind die Resultate an den Grossratswahlen ein Indiz für die Gemeindewahlen in Thun im Herbst? Welche Schlüsse ziehen die Parteien aus ihren eigenen Ergebnissen und denjenigen der anderen Parteien (vgl. auch Artikel auf der nächsten Seite zu den Steffisburger Wahlen)?
Eine Umfrage bei den Thuner Parteipräsidenten hat folgendes Fazit ergeben: Dass nur ein Drittel der Stimmberechtigten im Kanton Bern (in Thun nur 27,73 Prozent) gewählt hat, finden sie bedenklich (vgl. die Berichte in der Ausgabe von gestern). Alle wollen nun ihre Resultate und Wahlergebnisse detailliert analysieren und Gespräche mit anderen Parteien führen, um die nötigen Entscheide für die Thuner Wahlen treffen zu können.
Die Parteipräsidentin der Grünen in Thun, Stadträtin Renate Begré, fragt sich, wer denn bei dieser tiefen Stimmbeteiligung nicht wählen geht. «Wir werden nach unserem massiv gesunkenen Wähleranteil genau analysieren, wo die Gründe dafür liegen, und versuchen, die zwei Drittel der Stimmberechtigten, die nicht gewählt haben, für die Gemeindewahlen im Herbst zu motivieren.» Die Stadträtin ist über die Abwahl von Elisabeth Bregulla enttäuscht. «Da müssen wir über die Bücher», sagt Begré. Es sei für sie nicht ausdiskutiert, ob und in welcher Form mit der SP für die Thuner Wahlen eine Listenverbindung eingegangen werde.
Eine Listenverbindung für die Stadtratswahlen sei naheliegend, offen sei jedoch, ob es auch eine für den Gemeinderat oder gar eine gemeinsame Gemeinderatsliste gebe.
BDP: Zuversichtlich weiter
Die Freude ist gross bei der BDP-Parteipräsidentin in Thun: «Dass die BDP kantonal einen Wähleranteil von 16,03 Prozent erreicht hat und damit zur drittstärksten Partei wird, freut mich sehr», sagt Ursula Haller. Im Wahlkreis Thun liege der Wähleranteil bei 14,44 Prozent und in der Stadt bei 14,1 Prozent. «Die BDP ist somit auch in Thun die drittstärkste Partei», erklärt die Gemeinderätin und Stadtpräsidiums-Kandidatin. Die Partei steige deshalb mit Zuversicht in die Thuner Wahlen. «Doch wir sind keinesfalls euphorisch, denn wir sind uns bewusst, dass es für einen Gemeinderatssitz einen Wähleranteil von 16,66 Prozent braucht.» Doch dies sei realisierbar, und die Chance sei gross, einige Mandate im Stadtrat zu erhalten. Offen seien zurzeit die Listengestaltung und allfällige Listenverbindungen.
Für den Grossen Rat hätten die Thuner Stimmberechtigten anders gewählt: Nebst Ueli Frutiger (Oberhofen) wäre Jürg Schenker (Sigriswil) an Stelle von Mathias Kohler (Uetendorf) BDP-Grossrat geworden.
SVP: Komfortable Lage
SVP-Parteipräsident und frisch gewählter Grossrat Ueli Jost ist zwar erfreut über den wiederum erhöhten Wähleranteil seiner Partei, doch er ist zugleich enttäuscht über die tiefe Stimmbeteiligung. «Das ist bedenklich und ein schlechtes Signal.» Doch grundsätzlich sei er für die Thuner Wahlen im Herbst zuversichtlich. «Wir befinden uns in einer komfortablen Lage», sagt er. Die Schwerpunkte seien das Stadtpräsidium, welches die Partei mit Raphael Lanz erobern will, und die bürgerliche Mehrheit im Gemeinderat. «Ob wir nun wieder mit zwei Sitzen vertreten sein wollen oder nicht, ist sekundär», erklärt Jost. Offen seien auch jegliche Listenverbindungen und -gestaltungen. Nun würden zuerst die Gespräche mit den anderen bürgerlichen Parteien geführt. «Wir sind offen für alles», sagt er, «und wären sogar zu Gesprächen mit der BDP bereit, wenn sie dies wünscht.»
Der Wähleranteil der SVP im Verwaltungskreis Thun beträgt insgesamt 28,6 Prozent. Dies entspricht einer Steigerung gegenüber den letzten Wahlen von 3,3 Prozent (vgl. Grafik unten links).
FDP: Wie geplant weiter
FDP-Parteipräsident Carlos Reinhard ist über das Wahlergebnis und den massiven Verlust an Wähleranteilen enttäuscht: «Dass Marianne Staub abgewählt wurde, ist traurig, und dass die FDP Stadt Thun im Grossen Rat jetzt nicht mehr vertreten ist, ist wohl das erste Mal in unserer Geschichte.» Doch die Partei stecke nicht den Kopf in den Sand, sondern mache erst recht vorwärts. «Wir gehen unseren Weg weiter wie geplant», betont der FDP-Stadtrat, der als Grossratskandidat in der Stadt Thun 899 Stimmen erhalten hat, 89 Stimmen mehr als die amtierende FDP-Gemeinderätin Jolanda Moser. Der «geplante Weg» sieht so aus: Sowohl er wie Moser sollen kumuliert an den Gemeinderatswahlen im Herbst in Thun antreten (wir berichteten).
In Thun wäre Marianne Staub als Grossrätin nicht abgewählt worden. Sie hat 150 Stimmen mehr als der wiedergewählte FDP-Grossrat Hans-Rudolf Feller aus Steffisburg erhalten.
SP: Aussagekräftige Wahlen
Die SP ist mit der Rückeroberung des vierten Sitzes glücklich. «Zudem hat Peter Siegenthaler mit seinem Glanzresultat eine gute Ausgangslage, um Stadtpräsident von Thun zu werden», sagt SP-Parteipräsident Franz Schori. Positiv auf das Wahlergebnis ausgewirkt hätten sich die Zersplitterung der Grünen, der Grünliberalen und der BDP sowie die Stimmenverluste der Grünen. Die Listenverbindungen für die Thuner Wahlen würden nun mit Sicherheit heiss diskutiert. «Die Wahlresultate sind in jedem Fall aussagekräftig», findet Stadtrat Franz Schori. Und: «Ich rechne damit, dass die BDP im Stadtrat auf Anhieb fünf bis sechs Sitze und somit Fraktionsstärke erreicht und dass Ursula Haller die Wahl in den Gemeinderat sogar ohne Listenverbindung schaffen kann.» (Thuner Tagblatt)
Erstellt: 30.03.2010, 09:56 Uhr
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