Im neuen Grossen Rat sitzen 32 Landwirte
Von Fabian Schäfer. Aktualisiert am 31.03.2010 2 Kommentare
Fast die Hälfte ist 54-jährig und älter. (Bild: Grafik BZ/Signer)
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Wahlen im Kanton Bern 2010
- Die Fraktion der Mitte wächst
- Neuer Stapi Raphael Lanz: «Sehe mich als Teamcaptain»
- Verlierer Peter Siegenthaler: «Gegen ihn bin ich chancenlos»
Nur wenige Junge gewählt
110 der 160 Grossrätinnen und Grossräte sind 48 Jahre alt oder älter (siehe Grafik links). Insgesamt ist der Grosse Rat markant älter als die bernische Bevölkerung – und dies nicht nur, weil man erst ab 18 Jahren wählbar ist. So sind gut 25 Prozent der Bevölkerung zwischen 20 und 39 Jahren alt. Im Kantonsparlament machen die 18- bis 41-Jährigen aber nur 15 Prozent aus (Zahlen, die direkt mit der grossrätlichen Alterspyramide vergleichbar wären, sind leider nicht verfügbar).
Moment Mal: Unglaublich scharfsinnig
Wir staunen. Wir staunen ob des Tempos und der scharfsinnigen Schlussfolgerung der kantonalen Fachkommission für Gleichstellungsfragen. Nur zwei Tage nach den Wahlen – ein horrendes Tempo für eine kantonale Fachkommission – gab sie gestern in einer Medienmitteilung ihrer Enttäuschung darüber Ausdruck, dass der Anteil der Frauen im Grossen Rat gesunken ist. Und in ihrer messerscharfen Analyse kommt sie zum Schluss: «Eine mögliche Ursache dafür könnte der Sitzzuwachs rechts der Mitte sein.»
Wow. Welch überraschende Erkenntnis. Ohne die kantonale Fachkommission für Gleichstellungsfragen wären wir nie darauf gekommen.
Umso gespannter warten wir jetzt auf den nächsten Bericht der Kommission. Denn deren Arbeit beginnt erst jetzt. Sie wird die Wahlergebnisse nun «eingehend analysieren».
Wenn es das nächste Mal darum geht, im Kanton nach Sparmöglichkeiten zu suchen, wird zumindest in einem Fall keine eingehende Analyse nötig sein. Die Gleichstellungskommission bietet sich gleich selber an. Dominic Ramel
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Zuerst ein paar kleine Zahlenspielereien anhand der Statistik über die Erwerbstätigen, um zu zeigen, wie massiv übervertreten die bernische Landwirtschaft im neu gewählten Grossen Rat ist. Wären zum Beispiel die Beschäftigten des Garagengewerbes und der Tankstellen genauso gut vertreten wie die Bauern, könnten sie gleich 10 Grossratsmitglieder stellen – in der Realität stellen sie, nach allem, was bekannt ist, kein Mitglied. Wären die Angestellten des Bereichs Detailhandel/Reparatur so stark wie die Bauern vertreten, hätten sie 43 Repräsentanten im Rathaus. Das Baugewerbe dürfte 35 Damen und Herren entsenden und die Angestellten im Gastgewerbe deren 33. Natürlich ist keine der genannten Branchen derart massiv übervertreten.
Aber die Landwirte sind es in der Tat. Nicht weniger als 32 der total 160 Grossrätinnen und -räte haben vom Berner Bauernverband Lobag das Label «bäuerlich» erhalten. Das sind 9 mehr als bisher. Damit hat gut jeder dritte «bäuerliche» Kandidierender die Wahl geschafft, was bemerkenswert ist. Unter den neu Gewählten ist auch Donat Schneider (SVP), der Lobag-Geschäftsführer. Dem Grossen Rat gehören zudem 4 Lobag-Vorstandsmitglieder an.
Die Meisterlandwirte und Co. haben also im neuen Kantonsparlament genau 20 Prozent aller Sitze inne. Gleichzeitig sind im Kanton Bern aber nur 5,8 Prozent aller Erwerbstätigen im Primärsektor (Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Jagd) tätig, wie aus den aktuellsten Daten aus dem Jahr 2008 hervorgeht. Es liegt auf der Hand, dass das Erstarken der Bauernlobby stark mit dem unerwartet guten Abschneiden von SVP und BDP zusammenhängt.
Politisierende Pädagogen
Traditionell gut vertreten ist eine zweite Berufsgruppe, deren Wohl ebenfalls stark von Entscheiden der Politik abhängt und die bei Parlamentswahlen folglich ebenso eifrig kandidiert: die Lehrerinnen und Lehrer. Im Grossen Rat der Jahre 2010 bis 2014 stellen sie – je nachdem, ob auch die pensionierten Lehrpersonen mitgezählt werden – 20 bis 25 Vertreterinnen und Vertreter.
Gemeindelobby legt zu
Neben der Landwirtschaft ist bei den Wahlen am Sonntag aber noch eine zweite Lobby deutlich erstarkt: jene der Gemeindevertreter. Dass der Verband bernischer Gemeinden (VBG) schon heute wichtige Vorlagen wesentlich beeinflussen kann, bewies er unlängst bei der Diskussion über die Steuersenkung 2011/12, als er die ursprüngliche Maximalvariante der Bürgerlichen verhinderte und einen Kompromiss erzwang.
Im neuen Grossen Rat sind auf den ersten Blick 30 Gemeindevertreter – vom Gemeindepräsidenten bis zum Stadtrat – auszumachen. Dabei dürften noch nicht restlos alle Mitglieder kommunaler Behörden mitgezählt sein; der VBG hat sich bisher auch noch keinen detaillierten Überblick über alle grossrätlichen Mitstreiter verschafft.
Schwergewichte gewählt
Wesentlich scheint vor allem, dass fortan deutlich mehr Gemeindepräsidenten im Grossen Rat sitzen. Sie waren bisher eher untervertreten – was sich nun schlagartig ändert. Neu gewählt wurden namentlich Elisabeth Zäch (SP), die Stadtpräsidentin von Burgdorf, ihr Amtskollege aus Langenthal, Thomas Rufener (SVP), sowie die Gemeindepräsidenten von Köniz und Münsingen, Luc Mentha (SP) und Erich Feller (BDP). Besonders gut vertreten ist Burgdorf, das auch noch Zächs Vorgänger Franz Haldimann (BDP) sowie Gemeinderat Hugo Kummer (SVP) nach Bern entsendet.
Der «President’s Club»
Die Stadt Thun wiederum ist vertreten durch SP-Gemeinderat Peter Siegenthaler. Für Biel ist Gemeinderat Pierre-Yves Moeschler (SP) vor Ort; abgewählt wurde jedoch sein Amtskollege Hubert Klopfenstein (FDP). Moutier ist unverändert mit Präsident Maxime Zuber (PSA) im Parlament vertreten.
Fazit: Als einzige Stadt entsendet ausgerechnet Bern kein Exekutivmitglied in das Kantonsparlament. Einige Stadträte schafften zwar den Sprung in den Grossen Rat – von ihnen wird allerdings maximal einer (Erich Hess, SVP) das Stadtparlament nicht verlassen.
Der Klub der Gemeindepräsidenten im Grossen Rat wird unter anderem ergänzt durch diese Bisherigen: Bernhard Antener (SP, Langnau), Lorenz Hess (BDP, Stettlen), Niklaus Gfeller (EVP, Worb) und Beat Giauque (FDP, Ittigen). VBG-Präsident Hess registriert die Stärkung der Gemeindelobby «erfreut». Er hofft, der Verband habe nun bessere Chancen, sich in Streitfällen bereits in der frühen Verhandlungsphase durchsetzen zu können. (Berner Zeitung)
Erstellt: 31.03.2010, 07:42 Uhr
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2 Kommentare
so lange die bauern das sagen haben wird in unserem land keine fruchtbare zukunfträchtige politik geschehen.ausser das sie lauthals gegen den staat lästern und dabei ausser acht lassen das genau sie den steuerzahler jährlich mit 4 milliarden abschöpfen. Antworten
Mit Bedauern nehme ich zur Kenntnis, dass der Tourismus im neuen Parlament untervertreten ist. Obschon ohne die Unterstützung der Gastro- und Hotelverbände wiedergewählt, werde ich mein Bestes geben, die Branche würdig zu vertreten. Neben christlichen Werten setze ich mich ein für nachhaltigen Tourismus, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und Erhalt der Schöpfung. Antworten
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