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FDP sucht nach Wahlschlappe neuen Politkurs

Von Urs Egli. Aktualisiert am 30.03.2010

Macht die Berner FDP nach der Wahlschlappe eine Kurskorrektur? Die Parteileitung analysiert und sucht ein neues Präsidium.

TeleBärn Video: FDP die grosse Verliererin.

Für die FDP im Grossrat: Corinne Schmidhauser.

Für die FDP im Grossrat: Corinne Schmidhauser. (Bild: zvg)

Wahlen im Kanton Bern 2010

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«Vor ein paar Wochen hatte ich einen Albtraum, dass die FDP bei den Grossratswahlen 10 Sitze und 5,5 Prozent Wähleranteil verlieren wird», erinnert sich der Berner FDP-Kantonalpräsident Johannes Matyassy nur ungern. Jetzt ist der Traum bittere Realität geworden. Die FDP hat im Kantonsparlament 9 Sitze (17 statt 26) und 6,1 Prozent Wähleranteil (10,3 statt 16,4 Prozent) verloren. Warum die FDP derzeit fast im freien Fall ist, müsse eine Analyse zeigen. Einen der Primärgründe kennt Matyassy bereits: «Wenn die FDP gegen eine Partei wie die BDP antreten muss, die faktisch im gleichen Lager ist, die gleichen Ideen und Positionen vertritt, anständig politisiert wie wir, aber den Vorteil hat, dass sie neu und unverbraucht und darum attraktiv ist, dann ist dieser Kampf für die FDP kaum zu gewinnen.»

Bleibt die Frage: Warum gelingt es der bernischen FDP nicht, ihre Wählerinnen und Wähler bei der Stange zu halten? «Die alte Garde der FDP ist immer noch im Boot», weiss Matyassy, der im Mai als Kantonalpräsident zurücktreten wird. Doch der rechte Flügel der FDP, der früher SVP gewählt hätte, «dies aber nicht getan hat, weil die Berner SVP zu nah am Zürcher SVP-Flügel politisierte, hat jetzt in der BDP eine neue politische Heimat gefunden».

Kommt Schmidhauser?

Was die Berner FDP nach dem Wahldebakel vom Wochenende unternimmt, um nicht weiter an Boden zu verlieren, kann Matyassy nicht sagen. Es sei nun die Sache der FDP-Geschäftsleitung, über die Bücher zu gehen. Wichtig sei, «dass wir schnell das Signal nach aussen senden, dass die FDP mit neuem Personal auf Kurs ist». Im Vordergrund steht die Wahl einer FDP-Kantonalpräsidentin oder eines -präsidenten.

Bis dann muss geklärt sein, in welche politische Richtung die Berner FDP steuern will. Dass diese auf die Seite der Hardliner abdriften werde, glaubt Matyassy nicht. Die Resultate der Grossratswahlen zeigten, dass nicht alle sogenannten Hardliner der FDP gut abgeschnitten hätten: Der Bieler Hubert Klopfenstein wurde abgewählt, der Stadtberner Philippe Müller dafür mit dem besten FDP-Ergebnis des Wahlkreises Bern gewählt. Problemlos schafften ebenso die gemässigten FDPler Corinne Schmidhauser (Bremgarten) und Peter Flück (Brienz) ihre Wiederwahl. Deshalb sei eine mögliche Kurskorrektur nicht so leicht zu bestimmen, mutmasst Matyassy. Eine neue Marschrichtung der FDP ist für ihn nicht wahrscheinlich. Dieses Thema habe er bereits am Sonntag mit dem FDP-Schweiz-Präsidenten Fulvio Pelli diskutiert. Matyassy und Pelli kamen zum Schluss, dass die FDP als bürgerliches Original an ihrer klaren Linie festhalten müsse.

«Die nationale Politik kam und kommt uns in die Quere. Zudem haben uns die Grünliberalen, als enge Nachbarn, Sitze weggenommen», kommentiert Corinne Schmidhauser das FDP-Wahlergebnis. Aber ihre Partei habe auch Fehler gemacht. Also wäre es für sie eine besondere Herausforderung und Chance, das Präsidium der FDP Kanton Bern zu übernehmen. Trotz Wahlschlappe schliesse sie eine Kandidatur nicht aus, sagt Schmidhauser. Entschieden hat sie sich indes noch nicht. Gleiches gilt für Peter Flück. Zwar gibt er zu, dass er die Wahlniederlage zuerst noch verdauen müsse, «doch bin ich nicht der Typ, der nach einer Niederlage den Kopf in den Sand steckt». Die Geschäftsleitung der FDP müsse jetzt sagen, in welche Richtung die Partei gehe, dann entscheide er sich.

Der Frust des Herrn Astier

Nicht kapituliert hat auch Dora Andres. Die frühere Regierungsrätin setzt sich als Präsidentin der Findungsgruppe dafür ein, «dass wir eine neue Parteipräsidentin oder einen neuen -präsidenten finden und wählen können, der die Berner FDP mit vollem Elan in die Zukunft führt». Den Wähleranteil von heute 10,3 auf 15 Prozent zu steigern sei möglich, sagt Andres.

Übrigens: Dass der am rechten FDP-Flügel stehende gescheiterte Regierungsratskandidat Sylvain Astier (Moutier) nach seiner Wahlschlappe FDP-Regierungsrat Hans-Jürg Käser den Vorwurf machte, er habe nur für sich selbst Wahlkampf betrieben, will Johannes Matyassy nicht kommentieren: «Das hat Herr Astier im Frust gesagt – aber das regeln wir intern.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.03.2010, 08:46 Uhr

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