Erhält der Kanton Bern erstmals einen linken Finanzdirektor?
Von Fabian Schäfer. Aktualisiert am 29.03.2010
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Eine grosse Frage ist noch offen: Wer übernimmt die Finanzdirektion und wird Nachfolger von Urs Gasche (BDP)? Im Moment deutet alles darauf hin, dass Andreas Rickenbacher (SP) das einflussreiche Finanzressort übernimmt. Der Volkswirtschaftsdirektor wurde als Drittbester glanzvoll wiedergewählt.
Rickenbacher schweigt Er wollte sich noch nicht festlegen, es spricht aber alles für ihn. Rickenbacher, schon als Grossrat ein versierter Finanzpolitiker, wurde bereits 2006 als Finanzdirektor gehandelt, als er neu in die Regierung kam und die Linke die Mehrheit holte. Er zeigte Interesse, wollte aber Gasche, der die Direktion seit 2001 führte, nicht verdrängen. Heute fragt sich, ob die rot-grüne Mehrheit die Finanzen unbedingt übernehmen will. Die Alternative ist für sie nicht uninteressant: Sie könnte, salopp gesagt, weiterhin einen Bürgerlichen vorschicken, der den Bürgerlichen im Grossen Rat erklären müsste, wieso sie die Steuern nicht senken sollen.
In der SP plädieren aber prominente Stimmen für die Übernahme der Finanzdirektion. Parteipräsidentin Irène Marti findet, die SP solle dies «anstreben». Bernhard Antener, Finanzpolitiker und Vizechef der SP-Fraktion, sagt offen heraus, er finde, Rickenbacher sollte Finanzdirektor werden. Die Mehrheit solle die Verantwortung tragen. Für die Bürgerlichen wäre es das erste Mal in der Geschichte des Kantons Bern, dass sie die Finanzdirektion abgeben müssten. Noch nie war ein Sozialdemokrat oder ein Grüner Finanzdirektor, wie Staatsschreiber Kurt Nuspliger und alt Grossratssekretär Christian Wissmann gestern Abend übereinstimmend bestätigten. Wird Rickenbacher Finanzdirektor, bleiben den Bürgerlichen neben Hans-Jürg Käsers (FDP) Polizei- und Militärdirektion nur eher unattraktive Ressorts: Christoph Neuhaus (SVP) und Beatrice Simon (BDP) müssten mit der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion sowie der Volkswirtschaftsdirektion Vorlieb nehmen. Die nebst den Finanzen wichtigsten Direktionen bleiben ohnehin links: die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Barbara Egger, SP), die Erziehungsdirektion (Bernhard Pulver, Grüne) und die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (Philippe Perrenoud, SP). (Berner Zeitung)
Erstellt: 29.03.2010, 07:38 Uhr
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