Ein unbeschriebenes Blatt
Wahlen im Kanton Bern 2010
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Vier der fünf neuen Vertreter der Region Thun im Kantonsparlament haben sich in den letzten Jahren ein gewisses Mass an politischem Renommee verschafft: Der Thuner Ueli Jost (SVP) machte sich als langjähriger Stadtrat und Feuerwehrkommandant einen Namen. Peter Siegenthaler (SP) sass ebenfalls im Thuner Stadtrat, bevor er vor vier Jahren in den Gemeinderat gewählt wurde. Sein Parteikollege Hannes Zaugg-Graf führt seit acht Jahren die Gemeinde Uetendorf. Erfahrungen in der Gemeindepolitik hat auch Ueli Frutiger (BDP) gesammelt. Er sass zwölf Jahre im Gemeinderat von Oberhofen, insgesamt acht Jahre kommandierte er zudem die Feuerwehr. Der Fünfte im Bunde, der Uetendorfer Mathias Kohler (BDP), ist dagegen politisch fast gänzlich ein unbeschriebenes Blatt. So hatte er bisher noch in keinem Gremium Einsitz. Er gehörte aber vor einem Jahr zu den Gründungsmitgliedern der BDP Thun.
Offen für andere Meinungen
Dass er noch unbelastet an die Sache herangehen kann, sieht Kohler denn auch eher als Vor- denn als Nachteil. «Ich werde mich aber sicher vorgängig bei erfahrenen Parlamentariern informieren, was alles auf mich zukommt.» Er sei generell offen, was andere zu sagen hätten. «Dabei kommt es mir nicht in erster Linie darauf an, in welcher Partei sie sind.» Auf die Frage, bei welchem Thema er das erste Mal ans Rednerpult schreite, sagte Kohler: «Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Wichtig sind mir die Umwelt, die Energie, aber auch die Bildung.»
Erhofft, nicht erwartet
Die Tatsache, dass er als Newcomer den Sprung ins Kantonsparlament auf Anhieb geschafft hat, habe ihn zwar überrascht, aus allen Wolken sei er aber nicht gefallen. «Ich rechnete mir Chancen aus, wusste aber, dass es knapp wird.» Letztlich konnte Kohler 76 Stimmen mehr auf sich vereinigen als sein Parteikollege Lukas Schenker aus Sigriswil (vgl. Text unten). «Das war Glück. Es hätte auch umgekehrt sein können», so der Gewählte.
Angst davor, dass ihm in Zukunft zu wenig Zeit für seine Familie bleibt, hat der 37-jährige Unternehmer nicht. «Meine Frau hat mich wunderbar unterstützt. Wir waren uns einig, dass ich die Kandidatur wagen soll, mit allen Konsequenzen, die sich daraus entwickeln können.» Nach Abschluss seiner Weiterbildung, die kurz bevorstehe, habe er ohnehin wieder mehr Luft. Zudem könne er sich auf die tolle Unterstützung seines Teams zählen. «Ich weiss, dass sie auch ohne mich zurechtkommen», sagt der gebürtige Meiringer Kohler, der vor elf Jahren die Mako Laser AG gegründet hat. Das Unternehmen für Maschinen- und Apparatebau beschäftigt zur Zeit acht Vollzeit-Mitarbeiter, zwei Lehrlinge und drei Teilzeit-Mitarbeiter. Weil es in den Räumlichkeiten der alten Selve in Uetendorf, wo die Firma seit der Gründung beheimatet ist, langsam eng wird, sucht Kohler einen neuen Standort. «Es ist noch nichts spruchreif, wir haben aber zwei Optionen in Aussicht», sagt er. Langweilig dürfte es ihm deshalb auch vor dem Start der ersten Grossratssession kaum werden. (Thuner Tagblatt)
Erstellt: 30.03.2010, 09:53 Uhr
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