Die sieben Aussenseiter bei den Regierungsratswahlen
Von Susanne Graf. Aktualisiert am 17.03.2010
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Die EVP schickt mit Marc Jost und Patrick Gsteiger gleich zwei Kandidaten ins Rennen. Beide möchten vorab die christlichen Werte in die Regierung tragen. Beide fänden es zudem wichtig, dass auch die politische Mitte vertreten wäre. Mit einem EVP-Regierungsrat, meint Marc Jost, könnte die Exekutive des Kantons Bern an Glaubwürdigkeit und Akzeptanz gewinnen. Denn wenn die Mitte in der Regierung abgebildet wäre, «würde das ewige Hickhack zwischen links und rechts aufhören», sagt der 36-Jährige, der sich «vom Typ her als Vermittler» bezeichnet. Jost preist sich auf seiner Homepage als Brückenbauer an. Er politisiere nach keinem Schema, bei ihm stünden Lösungen im Vordergrund, und das bedeute zuweilen halt auch, Kompromisse einzugehen. Jost sitzt seit vier Jahren für die EVP im Grossen Rat. Der dreifache Familienvater wohnt mit seiner Familie in Thun und arbeitet als Pfarrer im Evangelischen Gemeinschaftswerk. In der Politik will er sich für «finanziellen Handlungsspielraum» der Familien als «Kernzellen der Gesellschaft» einsetzen, will Anreize schaffen zum Energiesparen und die Solidarität zwischen Jung und Alt fördern.
Patrick Gsteiger aus Perrefitte, in der Nähe von Moutier, möchte als EVP-Regierungsrat mithelfen, den Schuldenberg abzubauen, kleinere und mittlere Unternehmen zu stärken, und will eine liberale Marktwirtschaft begünstigen, «die sich ihrer sozialen Verantwortungen bewusst ist». Vor allem aber würde er sich für Umweltanliegen einsetzen und einheimische, erneuerbare Energien fördern. Das macht der 42-jährige zweifache Familienvater schon heute jeden Tag: Er ist Mitinhaber eines Ingenieurbüros und arbeitet als Energieberater. Er würde sich im Regierungsrat nicht für den Ersatz des AKW Mühleberg einsetzen. Der Ausstieg aus der Nuklearenergie dürfe nicht auf später verschoben werden, sagte er an einem Podiumsgespräch. Gsteiger hat eine abwechslungsreiche berufliche Laufbahn hinter sich: Nach der Lehre als Bauzeichner absolvierte er die Polizeischule, amtete als Regionalfahnder im Berner Jura, arbeitete dann in der Staatskanzlei unter anderem als Generalsekretär des Bernjurassischen Rates, bevor er als Projektleiter zur Energieberatung wechselte.
Auch bei Marc Früh stossen Fragen der Alternativenergie nicht auf taube Ohren. Der «Quotidien Jurassienne» hat ihn an einem Podiumsgespräch als «leidenschaftlichen Verfechter der Windenergie» wahrgenommen. Früh tritt für die EDU zu den Regierungsratswahlen an – wie übrigens schon vor vier Jahren. Der 53-Jährige ist verheiratet und Vater von fünf Kindern. Er wohnt in Lamboing, wo er während sieben Jahren als Gemeindepräsident wirkte. Vor vier Jahren wurde er als EDU-Vertreter in den Grossen Rat gewählt. Er präsidiert zudem die EDU Berner Jura. Als Bilingue hat er den Vorteil, beide Amtssprachen des Kantons Bern gleichermassen zu beherrschen. Früh, der heute als Sozialpädagoge arbeitet, will sich laut der EDU-Website vorab auf «aktuelle gesellschaftspolitische Aufgaben» konzentrieren.
Auch Maxime Zuber tritt nicht zum ersten Mal zu den Regierungsratswahlen an. Der Stadtpräsident von Moutier hat es schon 2006 versucht. So wenig wie damals wird es ihm diesmal gelingen, den Sprung zu schaffen. Aber das weiss er. Ihm gehe es bei seiner Kandidatur vorab darum, die Wähler seines Parti socialiste autonome (PSA) zu mobilisieren. Ohne ihn würden diese gar nicht wählen gehen, ist Zuber überzeugt. Doch der 46-jährige Grossrat hat mit seiner Kandidatur die kantonale SP aufgeschreckt. Erst als er in einer Vereinbarung erklärte, dass der PSA die rot-grünen Regierungskandidaturen unterstützen werde, beruhigten sich die Gemüter. Zubers PSA stimmt zwar im Grossen Rat meistens mit der Berner SP, ist aber nicht Mitglied. Dafür gehört er der SP Schweiz an. Zubers Mission ist vor allem jene der Separatisten im Berner Jura. Der Mathematiker und Gymnasiallehrer scheut dabei vor Provokationen nicht zurück. Lange Zeit flatterte auf dem Rathaus der Stadt Moutier, die er seit 1995 präsidiert, nicht etwa die Bernerfahne, sondern jene des Kantons Jura. Als «Zeichen der Öffnung und des Dialogs» hat er sie eingeholt. Doch er wird kaum davor zurückschrecken, sie wieder zu hissen, falls die Arbeit der Interjurassischen Versammlung nicht in der Schaffung eines neuen Kantons Jura münden sollte.
Mit Alexandra Perina sind es insgesamt drei Frauen, die zu den Regierungsratswahlen antreten. Die 33-Jährige kandidiert für die CVP. Mit Politik verdient sie, die in Bolligen aufgewachsen ist und mit ihrem Mann in Bern lebt, schon jetzt ihr täglich Brot. Alexandra Perina arbeitet als politische Sekretärin der CVP-EVP-GLP-Bundeshausfraktion. Sie hat in Genf Internationale Beziehungen studiert. In den Berner Regierungsrat möchte sie etwa, weil sie überzeugt sei, «dass in der Gesundheitspolitik vieles besser zu machen wäre». Auch die Bildungsqualität möchte sie verbessern und insbesondere dem Französisch mehr Gewicht verleihen an den Schulen. Und: «Der Kanton Bern braucht mehr sanfte Mobilität», schreibt Alexandra Perina in ihrem umfangreichen politischen Programm weiter. Wahrscheinlich würde sie als Regierungsrätin die Staatskarosse meiden und jeweils mit dem von ihr hoch gelobten Faltvelo vorfahren.
Der 52-jährige Josef Rothenfluh aus Lengnau tritt ohne Partei im Rücken zu den Regierungsratswahlen an. Eigentlich wollte er ja für die CVP kandidieren. Doch die Partei hatte sich für eine Einerkandidatur entschieden, und an der Nominationsversammlung unterlag Rothenfluh seiner Kontrahentin Alexandra Perina. Rothenfluh, damals noch Ortsparteipräsident, hindert das nun aber nicht, trotzdem zu kandidieren. Er nahm dafür den Ausschluss aus der CVP in Kauf. Denn Rothenfluh hat eine Mission: Er will den «Krankenkassen-Prämien-Wahnsinn» stoppen. Der Inhaber und Geschäftsführer einer Consultingfirma hat als Präsident des Gesundheitsclubs Schweiz «Modelle für bezahlbare Krankenkassenprämien» erarbeitet. Seine Kandidatur diene dem Ziel, die Kostenspirale im Gesundheitswesen «ausgewogen und abgefedert zu lösen» und parallel dazu auch gleich noch die Probleme der IV in den Griff zu bekommen, schreibt Rothenfluh in seinem Blog.
Und schliesslich möchte da noch ein gewisser Bruno Moser Berner Regierungsrat werden. Der 49-Jährige aus Prés-d’Orvin gehört keiner Partei an. Er hat Volkswirtschaft studiert, bezeichnet und betätigt sich aber heute als «Revolutionär». Er möchte sämtliche Steuern aufheben und diese durch eine so genannte Bodenrente ersetzen. Deren Ertrag würde er dann in Form einer Dividende auf jedermann verteilen. Er, der übrigens die aktuelle Wirtschaftskrise laut der Zeitung «Quotidien Jurassien» bereits im 2007 vorausgesagt haben will, würde auch mit den Krankenkassen kurzen Prozess machen – und auch diese gleich abschaffen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 17.03.2010, 15:53 Uhr
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