Andreas Rickenbacher: Nettigkeit mit Grenzen
Von Susanne Graf. Aktualisiert am 09.03.2010 3 Kommentare
Andreas Rickenbacher (SP, bisher). Die Kandidierenden wurden im Fotostudio vor einem weissen Hintergrund fotografiert – wie, war ihnen freigestellt. Aus den Aufnahmen wählten sie ihr Wunschbild aus. (Bild: Andreas Rickenbacher)
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Andreas Rickenbacher (SP) ist einer, der gerne weiss, was auf ihn zukommt. Er schaut voraus und analysiert. Deshalb konnte er sich vor vier Jahren gar nicht recht freuen, als alles um ihn herum die eben errungene rot-grüne Mehrheit im Regierungsrat feierte. Rickenbacher wurde noch am Wahlabend klar, was die Sensation im Frühling 2010 bedeuten könnte: dass sie nicht wiederholbar sein und er abgewählt werden könnte.
Der heute 42-jährige Rickenbacher, der mit seiner Frau und den Töchtern Meret (5) und Lena (2) in Jens im Seeland lebt, hat auch für diesen Fall «ein wenig vorgesorgt»: Er habe sich «finanziellen Spielraum geschaffen», damit er sich für ein paar Monate «eine Auszeit» nehmen könnte. «Eine Abwahl wäre ein Misserfolg, aber Misserfolge sind auch Chancen», sagt er – um sogleich anzufügen: «Es würde mich sehr reuen. Ich konnte viel bewegen und liebe diese Arbeit.»
«Nachhaltig» muss es sein
Andreas Rickenbacher ist gerne Regierungsrat. Und er ist insbesondere gerne Volkswirtschaftsdirektor. In dieser Funktion könne er alles «unter einen Hut bringen», was ihm wichtig sei: wirtschaftliche Entwicklung, Schutz der Umwelt und sozialer Zusammenhalt. Oder anders gesagt: In keiner anderen Direktion könne er sich so umfassend für «Nachhaltigkeit» einsetzen wie als Volkswirtschaftsdirektor. Das Thema, zu dem der Ökonom und Politikwissenschafter eine Seminararbeit verfasst hat, begleitet ihn seit Jahren. Rickenbachers Credo lautet: «Man kann nicht Umweltpolitik machen und die Wirtschaft vergessen. Man darf aber auch nicht bloss für Wirtschaftswachstum sorgen und riskieren, dass irgendwann keine Luft mehr da ist zum Atmen.»
Mit seiner Haltung löst Rickenbacher bei einigen Wirtschaftsvertretern Kopfschütteln aus. Sie loben zwar seine Dialogbereitschaft, rühmen ihn als «netten Kerl», können aber beispielsweise nicht nachvollziehen, dass er als Volkswirtschaftsdirektor nicht dezidiert für den Bau eines neuen AKW eintritt. Doch Rickenbacher ist überzeugt, «dass wir den Um-stieg auf erneuerbare Energie machen müssen, damit wir in fünfzig bis sechzig Jahren überhaupt noch wirtschaftlich konkurrenzfähig sein werden». Punkto Energieproduktion sagt er der Welt in den nächsten Jahrzehnten «dramatische Veränderungen» voraus. Deshalb gelte es jetzt, «die Weichen richtig zu stellen».
Wenn ihm der Kragen platzt
Dass nicht alle seine Meinung teilen, stört Rickenbacher, der vor seinem Einzug in den Regierungsrat schon zwölf Jahre im Grossrat mitgewirkt hat, nicht. Was ihn aber ärgert, sind «Leute, die den Wirtschaftsstandort Bern wider besseres Wissen schlechtreden». Was passiert, wenn sich der als freundlich und ausgeglichen geltende Rickenbacher ärgert? Die Antwort kommt für einmal nicht wie aus der Pistole geschossen. Er überlegt und gesteht: «In mir kann es kochen, auch wenn ich äusserlich völlig ruhig wirke.» Selten platze ihm der Kragen – aber wenn, dann ohne Vorankündigung. «Die Leute reagieren dann jeweils relativ erstaunt», stellt er schmunzelnd fest.
Wenn er schlecht schläft
Dass Rickenbacher wegen des Rauchverbots nicht mehr in allen Berner Restaurants willkommen ist, brachte ihn nicht zum Kochen. Das gehört nicht zu den Problemen, die ihn auch am Feierabend und an den Wochenenden beschäftigen. Es sind vielmehr die «Situationen von Arbeitslosen und innovativen, guten Unternehmen, die wegen der Wirtschaftskrise keine Aufträge mehr haben», die er nicht «im Büro lassen» kann. Dann kommt es vor, dass der Volkswirtschaftsdirektor schlecht schläft und seinen Rücken spürt.
Ausgleich findet er beim Hallenfussball mit Kollegen – und in der Familie. Doch die Zeit mit Frau und Töchtern ist knapp. Er müsse manchmal «sehr hart» zu sich selber sein, damit er einen Abend pro Woche mit ihnen essen und die Kinder zu Bett bringen könne. Das gelingt ihm, weil er seine Agenda selber führt und die Termine mit den Töchtern zuweilen höher gewichtet als noch so interessante Auftritte. Denn bei aller Liebe zum Job ist Rickenbacher «am Ende des Tages eine intakte Familie wichtiger als das Regierungsratsamt».
(Berner Zeitung)
Erstellt: 09.03.2010, 07:39 Uhr
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3 Kommentare
der gute träumer rickenbacher verschachert millionen in sog "erneuerbare" engergien, die den kanton bern und die schweiz insgesamt ins hintertreffen mit der konkurrenz aus dem ausland bringt. es nützt nichts gut schlafen zu können, wenn übermorgen kein brot mehr auf dem tisch ist. Antworten
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