Alexander Tschäppät: «Herz ist nicht im Lohn inbegriffen»
Von Christoph Aebischer. Aktualisiert am 18.05.2009 1 Kommentar
Neuerliche Beschwerde
Peter Bernasconi ficht den Volksentscheid mit einer zweiten Beschwerde an. Er will seine unbeantworteten Fragen geklärt sehen. Peter Bernasconi (SVP), dessen erste Beschwerde vor der Abstimmung abgelehnt worden ist, will es noch einmal wissen: Der Präsident der SVP Stadt Bern kündigt eine neuerliche Beschwerde an. Nun gehe es um die Hauptpunkte. Nämlich darum, dass die Künstler die vom Stadtrat gestellten Bedingungen gar nicht erfüllt hätten. Trotzdem habe man sie zur Abstimmung zugelassen. Dann sei es inakzeptabel, dass der Wettbewerb ausgehebelt worden sei. «Ich will diese Fragen beantwortet haben», betont er.
Er stösst sich daran, wie eine rot-grüne «Connection» mit politischem Kalkül vorgegangen sei. Der Stadtpräsident habe sich «listig, schlitzohrig und wendig» verhalten. Regierungsstatthalterin Regula Mader habe darauf gebaut, das Volk erst entscheiden zu lassen. «Sie setzt nun darauf, dass dann den Einsprechern die Lust vergengen ist.»
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Alexander Tschäppät, freuen Sie sich über die Zustimmung für den Quereinsteiger Pro Progr?
Alexander Tschäppät: Das Volk hat einen klaren Entscheid gefällt. Darüber freue ich mich.
Ist das gut für Bern?
Der Volksentscheid ist zu respektieren. Es ist ein Bekenntnis, dem experimentellen und vielleicht etwas unsicheren Projekt eine Chance einzuräumen. Ich bin zuversichtlich. Immerhin findet der Progr in der Schweiz und über deren Grenzen hinaus Beachtung.
Feiern Sie nun im Progr-Hof mit?
Es gibt Verschiedenes zu feiern. Die Wahl von Christoph Lerch zum Statthalter zum Beispiel oder den Sieg von Roger Federer.
Sie sprachen sich stets gegen ein Providurium aus. Als die Künstlerofferte da war, äusserten Sie plötzlich Sympathien dafür.
Das ist kein Widerspruch. Offiziell änderte der Gemeinderat seine Haltung nie. Aber ich hegte immer Sympathien für den Progr. Das Herz ist nicht im Lohn inbegriffen. Ich wandte mich jedoch stets klar gegen einen permanenten Zuschussbetrieb. Das wird er jetzt auch nicht sein.
Die Finanzierung ist nicht sehr sicher. Was, wenns nicht reicht?
Dann fällt das Gebäude an bester Lage an die Stadt zurück. Nicht das Schlimmste, was uns passieren kann.
Kommen Sie den Künstlern im Baurechtsvertrag entgegen, um ein Scheitern zu vermeiden?
Nein. Da gelten dieselben Bedingungen wie für «Doppelpunkt». Im Gegensatz zu diesem zahlen die Künstler sogar früher. In den ersten beiden Jahren wird ein Viertel des Zinses fällig, dann zwei Drittel und nach Abschluss der Sanierung 2015 der ganze Betrag.
Für die Projektträger von «Doppelpunkt» ist der Scherbenhaufen nach der Ablehnung durch das Volk perfekt. Hat die Jury, deren Präsident Sie ja waren, dermassen schlecht ausgewählt?
Die Jury hat das beste der eingereichten Projekte ausgewählt. Die Künstlerinitiative Pro Progr war nicht darunter. Sie kam nachträglich – durch den Willen des Stadtrats – hinzu.
Das ist im Wettbewerbswesen nicht vorgesehen. Rechnen Sie mit einer Schadensersatzklage?
In einem Rechtsstaat kann alles beklagt werden. Mit dem muss man rechnen. Doch ein Teilnehmer an einem Wettbewerb, den die öffentliche Hand ausschreibt, weiss um das Risiko. Eventuell kommt er sogar als Sieger nicht zum Zug. Denn das letzte Wort hat der Souverän. Das ist Demokratie.
Was sagen Sie zur angekündigten Beschwerde der SVP?
Ich kenne wenige Volksentscheide, die von der Justiz kassiert worden sind.
Wie gross ist der Schaden für den Ruf Berns als Auslober von Wettbewerben?
Beim nächsten Wettbewerb, den die Stadt ausschreibt, werden sich genau so viele bewerben wie beim letzten. Durch die öffentliche Hand veranstaltete Wettbewerbe sind attraktiv. (Berner Zeitung)
Erstellt: 18.05.2009, 08:30 Uhr
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1 Kommentar
Es bleibt nur zu hoffen, dass das Projekt der Möchtegern-Künstler nicht weiter von der Stadt mitfinanziert werden muss. So wie ich das sehe, wird auch das ein Fass ohne Boden. Sollte das eintreffen, stellt sich die Frage, ob dann SP Tschäppät und Co die Verantwortung übernehmen. Antworten
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