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Petes übellauniges Rock'n'Roll-Theater

Von Sarah Pfäffli. Aktualisiert am 17.07.2010 1 Kommentar

Die Babyshambles kamen pünktlich, spielten Hits von «Delivery» bis «Fuck Forever», zelebrierten England und machten das Publikum einigermassen glücklich. Nur Sänger Pete Doherty war mies drauf. Oder tat zumindest so.

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Capital FM: Live vom Gurten

Der wilde Junge aus London spielte am Gurtenfestival den wütenden Rockpoeten: Pete Doherty, Sänger der Babyshambles, beim Konzert am Donnerstagabend. (Bild: Stefan Anderegg)

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Am Ende schmeisst er das Mikrofon in die Menge und eine Ananas, die aus unerfindlichen Gründen auf der Bühne lag. Er zieht das Jackett über das durchgeschwitzte Hemd, hebt kurz den Hut, jongliert noch ein, zwei Mal mit einem aufgeblasenen Ball und verlässt die Bühne.

Pete Doherty ging wie ein Mann, der seinen Job gemacht hat, nicht mehr und nicht weniger. Der wilde Junge aus London hat Donnerstagnacht am Gurtenfestival mit seiner Band Babyshambles das getan, was er zu tun hat – und was man doch nicht ohne Weiteres erwarten konnte: eine laute, schnörkellose Rock’n’Roll-Show abliefern.

Union Jack und Blumen

Vor der Hauptbühne ist die Stimmung vor dem Konzert aufgekratzt, die Handys sind im Kameramodus eingestellt, damit alles bereit ist, wenn Englands berühmtester Selbstzerstörer die Bühne betritt –man weiss ja nie, was da passiert. Noch bis zuletzt hört man hier und da in der Menge: Der kommt ja doch nicht. Diese kleine Unsicherheit lässt die Erwartungen noch weiter anschwellen, die Anspannung lässt sich beinahe greifen. Aber er kommt. Puh. Sogar fast pünktlich, legt mit dem traditionellen Opener «Delivery» los und wirkt in seinem etwas zu engen Anzug und dem weissen Hemd richtig frisch. Mädchen werden auf Schultern gehoben, man filmt und fotografiert, es ist ein wenig wie im Zirkus. Auf einem Verstärker ist ein Union Jack ausgebreitet – als könnte bei dieser Gitarrenmusik jemand vergessen, dass hier eine britische Band am Werk ist. Auf der Flagge sind Sonnenblumen drapiert. Ein absurdes Bild.

«Scum, Scum, Scum»

Wenn Doherty seine Gitarre ablegt, markiert er den Crooner, eine Hand in der Hosentasche, einen Fuss auf dem Monitor, das Mikrofon locker in der Hand. Mit «Albion» geht das Cabaret erst richtig los: Zwei Tänzerinnen wuseln mit Union Jacks konzeptlos auf der Bühne umher. Alles ein grosses, englisches Rock’n’Roll-Theater, bei dem der seltsam anziehende Doherty Regie führt. Fast jedes Lied beginnt mit ein paar Akkorden seiner Gitarre, die Band folgt brav und makellos. Drummer Danny Goffey (Supergrass) trägt einen Sträflingsanzug – ein selbstironischer Wink?

Der Chef taumelt und schwitzt und ist betont übel gelaunt, «Scum, scum, scum, scum» (Abschaum), singt er einmal genüsslich in die Menge. Gehört dazu, ein wenig angepisst zu sein. Dabei soll Doherty zuvor auf dem Weg zum Gurten sogar das «Heidi»-Lied angestimmt haben, so sehr habe ihn die Idylle beeindruckt.

Die Band bin ich

Jetzt zieht er das Jackett aus und krempelt die Hemdsärmel hoch. Mit «What Katie Did» spielen die Babyshambles das einzige Libertines-Lied an diesem Abend. The Libertines, das ist Dohertys stilprägende Ex-Band, die er in den 90er-Jahren mit Carl Barât gegründet hatte, einem anderen Rock’n’Roll-Poeten. Doherty flog wegen seiner Drogenexzesse raus. Die Babyshambles waren eigentlich mal nur Ersatz.

Inzwischen gibts die Band seit sechs Jahren, sie hat Petes Gefängnisstrafen überstanden und seine turbulente, medial ausgeschlachtete Beziehung zu Kate Moss. Die Besetzung hat mehrmals gewechselt, erst vor Kurzem hat Doherty den Drummer ausgewechselt. Der geschasste Adam Ficek hat eine eigene Band, Roses Kings Castles, und legt als Indie-DJ auf, mehrmals schon in Bern.

Schreckliches Publikum

Noch ein Hit, «Killamangiro», danach wirft Pete Doherty wütend den Mikroständer weg. Die Gitarren lärmen herrlich, Dohertys Stimme klingt unverwechselbar traurig, beim ruhigen «Sedative» wirds richtig berührend.

Aber irgendwas funktioniert nicht ganz mit dieser Band und dem Gurten an diesem Abend. Doherty weiss, was es ist. «Well, you've been a terrible audience, I have to say that», sagt er beiläufig vor dem letzten Song, der Hymne «Fuck Forever». Am Ende zieht er trotzdem den Hut. Herkunft verpflichtet. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.07.2010, 10:20 Uhr

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1 Kommentar

Thom Blöch

19.07.2010, 17:01 Uhr
Melden

"terrible audience" ?!? Ich hab "attentive" verstanden... Babyshambles waren Hammer! Es muss ihnen sicher Spass gemacht haben, sonst hätten sie nicht so lange gespielt... Antworten



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