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Englands begabtester Junkie rockt den Berner Hausberg

Von Sarah Pfäffli. Aktualisiert am 15.07.2010 2 Kommentare

Die Vorzeichen stehen gut, dass Pete Doherty am Donnerstag mit seiner Band Babyshambles am Gurtenfestival auftritt. Dann dürfte der begnadete Musiker zeigen, dass er mehr ist als der unzuverlässige Junkie-Ex-Freund von Kate Moss.

Genie und Wahnsinn liegen nahe beieinander: Auf der Bühne ein begnadeter Musiker, im privaten Leben alles andere als ein Vorbild, Pete Doherty.

Genie und Wahnsinn liegen nahe beieinander: Auf der Bühne ein begnadeter Musiker, im privaten Leben alles andere als ein Vorbild, Pete Doherty.
Bild: Keystone

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Puppe mit Crackpfeife

Vor einigen Jahren produzierte ein Spielzeughersteller eine Pete-Doherty-Puppe. Sie hielt eine Crackpfeife in der Hand. Der «NME» wählte ihn 2006 zum «Sexiest Man».

Als Paul McCartney 2007 jemanden auswählen durfte, der ihn für den «Observer Music Monthly» interviewen sollte, wählte er Doherty. Sein Vater war Major in der Armee. Doherty lebte deshalb lange in Deutschland. Die «Vogue» setzte ihn 2005 auf Platz 2 ihrer Best-Dressed-Liste. Kate Moss stand auf Platz 1 bei den Frauen.

Babyface mit Talent und Charisma: Pete Doherty vor einem
Jahr bei einem Soloauftritt am Festi’Neuch in Neuenburg. (Bild: Keystone )

Der Mann mit dem bleichen Babygesicht weiss, wie man Leute zur Weissglut treibt. Beim «T in the Park»-Festival am Sonntag in Schottland rief Pete Doherty den Zuschauern zu, sie sollen jeden verprügeln, der eine Flasche auf die Bühne werfe. Natürlich flogen noch viel mehr Flaschen. Doherty (ausgesprochen: «Dogerti») schoss via Twitter zurück und nannte die Fans «Fuckers».

Aber die «Fuckers» konnten glücklich sein, war Doherty überhaupt aufgekreuzt. Erst vor einer Woche hatte er in Nizza ein Konzert platzen lassen – er sei im Spital, hiess es. Auf Twitter schrieb er vorgestern: «I hit the weekend pretty f**king hard, I feel even more like a dehydrated s**t than usual.» Schon seit das Programm bekannt wurde, fragten sich viele, ob Englands berühmtester Heroinsüchtiger das Gurtenfestival wohl tatsächlich beehren würde oder nicht.

Aus der Asche der Libertines

Es ist ein Fluch: Seine Skandale, vor allem die Beziehung mit Topmodel Kate Moss von 2005 bis 2007, haben ihn erst richtig bekannt gemacht. Doch neben all den Schlagzeilen droht eben auch die Tatsache fast zu verblassen, dass der 31-Jährige ein begnadeter Songschreiber ist. Sein einstiger Manager James Mullord sagte einmal: «Gib ihm ein Thema, und er schreibt in fünf Minuten einen grossartigen Song darüber.»

The Libertines, die Band von Doherty und Carl Barât (um die sich immer wieder Reuniongerüchte ranken), wurden deswegen zu Beginn der 2000er-Jahre als «beste britische Gitarrenband seit Oasis» gefeiert. Wären da nur die Drogen nicht gewesen. Wegen seiner Sucht wurde Doherty 2003 zum ersten Mal und 2004 definitiv aus der Band geworfen. Er gründete die Babyshambles, deren erstes Konzert allerdings – was für ein Omen – abgesagt werden musste. Doherty war verhaftet worden: Er hatte Carl Barâts Wohnung ausgeraubt und die teuren Instrumente verscherbelt.

Rock’n’Roll himself

Die Liste der gestrichenen Konzerte ist lang. Jüngst sind die Absagen aber seltener geworden. Die Babyshambles haben (in wechselnder Besetzung) zwei Alben und mehrere Singles veröffentlicht, darunter klassische Hymnen: «Delivery» etwa, mit dem die Band die meisten Konzerte eröffnet, «Pipedown», «Killamangiro» und «Fuck Forever», das die Gigs beschliesst, sind melodiöse Rocksongs von grosser Dringlichkeit. Inzwischen gebe ihm das Songschreiben mehr als die Drogen, sagte Doherty dem «Guardian». «Aber es ist so viel einfacher, Drogen zu nehmen, als einen Song zu schreiben.»

Vergangenes Jahr veröffentlichte er ein Soloalbum und tourte durch Europa. In Neuenburg gab er damals ein berührendes Konzert. Live verfügt erüber faszinierendes Charisma und lässt erahnen, was die Leute an ihm ebenso lieben wie hassen: Doherty ist der Rock’n’Roll himself. Er ist ein Künstler, in guter Verfassung singt und spielt er wie ein Gott. Dann hasst man ihn dafür, dass er sein Talent mit Füssen tritt. Gleichzeitig ist Doherty beneidenswert unangepasst. Er scheint zu tun, was er will, ohne Furcht vor Konsequenzen. Das bringt ihn womöglich früh ins Grab – wirkt aber auch seltsam cool.

Doch immer, wenn man gerade etwas Nettes über ihn denken möchte, baut er wieder Scheiss. Nennt seine Fans «Fuckers» oder sagt ein Konzert ab. Hoffentlich hat er heute einen guten Tag.

Babyshambles live: Heute Donnerstag, 23.15 Uhr, Hauptbühne. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.07.2010, 09:11 Uhr

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2 Kommentare

N- K-

15.07.2010, 20:29 Uhr
Melden

Danke für den tollen Artikel. Find ich echt toll, dass auch mal etwas positives über ihn geschrieben wird :D Ich muss allerdings anmerken, dass 1. nich Pete, sondern der Gittarist Mick Withnall gesagt hat, dass sich das Publikum prügeln soll. 2. ist Pete gar nicht bei Twitter. Den Account, den Sie zitiert haben, ist mitlerweile auch schon gelöscht. lg Antworten


philipp glanzmann

15.07.2010, 22:18 Uhr
Melden

wäre es nciht eine wunderbare idee wenn, wenn man einfach die kate moos auf den gurten bringen würde um dann einen ein tänzchen und so mit ihr geniessen würde. Antworten



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