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Er fing noch einmal von vorn an

Der Engländer Gus MacGregor lebte zehn Jahre als gefeierter Musicaldarsteller in London. Vor zwei Jahren folgte er seiner grossen Liebe nach Bern – und musste mit seiner Musik noch einmal ganz unten anfangen.

Die Gitarre begleitet ihn überall hin: der Engländer Gus MacGregor.

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«Meet Me in the Rose Garden», singt der Engländer Gus MacGregor. Eine solche Aufforderung lässt man sich nicht zweimal sagen. Vor allem nicht, wenn sie von einem Mann gesungen wird, dessen Stimme schmeichelnd und charismatisch zugleich ist. Die Leute, die an diesem schönen Morgen im herbstlichen Rosengarten dem Musiker begegnen, bleiben stehen. Aufmerksam hören sie ihm zu und klatschen, als das spontane Konzert vorbei ist.

In England berühmt

In seinem Heimatland England ist MacGregor sich den tosenden Applaus von Tausenden gewohnt. Er erzählt, was einen bekannten Musicaldarsteller von einem Theater im Londoner Westend ins verschlafene Bern verschlagen hat. Während zehn Jahren spielte Gus MacGregor in London vor gefüllten Theatersälen. Der 40-jährige Sänger und Songwriter wurde für die Rolle des Buddy Holly im Musical «Buddy» sogar für den renommierten Musicalpreis Laurence Olivier Award nominiert. «Ich genoss das Leben als Musicalstar», sagt MacGregor, «aber es war nicht, was ich tun wollte.» Er wollte mit seiner eigenen Musik auftreten. Die Liebe verschlug MacGregor schliesslich nach Bern: Seine Verlobte Jenny Tattersall, eine Tänzerin aus England, erhielt am Stadttheater Bern ein Engagement. Gus beschloss, sein «bohemian life in London» aufzugeben und seiner grossen Liebe zu folgen.

In Bern unbekannt

Doch der Umzug in die Schweiz bedeutete für den Musiker, wieder ganz unten anzufangen. So stellte er sich an einem eiskalten, verschneiten Winternachmittag in die Berner Marktgasse, um den Schweizern seine Musik näherzubringen. «Ein Typ blieb vor meinem offenen Gitarrenkasten stehen und hörte aufmerksam zu. Am Ende des Liedes griff er in seine Jackentasche. Ich dachte, er gebe mir jetzt bestimmt zehn Franken. Doch er zückte einen Polizeiausweis», erzählt MacGregor. Seither kenne er die Regeln des Musizierens auf der Strasse.

Es sei hart, auf der Strasse zu singen, sagt Mac Gregor, es gebe keine Schminke und keinen Scheinwerfer, der einen in einem besseren Licht erscheinen lasse: «Es gibt nur dich und das, was du wirklich kannst. Jeder Künstler sollte ab und zu Strassenmusik machen. Das holt einen vom hohen Ross hinunter.» Ob ein neuer Song gut sei, merke er erst auf der Strasse. «Wenn die Leute dort ihn mögen, dann mag man ihn überall.»

Mit Jaël und Luk von Lunik

Vor einem Jahr wurden Berner Musiker bei einem privaten Fest auf MacGregor aufmerksam. Zu später Stunde griff er in die Saiten und spielte ein paar seiner Songs. Den Leuten gefiel es. In der Berner Musikszene begann man über den Engländer zu sprechen, der einst ein Musicalstar war. Er lernte Jaël Krebs und Luk Zimmermann (Lunik/Mina) kennen. Gemeinsam mit den beiden und weiteren Musikern produzierte er sein erstes Album «Lifeline». Inzwischen gehören seine Lieder zu den meist gespielten in den Deutschschweizer Radiostationen, und sein Album verkauft sich gut. Doch Gus spielt nach wie vor unter Berns Lauben: «Wo sonst kann man in einer so schönen Altstadt Strassenmusik machen?»

Das schönste Land

Der Anfang in der Schweiz sei nicht ganz einfach gewesen, sagt MacGregor. Doch nach zwei Jahren könne er Schweizer, die aus ihrem Land wegziehen, nicht mehr verstehen. Die Schweiz sei für ihn das schönste Land. Und das meine er genau so, sagt Gus schwärmerisch. Er sei glücklich hier. Und er mag Berns Klassiker: Er schwimmt in der Aare und joggt auf dem Gurten. Dort trat er im Juli am Festival auf. Ab und zu wird er auf der Strasse erkannt. Das freue ihn, sagt er.

«Lifeline» ist kein Album, das man als Hintergrundmusik hört. MacGregors Mix aus Folk, Rock und Pop klingt schlicht, aber ehrlich und berührend – und lebt von eingängigen Melodien. Schwierig sei seine Musik zu beschreiben, findet auch der Musiker selbst. Bei einem Lied sei ihm wichtig, sich von Gefühlen leiten zu lassen, auch wenn diese mal widersprüchlich oder unangenehm seien. Er gehe meist von den Texten aus, denn die sind ihm am wichtigsten. Er will mit seinen Liedern vom alltäglichen Leben erzählen und vom grössten Glück: der Liebe.

Lieber Berndeutsch

Deutsch spricht der Musiker noch wenig. Er sei aber am Lernen. Leider habe er vor kurzem realisiert, dass seine Lern-CD im Zürcher Dialekt gesprochen sei und nicht in Berndeutsch, erzählt er lachend. Dann versucht er sich in ein paar schweizerdeutschen Sätzen, die gar nicht schlecht gelingen. Doch Gus MacGregor bleibt bescheiden, auch hier.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 19.10.2009, 10:12 Uhr

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