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Ein Filmpreisträger mit Kanten
Von Hannah Einhaus. Aktualisiert am 04.05.2009
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Mit seiner Kamera ist er ein Scharfschütze, der weltgewandte Filmemacher Mano Khalil. Der gebürtige Kurde wuchs in Syrien auf, studierte Recht und Geschichte in Damaskus sowie Film in Bratislava. Nach einer kurzen Rückkehr nach Syrien flüchtete der Intellektuelle in die Schweiz und lebt heute mit seiner Frau Anna Kampouri aus Griechenland im Westen Berns. Wer ihm gegenübersitzt, merkt rasch: Dieser Mann ist nicht so schnell kleinzukriegen. Das hat der 45-Jährige mehrfach bewiesen. Seine scharfen Beobachtungen hat er in Filmen ausgedrückt und traf damit offenbar mehrfach ins Schwarze.
Als Kurde in Syrien bekam er nichts geschenkt. In seiner Muttersprache wurde er mundtot gemacht. Hebräisch durfte man lernen, Kurdisch nicht. «Mit der arabischen Sprache hat man mich vergewaltigt», sagt Khalil, der heute sieben Sprachen beherrscht. Zusehen musste er, wie die syrische Regierung im ölreichen Norden topmoderne Siedlungen für Araber aus dem Boden stampfte und die kurdischen Dörfer links liegen liess.
«Dort waren alle gleich»
Schon als junger Jurastudent war Khalil mehr von der Filmkunst fasziniert als vom Gesetz. Als die Zeit reif war für den Militärdienst, waren seine Tage in Syrien gezählt. «Als Kurde wäre ich als Erster an die Front geschickt worden.»
1987 begann er in der damals noch kommunistischen Tschechoslowakei ein Regiestudium an der Film- und Fernsehakademie in Bratislava. Nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende des Kommunismus beendete er zwar das Studium und arbeitete für das tschechoslowakische und später für das slowakische Fernsehen als Regisseur, doch die politische Stimmung kippte. «Vorher fragte man mich nicht nach Hautfarbe, Sprache oder Herkunft», berichtet er, «alle waren gleich.» Anders nach der Machtergreifung der Nationalisten: «Wenn Ausländer von Einheimischen angepöbelt wurden, griff die Polizei nicht mehr ein», erinnert sich Khalil. 1995 kehrte er Osteuropa den Rücken zu.
«Hier war ich eine Zahl»
Kurz kehrte er nach Syrien zurück und drehte den Dokumentarfilm «Wo Gott schläft» über Kurden, die an der türkisch-syrischen Grenze jeden Tag in Polizei- und Armeekontrollen kommen. Eine realistische Darstellung vom Leben der Kurden in Syrien galt für die Regierung als Politikum. Vor die Wahl Gefängnis oder Flucht gestellt, floh Khalil 1996 in die Schweiz.
Vom Moment an, als er in Basel ankam, war er «eine Zahl», wie er sagt. «Ich musste zwei Jahre lang beweisen, dass ich ein Mensch bin.» Hier absolvierte er die typische Karriere des Asylbewerbers. Bei allen Qualifikationen als Filmer mit Auszeichnungen putzte er Klos im Schlachthaus Theater in Bern. «Wenn ich, der Kloputzer, dann mit den Künstlern über ihre Darbietung fachsimpelte, waren sie perplex», erinnert er sich. Mit einfachen Mitteln drehte er die ersten Dokumentarfilme – und heimste gleich einen Solothurner Filmpreis ein. Letzterer war im Jahr 2000 auch nominiert für den Schweizer Filmpreis in der Kategorie bester Kurzfilm. Inzwischen hat er weitere Preise gewonnen, unter anderem jenen für die Entwicklung von Drehbüchern.
Eine Kiste voller Liebesbriefe
Seit 1999 lebt Mano Khalil mit seiner Frau Anna Kampouri aus Griechenland in Bern. Kennen gelernt haben sich die beiden in Bratislava. Entsprechend unterhalten sich der syrische Kurde und die Griechin meist auf Slowakisch oder auf Deutsch. Drei Jahre lang waren sie getrennt, er in der Schweiz, sie in Griechenland. «Wir haben uns in dieser Zeit an 26 Tagen gesehen und jede Woche einmal telefoniert», erzählt Anna, sie, die sich inzwischen dazugesellt und starken Kaffee mit Schokoladekeksen gebracht hat. «Die Briefe, die wir uns geschrieben haben, füllen eine ganze Kiste.»
Bei allen früheren Hürden als Asylbewerber schätzt Khalil hier zu Lande die Ordnung und die Demokratie mit ihren Rechten und Pflichten. «Hier fühle ich mich erstmals als freier Mensch», sagt einer, der die syrische Diktatur, den Kommunismus und den osteuropäischen Nationalismus an der eigenen Haut erfahren hat.
Noch hat Mano Khalil in der Schweiz keinen Spielfilm gedreht. Das ist sein Ziel, das hat er gelernt. Ein Drehbuch für ein Roadmovie liegt vor. Dennoch: Das derzeit laufende Projekt ist wieder ein Dokumentarfilm. Khalil porträtiert Menschen in einem Berner Schrebergarten: Dort haben Menschen aus verschiedenen Ländern auf einem Fleck Erde mit Blumen, Häuschen und Grill ein Stück Heimat gefunden.
Der Dokumentarfilm wird voraussichtlich im Juli gedreht und soll im Winter im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt werden. (Berner Zeitung)
Erstellt: 04.05.2009, 07:52 Uhr
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