«Wollte unbedingt Berndeutsch lernen»
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Fünf lange Jahre führte Taryn Lillie mit ihrem Freund, dem Berner Benjamin Hügli, eine Fernbeziehung. Kennen gelernt hatte sie ihn, als er ein Jahr an einer Highschool in den USA verbrachte. Die 26-jährige Tänzerin und Choreografin zog anschliessend für ein Jahr in die Schweiz, um sich in Zürich beim «Choreo Dance Project» in der Tanztheaterschule weiterzubilden. Zurück in den USA, machte sie den Bachelor of Fine Arts in Utah.
«Die vier Jahre in Utah waren eine tolle Zeit, doch die Schweiz konnte ich nicht vergessen», sagt die quirlige Amerikanerin. Sie beschloss, den grossen Schritt zu wagen und definitiv in die Schweiz umzuziehen. Im August 2006 zog Taryn Lillie nach Bern. Sie betont, wie sehr sie sich auf das Leben in der Schweiz gefreut habe. Was war es genau, das sie an der Schweiz von Beginn an so faszinierte? «Die Schweiz ist ein Land mit schönen Landschaften, einer ausgeprägten Kultur und Traditionen, die aufrechterhalten werden», sagt sie. Und die Menschen hätten grossen Respekt vor ihrem eigenen Land.
Auch die Sprachsituation findet sie einzigartig. «In welchem Land werden schon vier verschiedene Sprachen auf so engem Raum gesprochen, nicht zu vergessen all die Dialekte», schwärmt Taryn Lillie. In der Highschool hat die Amerikanerin Hochdeutsch gelernt. Um sich vollständig in der Schweiz integrieren zu können, habe es für sie dazugehört, Schweizerdeutsch zu lernen. Und so spricht die junge Frau nach zweieinhalb Jahren Aufenthalt fast akzentfrei Berndeutsch. «Es fiel mir leicht, die Sprache zu lernen, weil ich sie unbedingt beherrschen wollte», erklärt die Tänzerin.
Veränderungen mit Obama
Taryn Lillie pendelt seit letztem Sommer zwischen Zürich, wo ihr Verlobter wohnt, und Bern, wo sie als Selbstständigerwerbende Tanz und Choreografie unterrichtet. Die Arbeitsbewilligung zu erhalten war für sie nicht allzu schwierig, da die Familie Hügli für sie bürgte. Und wie verhielten sich die Schweizer der Amerikanerin gegenüber? Fremdenfeindlichkeit habe sie nie erlebt, sagt Taryn. Aber sie hätte sich auch bemüht, den Schweizern zu zeigen, dass nicht alle Amerikaner wie Bush und sein Gefolge seien. Nach dem 11.September, an dem sie in der Schweiz weilte, spürte sie, welch negatives Bild die USA der Welt von ihrem eigenen Land vermittelten. Nach der Wahl von Barack Obama hofft sie auf grosse Veränderungen in den Staaten. «Schade, konnte ich seinen Sieg nicht drüben feiern», sagt sie etwas wehmütig.
Ab und zu Heimweh
Zu den Schattenseiten der Schweiz zählt Taryn Lillie die zurückhaltende Art vieler Schweizer. Und dass man im Moment in Restaurants noch rauchen dürfe, findet sie «hinter dem Mond».
Taryn Lillie hat definitiv vor, hierzubleiben, eine Familie zu gründen und ihre Kinder in der Schweiz aufwachsen zu lassen. Bei aller Liebe für das Alpenland hat auch Taryn ab und zu Heimweh nach ihrer Familie in Michigan und ihren Freunden in Utah. Deswegen besucht sie ihre Heimat, so oft es geht – und freut sich jeweils wieder auf die Heimkehr in die Schweiz.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 21.10.2009, 13:45 Uhr
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