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«Mein Traum erfüllte sich»

Von Tobias Marti . Aktualisiert am 19.10.2009

Der 26-jährige Ivorer Gilles Yapi stiess im Jahr 2006 zu den Berner Young Boys. Obwohl recht heimisch, muss er als Profispieler jederzeit mit einem Wechsel ins Ausland rechnen. Er lebt mit seiner Familie in der Berner Agglomeration.

Das Stade de Suisse ist sein zweites Daheim. YB-Spieler Gilles Yapi konzentriert sich in Bern auf den Fussball – und auf seine Familie.

Susanne Keller

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Seine Zeit in Abidjan beschreibt der feingliedrige Afrikaner als relativ unspektakulär. Ein Schüler wie alle anderen sei er gewesen, sagt er. Die Fussballakademie in der Hauptstadt der Elfenbeinküste habe ihm den Weg geebnet. «Dort begann meine Reise nach Europa. Das ist der Traum jedes afrikanischen Fussballers, und mein Traum erfüllte sich.» Über das französische Nantes und das belgische Beveren gelangte Yapi im Jahr 2006 nach Bern. Der Wechsel in die Schweiz sei für ihn keine allzu grosse Umstellung gewesen, da er vorher bereits in Europa gelebt und gespielt habe, sagt er.

Das ruhige Bern

Gilles Yapi schätzt hier das ruhige Leben und die hohe Lebensqualität. Jeder Bürger habe seinen individuellen Lebensstil. Natürlich könne dies dazu führen, dass jeder nur für sich schaue. Die geographische Lage könnte damit einen Zusammenhang haben, vermutet der YB-Spieler. Durch die Berge seien die Leute halt etwas reservierter und zurückgezogener. «Schwierigkeiten mit der Schweizer und Berner Mentalität habe ich aber keine», stellt er klar. Sein Weg durch Frankreich und Belgien habe ihm geholfen, sich in Europa zu akklimatisieren.

Afrikanische Freunde

In Bern lebt der Ivorer mit seiner Frau und seinen Kindern. Gilles Yapis grösster Stolz ist seine Familie. Als er nach Bern kam, kannte er keinen Menschen. Mit der Zeit freundete er sich mit anderen Afrikanern an. Kontakte zur Botschaft der Elfenbeinküste erleichterten dem Mittelfeldspieler die Suche nach Landsleuten. Mit den Zuzügen von Thierry Doubaï und Seydou Doumbia, ebenfalls Ivorer, gewann Gilles Yapi zwei neue Freunde. Überhaupt verkehre er vorwiegend mit Teamkollegen. «Als Profifussballer bleibt einem nicht viel Zeit für anderes. Man muss sich als Spieler sehr auf seine Arbeit konzentrieren, um eine gute Leistung zu bringen.»

Gilles Yapi wird in Bern ab und zu auf der Strasse erkannt. Auch Autogramme dürfe er manchmal geben. Wenn ein Spiel besonders gut läuft, gibt es sogar von den reservierten Schweizern ein Schulterklopfen und Komplimente. Im Gegensatz zur Elfenbeinküste lebe er hier aber relativ zurückgezogen und unbehelligt. Zuhause in Abidjan ist Gilles als Nationalspieler ein Volksheld. Jeder will sich dort mit ihm unterhalten, Tipps geben oder einfach nur neben ihm stehen. «Die Leute dort sind einfach verrückt nach Fussball.»

«Passion ist das Wichtigste»

Gilles Yapi ist ein sehr gläubiger Mensch. Es gebe viele junge Fussballer, die seinen Weg gehen möchten, nicht nur zu Hause in Afrika. Viele blieben dabei aber auf der Strecke oder verschwänden in der Versenkung. «Darum danke ich Gott, dass ich es bis hierhin geschafft habe. Er hat mir das Talent und die Kraft gegeben, um als Fussballer erfolgreich zu sein.» Jungen Spielern gibt er vor allem einen Rat: «Viel, viel Passion, das ist das Allerwichtigste,» sagt der Ivorer ernst.

Sozialer Ehrgeiz

Mit Rassismus wurde er auch schon konfrontiert, aber dies sei leider ein globales Problem. Teamintern nehme er für die anderen Ivorer die Rolle des älteren Bruders ein. Der Chef, als der er vielfach bezeichnet wird, sei er aber nicht. Auch Profifussballer setzen sich irgendwann zur Ruhe. Wenn es so weit ist, möchte Yapi zurück nach Afrika. Er will dort Kindern und Teenagern helfen, eine solide Ausbildung zu bekommen. «Eine Ausbildung ist das Wichtigste im Leben.» Für dieses Ziel will er sich engagieren, vielleicht in der dortigen Fussballschule. Auf jeden Fall möchte er im sozialen Bereich und in seiner Heimat arbeiten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.10.2009, 14:18 Uhr

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