Ihr Taco-Stand ist ein Latino-Treff
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Auf dem Bärenplatz riecht es nach Tacos und heissen Chiles. Patricia Stadler-Quintanar steht hinter dem Herd. In der Pfanne brutzelt Hackfleisch. Im Topf kochen weinrote Frijoles. «Es riecht nicht nur wie in Mexiko», sagt JoaquÃn, einer der Gäste, «es schmeckt auch wie in Mexiko.» Patricia Stadler-Quintanar lacht: «Genau das wollen wir», sagt sie, «bei uns ist alles hundertprozentig authentisch mexikanisch.» Ihr Ziel sei es gewesen, erzählt sie, «eine Ecke Mexiko nach Bern zu bringen».
Seit 13 Jahren in der Schweiz
Heute, sechs Jahre, nachdem sie zum ersten Mal Quesadillas und Tortas auf dem Bärenplatz verkauft hat, lässt sich das leicht sagen. Doch am Anfang standen viel Arbeit und noch mehr Durchsetzungsvermögen.Selbst ihr Schweizer Ehemann war zunächst skeptisch, als seine Frau einen Stand kaufte und auf dem Märit zu kochen anfing.
Denn man muss wissen: Patricia Stadler-Quintanar hat nie richtig kochen gelernt. Ihr Vater brachte es als Handels- und Gewerbetreibender in San Juan del Rio im mexikanischen Bundesstaat Querétaro zu einigem Reichtum. Dennoch musste sich die Tochter das Wirtschaftsstudium an einer Privatuni selber finanzieren. «In einem leeren Schuhlokal meines Vaters habe ich Kleider verkauft», erzählt sie.
Als sich die junge Patricia der international zusammengesetzten Musiktruppe «Up with People» anschliessen wollte, musste sie zuerst vier Jahre sparen, bis sie mit den Sängern und Tänzern auf Welttournee gehen konnte. Immerhin hat sich das Warten gelohnt: Bei «Up with People» lernte sie Urs Stadler kennen, ihren heutigen Mann, dem sie vor 13 Jahren in die Schweiz gefolgt ist.
In Bern fand die ausgebildete Ökonomin Arbeit auf der mexikanischen Botschaft. Sechs Jahre hat sie dort gearbeitet. Dann kündigte sie ihre Stelle. 2003, nach einer einjährigen Babypause, mietete sie einen drei mal drei Meter grossen Tisch auf dem Bärenplatz. Mit einem Startkapital von 1000 Franken begann sie zu kochen. Allerdings nicht, ohne vorher in ihrer mexikanischen Heimat den Taco-Bäckern in die Backstube und den Köchen in die Töpfe geschaut zu haben. Nicht alle Bekannten hatten Verständnis dafür, dass sie den Job auf der Botschaft an den Nagel hängte und sich die Kochschürze umband: «Es gab Leute, die haben mich danach kaum mehr gegrüsst.» Doch der Erfolg gab ihr Recht. Nach drei Monaten brauchte sie einen grösseren Tisch. Nach einem Jahr musste ein Wagen her.
Original mexikanisch
Einzig der Name ihres Imbissstandes – «Don Porfirio» – war für die mexikanischen Gäste gewöhnungsbedürftig. Hierzu muss man wissen, dass Don Porfirio DÃaz Ende des 19.Jahrhunderts das Land diktatorisch regiert hatte. «Die Erklärung ist einfach und hat nichts mit General Porfirio DÃaz zu tun», sagt Patricia Stadler. «Mein Grossvater, den ich über alles geliebt habe, hiess ebenfalls Don Porfirio.»
Inzwischen liefert sie mexikanische Spezialitäten an Geschäfte und Restaurants in der ganzen Schweiz. Ihr Stand vis-à -vis von der Post ist zum Latino-Treffpunkt in Bern geworden. Mexikanische Männer, die über das Spiel vom Vorabend diskutieren, Frauen, Kinder, Schweizer. Stadler-Quintanar erklärt sich den Erfolg ihres «puestitos», wie die kleinen Essenstände in Mexiko heissen, damit, dass mit Ausnahme von Fleisch und Gemüse alle Produkte original mexikanisch sind: «Eine Tortilla aus der Migros schmeckt einfach anders», sagt sie.
Treffpunkt für Latinos
Spanischlehrer schicken ihre Schülerinnen und Schüler zum mexikanischen Posten am Bärenplatz wegen der authentischen mexikanischen Speisen. Erst kürzlich hat eine Bundesstelle bei ihr angefragt, ob sie Mariachis, mexikanische Musikensembles, vermitteln könne. Während der letzten mexikanischen Wahlen hat die Botschaft Wahlzettel zwischen Chiles und Tortillas aufgelegt.
Inzwischen ist Patricia Stadler-Quintanars Imbissstand ein richtiges Geschäft geworden. Bis zu sechs Personen kochen abwechslungsweise. Zeit also für sie, sich nach einer neuen Herausforderung umzusehen. «Ich stehe nur noch ausnahmsweise am Herd», erläutert sie. «Eine gute Chefin muss vor allem delegieren können.»
Seit Kurzem arbeitet sie wieder im diplomatischen Dienst, diesmal allerdings für die kuwaitische Botschaft. «Eine sehr spannende Aufgabe», sagt sie und lacht: «Stellen Sie sich vor: Eine Mexikanerin unter lauter Kuwaitis.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 16.10.2009, 13:01 Uhr
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.



