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«Ich denke immer positiv»

Von Patrizia Pulfer. Aktualisiert am 02.10.2009

Seit elf Jahren lebt der gebürtige Senegalese Amouna Bossy in der Region Bern. Gekommen ist er wegen der Musik, gehalten hat ihn die Liebe zu seiner damaligen Freundin. Heute arbeitet Bossy als Maurer in der Hauptstadt.

Die Arbeit geht nicht aus: Amouna Bossy studierte einst Jura, wurde später Musiker und lernte in der Schweiz  Informatik. Nun entschied er sich für die Arbeit als Maurer auf der Baustelle.

Die Arbeit geht nicht aus: Amouna Bossy studierte einst Jura, wurde später Musiker und lernte in der Schweiz Informatik. Nun entschied er sich für die Arbeit als Maurer auf der Baustelle.
Bild: Urs Baumann/Cagle.com

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Die Wirtschaftskrise hat auch Amouna Bossy zu spüren bekommen. Nachdem seine erste Stelle als Maurer der Umstrukturierung zum Opfer gefallen war, fand er im Januar 2009 Arbeit bei einer Naturbaufirma in Bern. Seit einigen Monaten ist er mit Renovationsarbeiten beschäftigt. Die rasche Rückkehr auf den Arbeitsmarkt verdanke er seiner dreijährigen Maurerlehre, ist Bossy überzeugt. Diese hatte er 2003 abgeschlossen.

Ein steiniger Weg

Amouna Bossy war elf Jahre mit einer Schweizer Lehrerin verheiratet. «Sie war auch der Grund, weshalb ich 1998 definitiv nach Bern gezogen bin», erinnert er sich. Seit kurzem ist er geschieden und lebt getrennt von ihr und dem gemeinsamen 5-jährigen Sohn. Bossy hat unterdessen sein Liebesglück mit einer Senegalesin gefunden und wohnt mit ihr in Ostermundigen. «Bis ich so leben konnte wie heute, war der Weg nicht immer einfach», sagt er.

Der ehemalige Schwiegervater habe sein Heimweh anfänglich noch verstärkt, erinnert sich Bossy: «Er hatte mir gesagt, dass er nie einen Neger in seiner Familie haben wolle.» Mit der Zeit habe er dann seine Meinung geändert. Er unterrichtete Bossy privat Informatik und finanzierte ihm schliesslich eine entsprechend Lehre. «Mir entsprach der Beruf aber nicht. Ich wollte lieber Maurer lernen», fügt Bossy hinzu.

Studium in Dakar

Bossy wusste früh, was harte Arbeit bedeutet: «Mein Vater ist bereits gestorben, als ich 8 war. Ich hatte keine Kindheit.» Aufgewachsen im senegalesischen Bauerndorf Djembering, musste er seiner Mutter auf den Reisplantagen helfen. Erst die Bekanntschaft zu einer spanischen Nonne ermöglichte ihm, auf einer Missionsstation zu leben und zur Schule zu gehen. «Meine Mutter hätte den Unterricht niemals bezahlen können», sagt der heute 37-Jährige. Er wollte hoch hinaus. Gegen den Willen seiner Mutter zog er mit 20 Jahren nach Dakar, um dort Jura zu studieren. «An der Universität hatte ich aber gemerkt, dass ich Musiker werden wollte und nicht Anwalt.» Kurzum wechselte er ans Konservatorium in Dakar und spielte nebenher in seiner eigenen Band. Trotz erster Konzerterfolge kehrte Bossy dem Konservatorium den Rücken.

Cousin als Mittelsmann

Dass Amouna Bossy heute als Maurer in Bern arbeitet, dafür sei sein Cousin mitverantwortlich. «Dieser war damals als Tourist in der Schweiz und lernte Herrn Müller vom Musikgeschäft Müller kennen», sagt Bossy. Müller hätte daraufhin helfen wollen und Bossy deshalb ab 1994 regelmässig in die Schweiz geholt, um ihn musikalisch zu unterstützen.

Durch die Musik lernte der Senegalese 1996 denn auch seine zukünftige Frau kennen. Zwei Jahre später beschloss er, in der Bern zu bleiben. «Ich wusste, dass es schwierig sein würde», gesteht Bossy.

Er habe sich lange Zeit überlegt zurückzugehen. Besonders die Sprache, der Stress der europäischen Gesellschaft und die alte Mutter in Senegal hätten ihn oft zweifeln lassen. «Ich wollte aber die Chance nicht verpassen, hier Geld zu verdienen.» Die Musik ist für ihn in Bern auch heute noch ein wichtiges Hobby.

Zwischen Stuhl und Bank

Seine Familie, die er in Senegal zurückgelassen hat, vermisst Bossy. Seit dem Tod seiner Mutter Anfang 2009 sei er nicht mehr nach Afrika gegangen. «Die Reise ist sehr teuer. Dafür telefoniere ich oft mit meinem Bruder.»

Obwohl Amouna Bossy seit 2005 Schweizer ist, fühle er sich noch immer als Ausländer. «Ich muss wegen meines Äusseren oft gegen Vorurteile ankämpfen.» Zurück nach Senegal könne er aber auch nicht. «Ich gehöre nicht mehr dazu und gelte dort ebenfalls als Ausländer.»

Trotzdem beklagt sich Amouna Bossy nicht: «Ich denke immer positiv und fühle mich sehr gut integriert.» Es sei seine Wahl gewesen, in die Schweiz zu kommen und hier ein Fremder zu sein. Deshalb passe er sich an die Spielregeln an.

«Das Leben ist für mich eine Theaterbühne, und ich versuche, ein möglichst guter Schauspieler zu sein.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.10.2009, 08:05 Uhr

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