Heilende Hände und ein warmes Lächeln
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Die Besucherin ist positiv überrascht: Als sie den gediegen-modernen Berner Altstadtkeller betritt, wird sie von einem, es will fast scheinen, tausendfachen Lächeln begrüsst. Mehrere thailändische Frauen sitzen in gemütlich-entspannter Runde, reden und scherzen miteinander. «Es gibt Zeiten, da sind alle neun Fussmassage-Sessel und Massage-Liegen besetzt», sagt die Chefin von 12 Masseurinnen, Atcharaporn Uamchim Schweizer, kurz Lek genannt. «Aber über die Mittagszeit ist es ruhiger. Da bleibt auch mal Zeit, zu reden und zu lachen.» So ein Empfang wirkt erfrischend in der sonst eher steifen Schweiz.
Die kleine Schwester
Seit zehn Jahren lebt Lek Schweizer in Bern. Seit sechs Jahren führen sie und ihr Mann Roland ein Center für «klassische Thai-Therapie, bei der auch der geistig-spirituelle Hintergrund berücksichtigt wird.» Der Name Wat Phoo stehe für eine der berühmtesten Tempelanlagen Bangkoks, in deren Haupttempel sich eine liegende, 30 Meter lange, vergoldete Buddha-Figur befände, sagt Lek. Ihr Kosename bedeutet im Thailändischen «die Kleine». Diese Namensgebung ist zutreffend. Schliesslich ist Lek Schweizer für europäische Grössenverhältnisse nicht sehr hoch gewachsen und dazu noch das einzige Mädchen neben sieben Brüdern.
Lateinisches Alphabet neu
In der Schweiz angekommen, wurde sie zum ersten Mal mit unserem Alphabet konfrontiert, das mit dem südostasiatischen rein gar nichts gemeinsam hat. Das thailändische Alphabet bestehe aus 42 Konsonanten und 23 Vokalen. Thailändisch ist eine Tonsprache, in der es fünf Tonlagen gibt. «Ein gleiches Wort kann durch unterschiedliche Intonierung eine andere Bedeutung erhalten», sagt Lek Schweizer. Bei ihrer Ankunft habe sie in Bezug auf die deutsche Sprache zuerst grosse Angst gehabt. Deshalb besuchte sie für vier Jahre einen Alphabetisierungskurs der Isa (Informationsstelle für Ausländerinnen- und Ausländerfragen). Dennoch sei sie heute noch unsicher, wenn sie, zum Beispiel am Telefon, Deutsch sprechen müsse. «Da kann es schon mal passieren, dass ich die Uhrzeiten oder die Namen falsch verstehe. Deutsch ist einfach ein komplett anderes Sprachuniversum.» Für geschäftliche Telefonate sei glücklicherweise ihr Mann zuständig, schmunzelt sie. Wie aber wirkte die fremde, neue Heimat ansonsten auf Lek? «Ich habe mich enorm gefreut, hierher zu kommen. Schliesslich war ich verliebt.» Positiv aufgefallen sei ihr auch die Sauberkeit. Am meisten gefreut habe sie sich jedoch über den Winter und den Schnee – und erst recht über die Blumen des Berner Sommers: «Die sind wunderbar!»
Geschlossene Türen in Bern
Lek Schweizer stammt aus der Provinz Chanthaburi in Ostmittelthailand und lebte lange in Bangkok. Vermisst sie die Heimat nicht? «Nein, ich fühle mich gut in Bern», sagt sie. «Ich fliege oft nach Hause zu Eltern und Brüdern.» Ausserdem pflege sie regen Kontakt zu anderen Thailänderinnen in der Schweiz. Sie sei ein fröhlicher Mensch. Allerdings komme es schon vor, dass die Thailänderinnen kulturell bedingt die wahren Gefühle auch mal verbergen. «Für uns ist es wichtig, das Gesicht zu wahren.» In ihrer Kultur werde der Kontakt zueinander anders gepflegt als hierzulande. «Wir berühren weniger, küssen uns nicht zur Begrüssung oder gehen, ohne uns verbal zu verabschieden. Deshalb schätzen wir unsere Mitmenschen nicht weniger.»
Vermisst sie gar nichts in Bern? «Doch», überlegt sie, «zu Beginn befremdete mich hier, dass die Türen in Wohnblöcken nach dem Betreten der Wohnungen immer gleich wieder geschlossen werden. In Thailand stehen sie auf den verschiedenen Stockwerken meist offen. So können wir auch von Wohnung zu Wohnung miteinander sprechen» Und was hat sie am liebsten angenommen von der Berner Kultur? «Ich mag die berndeutschen Floskeln.» Gern benutze sie «Merci viumau», «auso» oder «äuä». (Berner Zeitung)
Erstellt: 16.07.2010, 09:48 Uhr
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