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Er vermisst autoritäre Erziehung

Von Hannah Einhaus. Aktualisiert am 24.07.2009

Basri Aliti aus Kosovo arbeitet im Camping Eichholz und ist in seinem Quartier Bümpliz verwurzelt. Er erklärt, wie und wo seiner Meinung nach auch die Schweizer zum schlechten Ruf seiner Landsleute beigetragen haben.

Bernischer könnte sein Arbeitsplatz nicht sein: Basri Alti aus Kosovo sorgt für den Unterhalt des Eichholz-Campings.

Bernischer könnte sein Arbeitsplatz nicht sein: Basri Alti aus Kosovo sorgt für den Unterhalt des Eichholz-Campings. (Bild: Susanne Keller)

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Bernischer könnte sein Arbeitsplatz nicht sein. Basri Aliti sorgt für den Unterhalt des Campings Eichholz. Die Aare strömt zügig vorbei, der Tag ist klar und warm. Einmal wirft er den Rasenmäher an, ein anderes Mal schneidet er Hecken, oder er zeigt den Campern den Weg zu ihrem Platz. Seit über zehn Jahren Jahren sorgen er und seine Kollegen für einen gepflegten Zeltplatz. Fürs Gespräch holt der Mann aus dem Kosovo Tabak, Papier und ein Röhrchen aus Holz und Horn hervor, um sich eine Zigarlik zu drehen.

1984 war Basri Aliti als 21-Jähriger in die Schweiz gekommen. Automechaniker hatte er gelernt, kam her für Arbeit und wollte mit dem verdienten Geld in Kosovo eine eigene Firma aufbauen. Doch er blieb. Ein Leben ausserhalb Berns könne er sich heute nicht mehr vorstellen. «Ich kam aus Kosovo hierher, liess mich in Bümpliz nieder.» Was ihn genau an dieses Fleckchen Erde gezogen hat und immer noch zieht, kann er nicht genau nennen, doch man spürt, dass er eine grosse Heimatliebe zum Westen Berns entwickelt hat. «In einer Grossstadt könnte ich jedoch nicht leben», sagt er, der selber in einem Dorf aufgewachsen ist. Bern sei übersichtlich. Und Bümpliz gilt als Stadtteil, der trotz Hochhäusern einen dörflichen Charakter bewahrt hat.

«Schweizer Käse» daheim

Aliti war bereits verheiratet, als er nach Bern kam. Seine Frau besuchte er in Kosovo zwei, drei Mal im Jahr. Als sie sieben Jahre nach ihm in die Schweiz zügelte, brachte sie drei Kinder mit. Das Nesthäkchen wurde hier geboren. «Meine älteren Kinder nannten das jüngste manchmal ‹Schweizer Käse›», sagt Aliti mit einem breiten Schmunzeln. Alle vier stehen heute im Berufsleben, die Jüngste hat soeben ihre Lehre angefangen. Das Schmunzeln wandelt sich in einen Ausdruck von Dankbarkeit: «Ich bin sehr, sehr stolz, dass alle meine Kinder eine Lehrstelle gefunden haben.» Als Hauswart auf dem Campingplatz komme er immer wieder ins Gespräch mit Jugendlichen, auch mit solchen, die resigniert haben. «Ich habe schon einigen zureden können, nicht aufzugeben.» Basri Aliti kennt die Vorbehalte, die viele Leute gegenüber den Menschen aus Kosovo haben, insbesondere den jüngeren, und hält entgegen: «Hier greifen Lehrer, Polizei und Eltern viel zu wenig durch.» Zu viel würde durchgelassen. Wer in Kosovo eine autoritäre Person beschimpft, muss mit Strafe rechnen. Den Jungen müsse man beibringen, was Autorität und Respekt bedeuten.

Rückkehr kein Thema

Eine Rückkehr nach Kosovo ist für Basri Aliti kein Thema mehr. Vor fünf Jahren war es das vielleicht noch, heute nicht mehr. In Bern hat er inzwischen 25 Jahre verbracht. Hier sind seine Kinder aufgewachsen, hier sind sie integriert, und so komme auch für seine Frau, die nie richtig Deutsch gelernt hat, eine Rückkehr nicht mehr in Frage. Zudem hätten sich in dieser Zeit auch die Kosovaren verändert. Ginge er zurück, träfe er auf eine Gesellschaft, die er nicht mehr kennt.

Was er hier in der Schweiz rühmt? Pünktlichkeit sei eine gute Eigenschaft, von der er viel profitiert habe. Was ihn stört? Aliti weicht verlegen zurück. Mehr Gastfreundschaft würde er sich wünschen. Und dass nicht alle Ausländer in den gleichen Topf geworfen werden, wenn einer von ihnen eine kriminelle Tat begangen hat. «Die positiven Dinge von hier übernehmen wir», resümiert Aliti, «bei den anderen orientieren wir uns an unserer Tradition.»

Calmy-Rey als Heldin

Grosse Bewunderung zollt Basri Aliti Bundesrätin Micheline Calmy-Rey: «Sie hat uns Kosovaren enorm geholfen, dass wir heute ein unabhängiger Staat sind. Sie ist eine mutige Frau.» Tatsächlich hat Calmy-Rey der serbischen Regierung schon ein halbes Jahr vor der Unabhängigkeitserklärung von Kosovo klargemacht, wo die Schweiz steht, und hat entsprechenden Heldenstatus. «Diese Hilfe ist für uns auch eine grosse Motivation, uns hier zu engagieren und zu integrieren.» Die Zigarlik ist fertig geraucht. Basri Aliti kehrt zum Rasenmäher zurück und sorgt für einen sauberen Campingplatz. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.07.2009, 08:36 Uhr

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