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Ein 2-Stunden-Trip ist keine Sache

Von Hannah Einhaus. Aktualisiert am 07.07.2009

Ein karges Büro, strategische Aufgaben, Qualitätsgarantie für Plasma:Dies tönt äusserst trocken, aber die US-Amerikanerin Karen Etchberger schätzt nebst ihrer Arbeit in Bern die hiesige Atmosphäre und die Sicherheit.

Von Kansas nach Bern: US-Amerikanerin Karen Etchberger.

Von Kansas nach Bern: US-Amerikanerin Karen Etchberger. (Bild: Urs Baumann)

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Sie ist eine «Ex-Pat» des weltweit aktiven Konzerns CSL Behring, eine, die ausserhalb des Heimatlands arbeitet. Die Firma entwickelt, produziert und vertreibt Medikamente aus Plasma weltweit und beschäftigt Mitarbeitende in 19 Ländern. In Europa sind das deutsche Marburg und Bern die Zentralen. Die US-Amerikanerin Karen Etchberger gehört zum zwölfköpfigen Topkader des Unternehmens an der Wankdorfstrasse mit rund 950 Angestellten. Unkompliziert stellt sie sich als Karen vor. Das Büro der «Senior Vice President, Global Quality» – so ihr offizieller Titel – ist karg, aber praktisch eingerichtet: kahle weisse Wände, schwarzer Schreibtisch, schwarzer Sitzungstisch und eine grosse Fensterfront. Hier entwickelt die studierte Immunologin Strategien für die weltweite Qualitätskontrolle der Plasmaprodukte, für Aussenstehende eine abstrakte Welt. Bunt ist einzig eine Reihe eingerahmter Bilder ihrer heute 13-jährigen Tochter Madison auf dem Tisch, und an der Wand hängt eine Zeichnung mit einem steilen Berg, darauf gesteckt eine amerikanische und eine Schweizer Fahne sowie mit grossen Sonnenblumen. «Die erinnern an Kansas in den USA», erklärt Karen Etchberger. Dort hat sie 13 Jahre gelebt, bevor sie mit Mann und Tochter im Februar 2006 in die Schweiz kam.

Ausflüge mit dem GA

Die vielen Eindrücke in der ersten Zeit in Bern waren «umwerfend, aber auch anstrengend»: neuer Wohnort, neuer Job, neue Schule für die Tochter, neue Sprache. Deutsch als Alltagssprache im Laden, im Restaurant oder unter Nachbarn versteht sie heute, doch beruflich und in der Familie läuft alles auf Englisch. Was Karen Etchberger in den Anfängen in Bern, in der Schweiz positiv auffiel, waren unter anderem schöne Landschaften und die Reize der Stadt Bern. Mit den starren Ladenöffnungszeiten hingegen, den Einkaufswagen mit dem «Fränkli» als Depot, dem differenzierten Entsorgungssystem und dem manchmal schwierigen Zugang zur hiesigen Bevölkerung hatte sie in den Anfängen ihre liebe Mühe. «Es braucht länger, um Freundschaften zu knüpfen», so ihre Erfahrung, «ist aber eine gute Beziehung entstanden, so hält sie sehr lang.»

Happy zeigt sich Karen Etchberger über den öffentlichen Verkehr, der in den USA weitgehend unterentwickelt ist. «Wir haben ein GA, zeigen manchmal blind auf einen Punkt auf der Landkarte und reisen dann für einen Ausflug dorthin», berichtet sie. So habe sie manches mehr gesehen als viele Schweizer. Ein 2-Stunden-Trip – also retour vier Stunden Fahrzeit – ist für die Amerikanerin kein aufwändiger Ausflug, und so ist für sie denn auch eine Tagesreise ins Elsass, den französischen Jura oder an den Gardasee keine Zauberei. Besonders angetan hat es ihr die Gegend um den Thunersee.

Schweizer Wurzeln

Wie der angeheiratete Name vermuten lässt, hat ihr Mann Cory entfernte Wurzeln im deutschsprachigen Raum, genauer in Winterthur. Seine Vorfahren sind während einer grossen Wirtschaftskrise im 19.Jahrhundert in die USA ausgewandert. Karens Grossmutter ihrerseits kam während des Ersten Weltkriegs aus dem Raum Stuttgart in die USA. «Dieser familiäre Hintergrund war aber in keiner Art und Weise Grund, gerade in der Schweiz einige Jahre die Zelte aufzuschlagen», erklärt sie. Die lag schlicht am Standort der CSL Behring.

Versetzung alle paar Jahre

In Bern arbeitet Karen Etchberger zum ersten Mal ausserhalb der USA. Alle drei bis vier Jahre wird sie versetzt. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass sie schon bald die Schweiz mit ihrer Familie verlassen wird. Ob der nächste Wohnort in den USA, in Japan, Mexiko oder Australien liegt: Alles ist möglich. Aus diesem Grund geht Tochter Madison nicht in die reguläre Schule, sondern in die International School of Berne in Gümligen.

Einige Dinge werden Tochter und Mutter nach dem Wegzug künftig vermissen, weiss Karen Etchberger heute schon. «Madison kann sich hier frei bewegen.» Dabei haben die Etchbergers vor dem Wechsel in die Schweiz in Overland Park in Kansas gelebt, einer Stadt mit relativ geringer Kriminalität. Und doch: «In den USA würde ich sie nicht allein mit dem Zug oder Bus in die Stadt fahren lassen», sagt Karen Etchberger. Die Sicherheit und die geringe Kriminalität, die hier selbstverständlich sind, seien wohl einmalig. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.07.2009, 08:24 Uhr

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