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Dreimal Liebe auf den ersten Blick

Von Annina Hasler. Aktualisiert am 13.10.2010 1 Kommentar

Patricia und Luis Villamor führen den «Zähringer» im Berner Mattequartier. Die Irin und der Spanier sind mit Leib und Seele Gastgeber ihres multikulturellen Restaurants. In der Schweiz haben sie sich nicht nur ineinander verliebt.

Das Restaurant ist ihr Wohnzimmer: Patricia und Luis Villamor sind heimisch geworden im Mattequartier, im «Dorf in der Stadt».

Das Restaurant ist ihr Wohnzimmer: Patricia und Luis Villamor sind heimisch geworden im Mattequartier, im «Dorf in der Stadt».
Bild: Andreas Blatter

Patricia Villamor (49) begegnete zweimal der Liebe auf den ersten Blick. Das erste Mal traf sie Amors Pfeil in Grindelwald, als die gebürtige Irin mit 19 Jahren Luis Villamor in einer Bar sitzen sah: «Ich fand ihn unglaublich schön. Es war Liebe auf den ersten Blick, an diesem 19.Dezember 1980», sagt die quirlige Wirtin dreissig Jahre nach dieser schicksalhaften Begegnung. Luis sprach Patricia an, noch am selben Abend verabredeten sich die beiden. Die zweite Liebe auf den ersten Blick begegnete dem Ehepaar in Form des Restaurants Zum Zähringer. Doch der Reihe nach.

Erste Liebe: Luis

Als die temperamentvolle Irin den Spanier Luis Villamor in Grindelwald kennen lernte, absolvierte sie gerade ein Praktikum für ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau. Villamor hatte in seiner Heimat Koch gelernt und war seiner Schwester und seinem Bruder, die bereits in Bern lebten, in die Schweiz gefolgt und arbeitete in Grindelwald.

«Ich wusste, wenn ich jetzt zurückkehre nach Irland, ist dies das Aus unserer noch jungen Beziehung», sagt Patricia Villamor rückblickend. «Ich blieb. Ich rief meinen Vater in Irland an und sagte ihm, ich würde die Ausbildung abbrechen. Er wurde unglaublich wütend.» Doch die junge Frau setzte sich durch, fand Arbeit in Grindelwald und heiratete drei Jahre später ihren Luis. Dieser sitzt ruhig und mit einem Schmunzeln auf den Lippen neben seiner Frau, die in blumigen Worten ihre gemeinsame Geschichte erzählt.

Abstecher nach Spanien

Kurz nach der Hochzeit zog das Paar nach Bern und begann im Lorenzini zu arbeiten, sie im Service, er in der Küche. «Seither haben wir immer Bett und Job geteilt», sagt Luis (49) und lacht. 1993 übernahm das Paar das Restaurant Schosshalde und führte es 12 Jahre lang. Eine lange Zeit, die damit endete, dass die beiden 2005 beschlossen, nach Alicante, Spanien, auszuwandern. «Es waren die Lust auf den Süden und meine gesundheitlichen Probleme, die uns dazu bewogen, an der Wärme alles etwas ruhiger anzugehen», erzählt Patricia. Doch: «Wir konnten es nicht lassen.» Bald eröffneten sie auch dort ein Restaurant. Doch alles sei noch strenger gewesen, ihre Arbeitstage länger, die Gastfreundschaft, die ihnen so wichtig ist, hatte dort kaum Platz. Und: Das Heimweh nach der Schweiz machte sich bemerkbar. Das Paar kehrte zurück nach Bern.

Zweite Liebe: Zähringer

Dort machten sie sich auf die Suche nach einer neuen Wirkungsstätte. Und wurden fündig in Form des «Zähringers». «Es war wiederum Liebe auf den ersten Blick, als wir das Haus zum ersten Mal betraten», erzählt Patricia.

Im April 2009 eröffneten sie die Beiz in der Matte. Seine Gäste verwöhnt das Paar mit italienischer Küche, vor allem mit viel frischem Fisch. Die Villamors konnten ihre zwei langjährigen Kellner aus der Schosshalde wieder ins Boot holen. Und so beschäftigt das irisch-spanische Paar in seinem italienischen Restaurant spanische und tamilische Angestellte.

Dass sich ihre Wohnung einen Stock über der Beiz befindet, empfindet Patricia Villamor als Vorteil: «Das Restaurant ist unser Wohnzimmer.» Die Arbeitstage der beiden sind lang, die Stunden, die sie täglich in Küche und an der Front wirken, zählen sie längst nicht mehr. «Diese Arbeit macht man nur, wenn man wirklich mit Leib und Seele Gastgeber ist», ist die Wirtin überzeugt.

Dritte Liebe: Die Matte

Patricia und Luis haben zwar keine Kinder, dafür sei das Restaurant ihr Baby, wie sie lachend erzählen. «Wir hätten gerne Kinder gehabt, wir stammen beide aus Grossfamilien», erzählt Luis. «Doch es sollte wohl nicht sein.»

Für Luis und Patricia Villamor ist Bern zum Zuhause geworden. «Wir können uns nicht mehr vorstellen, woanders zu leben. Wir haben hier alles, was wir uns wünschen», sagt Luis. In den letzten Jahren habe sich in Bern einiges verändert. «Die Stadt ist viel lebendiger geworden», findet Patricia.

Ganz besonders ins Herz geschlossen haben die beiden das Mattequartier, seit sie dort leben und arbeiten. «Alle kennen sich hier. Es ist wie ein Dorf in der Stadt», sagt Patricia. So gesehen sei die Matte eigentlich ihre dritte Liebe auf den ersten Blick gewesen, sagt die Irin. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.10.2010, 09:41 Uhr

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1 Kommentar

Francisco Minan

13.10.2010, 10:44 Uhr
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Sehr gute Berichterstattung. Was nützt einem all die Sterne und Pünktli, wenn das Umfeld nicht stimmt. Nebst dem kulinarischen Genuss habe ich hier ein Stück Familie und Heimat gefunden. Antworten



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