Die Liebe in Bern, die Familie in Australien
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Als Bree Schneider im Juni 2008 in die Schweiz reiste, hatte sie zwei Dinge in ihrem Rucksack: das Diplom des abgeschlossenen Wirtschaftsstudiums und ihren Lebenslauf. In Bern angekommen, verschickte die Australierin ohne grosse Hoffnungen Bewerbungen an mehrere Schweizer Unternehmen. Bree packte das Nötigste wieder ein und reiste quer durch Europa. Die Wohnung von Bekannten in Bern blieb während ihren Europareisen ihr Basislager.
Ein Anruf nach Athen
An einem wunderschönen Sommertag in Athen klingelte Brees Handy. Eine Dame der Firma Alstom mit Sitz in Baden erklärte der verdutzten Bree, dass man sie gerne zu einem Vorstellungsgespräch einladen würde. Die junge Frau brach ihre Reise ab, absolvierte zwei Vorstellungsgespräche und hatte ab September einen neuen Job als persönliche Assistentin des Vizepräsidenten der Abteilung Qualität, Umwelt, Sicherheit und Gesundheit. Alstom ist ein weltweiter Konzern, der in den Bereichen Energie und Transport tätig ist. Bree konnte ihr Glück kaum fassen.
Einziger Haken: Brees Arbeitsort befindet sich in Baden. Sie entschloss sich, zwischen Bern und Baden zu pendeln. «Diese Entscheidung kostete mich viel Überwindung», sagt sie und lacht. Sie sei ein unglaublicher Morgenmuffel gewesen. In Australien war dies kein Problem, da dort, laut Bree, niemand vor neun Uhr im Büro stehe. Um in Bern bleiben zu können, nimmt sie nun in Kauf, dass ihr Wecker sie um fünf Uhr morgens aus dem Bett klingelt.
Wurzeln in der Schweiz
Brees Interesse an der Schweiz kommt nicht von ungefähr. Ihr Vater ist ein Aargauer, der wegen ihrer Mutter, einer Australierin, nach Melbourne auswanderte. Dank dem Vater spricht Bree Schweizerdeutsch – nur Schweizerdeutsch, kein Hochdeutsch – und besitzt neben dem australischen auch einen Schweizer Pass. «Seit ich klein war, fühlte ich mich mit dem kleinen Land im Herzen Europas verbunden», erzählt die quirlige Australierin. Sie habe immer gespürt, dass sie irgendwann ihre Wurzeln in der Schweiz erkunden werde. Der Entscheid, in der Schweiz leben und arbeiten zu wollen, sei der spontanste und verrückteste Einfall gewesen, den sie je gehabt habe. Sie staunt noch heute über den Mut, den sie damals aufbrachte. Obwohl sie Reisen gewohnt ist – ihre Eltern sind beide Flugbegleiter – hat es den Familienmensch Bree viel gekostet, alleine hierhin zu ziehen.
Heimweh stellt sich ein
Seit dem Gurtenfestival vor einem Jahr hält sie aber mehr als nur die Arbeit in der Schweiz. Dort verliebte sich Bree nicht nur in Züri West, sondern auch in den Berner Ronny Graber. Heute lebt sie mit ihm zusammen.
«Das erste Jahr in der Schweiz genoss ich extrem», erzählt Bree. «Das sichere Gefühl auf den nächtlichen Strassen, das gute Essen, die Sauberkeit, die Freiheit, die ich hier habe.» In Australien sei es normal, dass junge Leute bis 28 zu Hause wohnen. Niemand lebe dort alleine oder in einer WG mit 22 Jahren. Sie finde es toll, hier so unabhängig leben zu können. Trotz diesen Vorteilen hat sich bei Bree in den letzen Monaten das Heimweh immer stärker bemerkbar gemacht. «Ich vermisse die Wärme, meine Familie, die australische Lockerheit», sagt die 22-Jährige wehmütig.
Australische Weihnachten
Mitte Dezember fliegt Bree zum ersten Mal seit ihrer Abreise wieder zurück nach Melbourne. Ihr Freund fliegt mit. «Ich werde ihm zeigen, wie wir Weihnachten bei 40 Grad Celsius feiern: in Bikini und Flip Flops, mit Bier und Barbecue», sagt sie und lacht verschmitzt.
So sehr Bree sich freut, endlich Familie und Freunde wieder zu sehen, so sehr fürchtet sie sich auch vor ihrer eigenen Reaktion: «Ich habe Angst, dass mir die Rückkehr in den kalten, grauen Winter im Januar schwerfallen wird.» Letzten Winter sei sie ständig krank gewesen, so machte ihr die Kälte zu schaffen.
Bree windet sich, wenn sie auf ihre Zukunft angesprochen wird. Sie sagt, sie sei zwischen einem Leben in der Schweiz und einem in Australien hin und her gerissen. «Einerseits habe ich grosses Glück, hier einen tollen Job zu haben und glücklich verliebt zu sein. Andererseits schlägt mein Herz trotz allem für Australien und meine Familie dort.» Für welches Leben sie sich entscheiden wird, weiss Bree im Moment noch nicht. (Berner Zeitung)
Erstellt: 05.12.2009, 11:27 Uhr
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