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«Bern ist für uns so süss und klein»

Von Esther Diener-Morscher. Aktualisiert am 19.10.2009

Eine Familie – vier Kulturen: Di Benedettos haben persische, italienische und amerikanische Wurzeln. Sie geniessen es, die unterschiedlichen Lebensweisen im Alltag bunt zu mischen. Und sie schätzen das ruhige Leben in Bern.

Über drei Kontinente: Sebastian, Toni, Nadia und Sahar Di Benedetto (v.l.) mögen den Mix beim Essen und Reden.

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Danach gefragt, was seine Heimat sei, erklärt der 13-jährige Sebastian Di Benedetto zuerst mit Bestimmtheit: «Ich fühle mich als persischer Amerikaner.» Dann fügt er hinzu: «Und natürlich als halber Italiener.» Schliesslich ergänzt sein Vater Toni Di Benedetto: «Als Schweizer fühlst du dich auch. Erinnerst du dich, wie erstaunt du warst, als du erfahren hast, dass du gar keinen Schweizer Pass hast, obwohl du hier auf die Welt gekommen bist?» Toni Di Benedetto spricht ausnahmsweise Deutsch, aber er erklärt die Hausregel: «Mit mir sprechen die Kinder Italienisch, mit der Mutter Persisch.» Sebastian und seine 12-jährige Schwester Sahar können sich auch bestens auf Englisch, Deutsch und Berndeutsch verständigen.

«Hier gibt es keine Staus»

Das Leben der Familie Di Benedetto spielt sich seit Jahren zwischen persischen Teppichen, italienischer Lasagne, amerikanischem Highway und Schweizer Rösti ab. Und sie geniessen es: «Das ist die Würze unseres Lebens. Sonst wäre es zu eintönig», sagt die 40-jährige Nadia Di Benedetto. Sie bringt den persischen und den amerikanischen Anteil in die Familie ein. Geboren ist sie im englischen Manchester, dann kehrte sie als kleines Mädchen in ihre Heimat im Iran zurück. Nach der Islamischen Revolution vor 30 Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Belgien, dann nach New York, später nach Los Angeles. In San Diego lernte sie einen italienischen Secondo aus der Berner Lorraine kennen: Toni Di Benedetto war damals auf einer dreimonatigen Ferienreise in Amerika. Nach fünf Jahren Liebe auf Distanz entschieden sich die beiden, gemeinsam in Bern zu leben. Geheiratet haben sie nach jüdischer Tradition in den USA.

Nadia Di Benedettos Lebensmotto war schon immer: «Man geht dorthin, wo es einen hinverschlägt.» Deshalb fasste sie auch in Bern schnell Fuss – obwohl sie rückblickend sagt: «Es braucht sehr viel Zeit, mit Schweizern Freundschaften zu schliessen. Aber wenn man einmal Freunde hat, hat man sie dafür ein Leben lang.»

Was sie auch noch nach Jahren in Bern seltsam findet – und wohl auch immer seltsam finden wird –, sind die Schweizer Ladenöffnungszeiten: «Ab 19 Uhr und sonntags ist fast alles zu; das ist doch unglaublich.» Beeindruckt ist sie von einem anderen Phänomen: «Es gibt keine Staus wie in Los Angeles, das ist schön», sagt sie lachend.

«Nie ein Konto in Italien»

Nadia Di Benedetto hat Fashion-design und Fashionmarketing studiert und ist seit kurzem diplomierte Personaltrainerin. Derzeit arbeitet sie als Personal-shopperin und macht Schmuck. Toni Di Benedetto ist Sanitärplaner und -installateur. Privat leben Di Benedettos weder ausschliesslich persisch noch rein amerikanisch oder italienisch oder typisch schweizerisch. «Wir nehmen uns von jeder Kultur das beste», sagt Sahar. Unter der Woche gibt es oft Pasta, Pizza, mexikanische oder asiatische Gerichte. Freitags hingegen wird zu aufwändigen persischen Tafelfreuden geladen. «Man kocht für etwa 100 Leute, auch wenn nur 10 kommen», scherzt Toni Di Benedetto. Sonntags ist es klar, dass sich die ganze Familie bei den italienischen Grosseltern Di Benedetto trifft. Geht es hingegen nicht um die Familie, sondern ums Geld, ist Toni Di Benedetto froh um die Schweizer Lebensweise: «Ich würde in Italien nie ein Bankkonto eröffnen, das ist viel zu bürokratisch. Die amerikanischen und iranischen Wurzeln kommen zum Vorschein, wenn Nadia Di Benedetto erklärt, dass sie ihre Kinder auch mit 12 und 13 Jahren noch nicht gerne alleine auf die Strasse lässt. «Bei uns wäre es undenkbar, die Kinder allein in den Kindergarten oder in die Primarschule zu schicken», erklärt sie. Deshalb hat sie Sebastian und Sahar lange begleitet, obwohl die Lehrer immer wieder gesagt haben, dies sei nicht nötig.

Trotz allem angepasst

Di Benedettos sind stolz auf ihre bunt gemischte Herkunft. Trotzdem ist für sie klar: «In der Öffentlichkeit passen wir uns den Schweizer Gepflogenheiten an. Wer das nicht will, sollte gar nicht in ein anderes Land gehen.» Möchten sie auch wieder einmal aus Bern wegziehen, zum Beispiel nach Los Angeles zum Grossvater? Mit diesem Gedanken haben Di Benedettos auch schon gespielt – und ihn wieder verworfen. «Im Moment ist unser Platz ganz sicher hier», sagt Toni Di Benedetto, der etwas sesshafter ist als seine Frau. «Wenn wir in der 10-Millionen-Stadt Los Angeles auf Familienbesuch sind, ist das toll, aber wir vermissen die Schweiz», erklärt Toni Di Benedetto. Seine Frau pflichtet ihm bei: «Ja, Bern ist so süss und klein.» Esther Diener-Morscher (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.10.2009, 14:32 Uhr

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