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Planen vs. Flanieren - die Strategien für das Buskers

Es gibt verschiedene Strategien, wie Sie das Buskers-Strassenmusik-Festival angehen können. Zwei sollen an dieser Stelle erläutert werden.

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Effizient sind die Planer. Um Viertel vor sechs, das Gewitter naht, stehen sie in der oberen Kramgasse oder beim Zytglogge und sichern sich die Plätze ganz vorn. Die findigsten unter ihnen haben gar eigene Klappstühle mitgebracht, den Schirm gegen den Platzregen, und sich die zu erwartenden Höhepunkte mit Leuchtstift im Programmheft angestrichen.

Wenn dann die Jonglage des japanischen Duos Senmaru Kagami&Yuki beginnt, tauchen sie für eine halbe Stunde ab, machen einen Fünfliber locker und eilen weiter. Die Artisten aus Tokio übrigens jonglieren mit Teekannen und Tassen und Kreiseln und kommentieren alles mit lauten Schreien und fleissig gelernten deutschen Wörtern. Unterhaltsam und eine gute Wahl für alle Planer, wie auch all die restlichen Akrobatik-Fakir-Theatergeschichten, von denen es zahlreiche gibt. Alles für die Planer, denn wer zu spät kommt, sieht nur die Rücken derselben und widmet sich deshalb lieber musikalischeren Dingen, die auch ohne Aussicht funktionieren. Fazit: Acht Gruppen an einem Abend abgehäkelt, die Hälfte zu Hause schon wieder vergessen und wegen Zeitmangels hungrig geblieben.

Es geht auch anders: die Flanierer. Unter Flanierer sollen fortan jene Menschen verstanden werden, die am Buskers durch die Gassen der Altstadt schlendern – scheinbar ziellos, doch das sind sie natürlich nicht. Immer auf der Suche nach neuen Entdeckungen. Solche sind nämlich oftmals nicht durch Programmbeschreibungen auszumachen. Die entdecken Aufmerksame beim Flanieren durch die Rathausgasse, beispielsweise. Auf einmal steht da ein junger Mann, adrett gekleidet im Stile des letzten Jahrhunderts, verdreht gequält die Augen und schreit, vom Schlagzeug getrieben: «Je suis heureux.» Man möchte ihm helfen, ihn erlösen, und bleibt gefesselt stehen. Cézigues aus Genf sind das, sie machen französische Chansons und haben sich, schwupps, zur eigenen Entdeckung gemausert.

Bereits die zweite Entdeckung an diesem Abend, ein guter Abend. Die erste war die deutsch-griechisch-israelische Combo Mr. Mostash, die ihrem Musikstil den fantasievollen Namen «Bouzouki Surf Core» gegeben hat. Fantasievoll sind auch die Kostüme, die Hüte, das Schlagzeug, die Lieder und ach, einfach grossartig sind sie.

Vor der Gruppe übrigens tanzt ein Mädchen, vielleicht drei Jahre alt, im pinkfarbenen Röckchen und so ekstatisch, dass die Grossmutter immer wieder ängstlich die Arme hebt, weil sie fürchtet, es könnte jetzt stürzen. Die Flanierer bleiben mit verschränkten Armen dahinter sitzen und wünschen sich die Unbeschwertheit zurück, die sich hoffentlich gegen Ende des Festivals einstellt.

Fazit: Sich gehen lassen, darum geht es am Buskers für die Flanierer, sich Zeit nehmen, den Plan ändern, auch mal in der hinteren Reihe stehen, mit der Nachbarin einige Worte wechseln und vor allem: Entdeckungen machen. Einige sind hier erwähnt. Machen Sie aber Ihre eigenen, auf die werden Sie stolzer sein. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.08.2009, 09:55 Uhr

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