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Buskers sind sprungbereit
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Pyromanie ist eine psychische Krankheit, bei der man den Wunsch hat, etwas zu zerstören – Kabarett ist eine Darbietung mit aufeinanderfolgenden, parodistischen oder lyrischen Nummern. Die Frankokanadierin Marie-Christine Simoneau verbindet in ihrer Feuershow «Pyro Kabaret» beides. Doch ihre Pyromanie hat nichts Zerstörerisches. Vielmehr setzt die meist in Rot gekleidete Performerin das Feuer so ein, dass Flammen und Funken poetische Bilder in den nächtlichen Himmel zeichnen. Mal spannt sie einen grossen Regenschirm auf und lässt einen Feuerregen auf sich niederprasseln, mal entzündet sie einen langen Zigarettenhalter und lässt diesen explodieren. Ganz Femme fatale, mit Zylinder und in rotem Zirkusdirektorenkittel, erinnert sie an eine Artistin aus einer Schenke der Dreissigerjahre, als die Kunstform Kabarett entstand. Wer dieser Dame Feuer gibt, hat Mut.
«Geile Mechanik»
Verführerisch sind auch die Rotlicht-Roboter des Engländers Giles Walker. Es handelt sich um sogenannte Pole-Dancers, die sich aufreizend an Stangen räkeln, um für eine erotische Atmosphäre zu sorgen. Walkers «geile Mechanik» ist also durchaus zweideutig zu verstehen. Genau wie echte Animiermädchen wippen die Maschinen zu elektronischen Rhythmen im gedämpften Licht und heizen so dem Publikum ein. Giles Walker kreiert das, was Science-Fiction-Kenner als Androide bezeichnen – menschenähnliche Roboter. Schrottplätze liebt er berufshalber heiss und innig, denn hier findet er alles, was er für seine «Peepshow» benötigt: zum Beispiel Autoleichen, aus denen sich wertvolles Arbeitsmaterial bergen lässt. So hat ein kaputter Scheibenwischer nicht zwangsläufig ausgedient: Wenn Walker ihn findet, wird daraus vielleicht ein Gelenk für den nächsten Androiden.
Hoch zu Hund
Wer lieber Haustiere mag als Androiden, sollte eine Begegnung mit dem Höllenhund des ebenfalls aus England stammenden Lyle nicht verpassen. «Er will doch nur spielen», garantiert der Besitzer und Reiter des Feuer spuckenden Monsters. Hoch zu Hund wird Lyle durch Berns Gassen reiten und das Tier Furcht erregende Laute ausstossen lassen. Das Herz des griechisch-mythologisch inspirierten Höllenhundes ist ein Deuxchevaux-Motor, in seinen Adern fliessen Öl und Blut. Streicheln auf eigene Verantwortung.
Fliegende Teezeremonie
Wer zartes Porzellan brachialem Schrott vorzieht, sieht sich die Jonglage aus Japan an. Teetassen, Papierschirme, Samurai-Schwerter und Kimonos: Die Jongleure Yuki und Senmaru Kagami spielen mit traditionsreichen Elementen aus ihrer Heimat – und vielleicht auch ganz bewusst mit Klischees. Die mit etlichen Regeln behaftete, klassische Teezeremonie wird bei diesem Duo zum Kampf gegen die Schwerkraft: Sie lassen die Tassen in der Luft rotieren. Ihre spektakulären Showeinlagen unterstreichen sie mit pathetischer Mimik, wie man sie aus asiatischen Kampfsportfilmen kennt. «Daikagura-Jonglage» nennt sich das Ganze. Daikagura war ein heiliges Ritual gegen Geister. Diese wollen die Jongleure nicht unbedingt vertreiben, sondern vielmehr die Tassen zwecks Unterhaltung fliegen lassen. «Zen» wird man davon wohl kaum: Wer seine eigenen Tassen nicht mehr im Schrank hat und von allen guten Geistern verlassen wurde, dem ist wohl eine klassische Teezeremonie eher zu empfehlen.
Witzige Würste
Trendig wie Tee aus Japan ist auch der Musikstil «Folk». So darf eine Folkband auch am Buskers nicht fehlen. Doch Vorsicht – die mit Gitarre, Mandoline, Geige, Kontrabass und Akkordeon bewaffnete Band «Cosmic Sausages» spielt nicht unbedingt, was sie verspricht. Sie nervt bewusst mit trivialen Popsongs, die nicht mehr enden wollen, oder veranstaltet völlig unerwartet Wettbewerbe. Auch der Look der britisch-italienischen Truppe ist nicht wirklich folkig. Eher sehen die schrägen Typen in Hawaiihemden wie Touristen auf Mallorca aus. Lagerfeuerstimmung kommt da bestimmt keine auf.
Auf dem Sprung
Und was hat es auf sich mit den tollkühnen Afro Jungle Jeegs? Bereits als Kinder übten sie an den Stadträndern von Jeriko Hall in Nairobi Akrobatik. Sie lernten Sprünge, Limbo-Tanz und das Aufbauen von menschlichen Pyramiden von den älteren Kindern auf der Strasse. Mittlerweile sind sie eine etablierte Truppe, die bereits in mehr als sechzig Städten performt hat. Immer auf dem Sprung sind sie bald sprungbereit fürs Buskers. Gute Landung! (Berner Zeitung)
Erstellt: 06.08.2009, 12:06 Uhr
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