Sozialamt des Kantons Bern
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Sozialamt der Kantons Bern, guten Tag.
Ja guten Tag. Können Sie mir sagen, ab wann man im Kanton Bern ein Sozialfall ist?
Ja. Sozialhilfe erhalten Sie dann, wenn Sie nachgewiesenermassen Ihren Lebensunterhalt nicht mehr selber bestreiten können.
Welche Berner Stadt hat die grösste Sozialfalldichte, und wieso ist das so?
Am meisten Menschen, die ganz oder teilweise auf Sozialhilfe angewiesen sind, begegnen Sie in Biel. Dafür gibt es mehrere Gründe. Seinerzeitige Uhrenkrise, Herausforderungen in der Ausländerintegration, günstigen Wohnraum und anderes.
Wenn man alles so macht wie jeder, führt das doch nur dazu, dass man dann alles so macht wie jeder und alle fünf Jahre einen neuen Beruf suchen muss, weil alle anderen auch alles schon wieder viel besser können als alle. Das ist doch ein sinnloser Kreislauf? Oder?
Sie sollten nicht nach sinnlosen Kreisläufen fragen.
Gut, eine andere Frage. Was ist eine familienunterstützende Institution. Ist das zum Beispiel eine Grossmutter?
Grossmütter können in allen möglichen Lebenslagen eine sehr familienunterstützende Institution sein. Aus der Sicht des Sozialamtes möchten wir aber nicht alle Grossmütter und Grossväter in die Pflicht nehmen. Wir setzen zusätzlich auf Kindertagesstätten und Tageseltern.
Ich bin Schriftsteller. Würden Sie mich im Fall akuter Ideenlosigkeit oder im Falle einer existenziellen Schreibkrise als Sozialfall anerkennen, und was würden Sie mit mir dann machen?
Wir haben angesichts der vielen aktuellen Themen, die unsere Gesellschaft betreffen, keine Angst, dass Ihnen der Stoff ausgeht. Sollten Sie wider Erwarten doch in eine Schreibkrise geraten, müssen Sie zuerst Ihr Vermögen aufbrauchen, Ihr Haus verkaufen und Ihre reichen Verwandten angehen, bevor wir Ihnen glauben, dass Sie ein Sozialfall sind.
Was ist aus der Sicht des Sozialamtes der Vorteil eines Grundeinkommens für jeden?
Ein Grundeinkommen für einen Teil unserer Gesellschaft hätte den Vorteil, dass damit anerkannt würde, dass es angesichts der Technologisierung nicht mehr für alle eine passende Arbeit gibt. Ein Grundeinkommen für alle hätte den Vorteil, dass es keine Diskussionen über hohe Managerlöhne mehr gäbe.
Hat der Kanton Bern auch Sozialfalldetektive, und was tun die?
Im Moment haben wir das im Kanton Bern noch nicht, aber wir arbeiten daran. Diese Detektive würden in Ihrem Fall prüfen, ob Sie wirklich in einer Schreibkrise stecken oder nicht.
Was wären meine minimalen gesetzlichen Ansprüche als Sozialfall?
Da müssen Sie mir noch mehr Daten von sich geben.
Gut. Jahrgang 1972, lebe allein in einer günstigen Mietwohnung, habe ein Studium gemacht, bin seit zehn Jahren als Schriftsteller tätig und angenommen, ich hätte jetzt eine Schreibkrise. Was erhalte ich von Ihnen?
Sie erhalten 960 Franken monatlich als Grundbetrag. Das muss reichen für Nahrung, Körperpflege, Kleider, Verkehrsmittel, Telefon, Zeitung, eventuell ein Buch pro Monat. Zusätzlich müssen Sie, falls das nicht schon der Fall ist, in eine günstige Wohnung ziehen, und Sie hätten Anspruch auf eine Prämienverbilligung für eine der zwanzig günstigsten Krankenkassen der Region.
Was ist mit Betreuung und Weiterbildung?
In Ihrem Fall gehen wir davon aus, dass Sie ein aussichtsreicher Kandidat für eine Reintegration in den Arbeitsmarkt sind. Sie müssten sich also um eine Arbeitsstelle bewerben, und Sie müssten die erste zumutbare Arbeit annehmen. Sollte sich Ihre Problematik als komplexer erweisen, würden wir Sie aufbauen, und Sie könnten an einem Programm zu Ihrer sozialen Stabilisierung teilnehmen – falls ein Platz frei wäre.
Wie viel kostet die Verwaltung eines Sozialfalles im Kanton Bern?
Sozialfälle werden nicht verwaltet. Die Menschen werden beraten, gefördert und gefordert. Diese Betreuung kostet zirka 2000 Franken pro Jahr und Fall.
Kann das Lied «Nach em Räge schint d’Sunne, nach em Briegge wird glacht» von Artur Beul einem Sozialfall helfen?
Man muss grundsätzlich alles versuchen. Wir zweifeln allerdings daran, dass das Hören dieses Liedes ausreicht. Vor allem jetzt, wo es so viel regnet.
Welche anderen Mottos würden Sie mit der Tätigkeit des Sozialamtes verknüpfen?
«Yes, we can.»
Erstellt: 10.06.2009, 08:03 Uhr
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