Lyss

So können Metzger bestehen

LyssHans Schüpbach hat an der Bielstrasse in Lyss seine Seeland-Metzgerei eröffnet und sich damit einen Wunsch erfüllt. Einfach war der Start jedoch nicht.

Kommt er gegen die Konkurrenz der Grossverteiler an? Hans Schüpbach übernimmt die ehemalige Metzgerei Hofmann in Lyss.

Kommt er gegen die Konkurrenz der Grossverteiler an? Hans Schüpbach übernimmt die ehemalige Metzgerei Hofmann in Lyss. Bild: Martin Rindlisbacher/BT

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Nur wenige Wochen war die ehemalige Metzgerei Hofmann an der Bielstrasse 49 verwaist: Im Dezember hat Hans Schüpbach die Lokalitäten übernommen und die Seeland-Metzgerei als Einzelfirma eröffnet. «Ich finde es schade für die Gemeinde Lyss, dass es keine eigenständige Metzgerei mehr gibt. Immerhin hatte es früher hier im Dorf noch sechs Metzgereien», sagt 58-jährige Hans Schüpbach. Er sei sich bewusst, dass er ein Risiko eingehe angesichts der Konkurrenz der Grossverteiler.

Verschlossene Räume

Die konkursamtliche Schliessung der Hofmann GmbH mit Hauptsitz in Kappelen führte laut Schüpbach zu einer grotesken ­Situation: «Alle Schlösser wurden ausgewechselt, Maschinen, für die ich noch Verwendung gehabt hätte, fielen in die Konkursmasse.» Der Beginn sei denn auch schwierig gewesen. Weil Schüpbach während der letzten Monate keine feste Anstellung hatte, konnte er nach dem Konkurs seines Vorgängers rasch mit dem Wiederaufbau der Metzgerei beginnen.

Schüpbach setzt auf regionale Produkte mit hoher Qualität. Dazu kann er auf Metzgereien aus der Region zurückgreifen, die selber produzieren. Im Aufbau ist derzeit ein zweites Standbein: der Partyservice. Dass unabhängige Metzgereien heute noch Chancen haben, räumt auch Hans Probst, Geschäftsführer bei der Lysser «Meat&More»-Metzgerei, ein. Probst hat als Präsident der Genossenschaft Metzger-Center Bern eine grosse Übersicht über das Metzger­gewerbe. «In den 70er-Jahren zählten wir gesamtschweizerisch rund 4500 Betriebe. Heute sind es noch etwa 1200.»

Die Gründe des Scheiterns

Vielfach führen laut Probst Nachfolgeprobleme oder grosse In­vestitionen, beispielsweise die Erneuerung eines mit Auflagen verbundenen Schlachthauses, zur Aufgabe: «Heute konzentrieren sich viele Metzgereien auf das Veredeln von Fleischwaren und auf Partyservice.» Der Service sei nicht unbedingt günstiger als der Besuch im Restaurant. Hingegen können die Auftrag­geber das Lokal selber wählen. «Dennoch ist es für junge Metzger nicht immer einfach, den ­Familienbetrieb weiterzuführen und gute Umsatzzahlen zu er­reichen, aber es ist bei hohem Einsatz möglich», sagt Probst.

Beispiele für erfolgreiche Metzgereien gibt es im Seeland zahlreiche: Martin Stettler in Schüpfen, Mark Widmer in Grossaffoltern oder Christoph Hämmerli in Ins. Sie alle führen den Familienbetrieb weiter. Auch Hans Schüpbach möchte dereinst den Betrieb einem Nach­folger übergeben. Vorerst jedoch will er seinen Traum leben – die Pensionierung in sieben Jahren ist noch weit weg.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 09.02.2017, 11:18 Uhr

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