Bern

Schlecht macht Spass

BernRonny Kupferschmid liebt schlechte Filme. Mit seiner «Kultmoviegang» bringt er am Donnerstag den Haihorrorfilm «Shark Attack 3» ins Berner Kino Club.

Der Filmliebhaber Ronny Kupferschmid stellt seine «Kultmoviegang» vor. Video: Ralph Heiniger

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«Shark Attack 3» ist ein schlechter Film. Er wurde aus sämtlichen Klischees des Haihorrorgenres zusammengebastelt: Man nehme einen skrupellosen Unternehmer, einen ehrlichen Rettungsschwimmer, eine vollbusige Blondine, dazu noch ein paar leckere Haihappen in Form von Surfern, Schwimmern oder Bootsfahrern, und es ist angerichtet.

Damit der Hai dem Publikum so richtig das Fürchten lehrt, ist er in «Shark Attack 3» 20 Tonnen schwer (schwerer ist gruseliger), kann sein Maul über drei Meter weit aufreissen (grösser ist gruseliger) und hat einen prähistorischen Hintergrund (älter ist gruseliger). Der böse, böse Fisch frisst sich quer durch das Darstellerbuffet, bevor ihn die knapp bekleidete Heldin ins Jenseits befördert – und dabei gibt sie noch einen coolen Spruch von sich.

Ein talentfreies Ensemble

Zusammengefasst: «Shark Attack 3» ist Filmschrott. Doch auch schlechte Filme können manchmal richtig gut unterhalten. Das findet Ronny Kupferschmid (38), Gründer der «Kultmoviegang». Er bringt «Shark Attack 3» am nächsten Donnerstag im Kino Club auf die grosse Leinwand. «Einen schlechten Film auf der grossen Leinwand zusammen mit Gleichgesinnten zu verfolgen, macht einfach Spass», sagt er.

Der Streifen über den hungrigen Urhai vereine all das, was einen schlechten Film gut mache. «Man merkt, dass der Regisseur und die Darsteller mit viel Herzblut am Werk waren. Aber es fehlt ihnen leider an Talent.» Es ge­höre durchaus zum Spassfaktor eines schlechten Films, zu beobachten, wie ein Filmemacher mit seinem Werk auf allen Ebenen scheitert, sagt Filmschrottexperte Kupferschmid. «Es ist auch eine gewisse Schadenfreude dabei.»

Aufgewachsen mit VHS

Schon als Kind war Ronny Kupferschmid ein Filmfan. Bei einer Reise in die USA kaufte er sich als Teenager einmal so viele VHS-Kassetten, dass die Zöllner stutzig wurden und ihn überprüften.

Mit seinen Freunden hat er schon in jungen Jahren Film­marathons bei sich zu Hause durchgeführt. Dabei habe er auch die Wirkung von Trashfilmen schätzen gelernt. «In der Gruppe schenkt man gerade den schlechten Filmen besonders viel Aufmerksamkeit», so Kupferschmid. Um dem Trashfilm Aufmerk­samkeit zu verschaffen, gründete er vor rund einem Jahr die Internetplattform «Kultmoviegang». Auf seiner Website finden die Liebhaber schlechter Filme alles, was ihr Herz begehrt: Rezensionen von Klassikern, neuen Ver­öffentlichungen und unentdeckten Perlen. Und natürlich findet man auf Kultmoviegang.ch alle Infos über die geplanten Screenings, die Vorführungen im Kino. «Das Ziel der ‹Kultmoviegang› ist es, schlechte Filme ins Kino zu bringen.»

Es geht noch schlechter

In den USA haben Trashevents in Kinos Tradition. Regelmässig lockt Filmschrott bis zu fünfhundert Zuschauer in die Kinosäle.

In der Schweiz sind die Filmvorführungen der «Kultmoviegang» bislang einzigartig. Seit letztem Sommer arbeitet Kupferschmid mit dem Berner Kinounternehmen Quinnie zusammen (siehe Box). Alle zwei Monate kann man seither einen Trashfilm im Arthouse-Kino sehen. Nach «Shark Attack 3» diesen Donnerstag steht im März «Birdemic 2» auf dem Programm der «Kultmoviegang». In diesem Film wird Hollywood von wild ­gewordenen Vögeln angegriffen – wegen der globalen Erwärmung oder so. Kupferschmid verspricht: «Birdemic 2 ist sogar noch schlechter als Shark Attack 3.»

«Shark Attack 3»läuft am Donnerstag, 21. Januar, um 20.45 Uhr im Kino Club in Bern.
Den Trailer zum Film finden Sie auf www.kultmoviegang.ch. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.01.2016, 08:58 Uhr

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Bei der Berner Kinokette Quinnie steht der Arthouse-Film im Vordergrund. Quinnie steht für anspruchsvolles Kino. Warum also bietet Quinnie auch dem Trashfilm eine Plattform? Geschäftsführerin Edna Epelbaum sagt: «Unser Ziel ist es, das Kinopu­blikum neugierig zu machen, ihm die Freude am Risiko, auch einmal einen unbekannteren Film zu sehen, mitzugeben und die Reise in verschiedene Welten und Kulturen zu ermöglichen.» Dies passiere nach wie vor nur in einem dunklen Saal vor einer grossen Leinwand, erklärt Epelbaum. (rah)

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