Bern

Rückzug in den Orchesterklang

BernIn ihrem zweiten Saisonkonzert «Jupiters Fest» durchlebte die Camerata Bern verschiedene Temperamente.

Das Kammerorchester Camerata Bern im Einsatz. (Archivbild) Bild: zvg

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Ein kurzes Innehalten vor dem nächsten Melodieton, eine kleine Verzögerung, durch welche die Musik beinahe aus den Fugen gerät. Der Pianist Bernd Glemser spielt den zweiten Satz aus Mozarts 23. Klavierkonzert mutig zurückhaltend. Viele Augen ­bleiben im Konzertsaal des Berner Kultur-Casinos geschlossen, während das überirdisch schöne Thema erklingt und von der Camerata Bern fortgesponnen wird. Äusserst zerbrechlich wirkt Mozarts Musik.

Einige Zuhörer summen leise die Melodie mit. Es ist, als ob sie dem Pianisten beiseitestehen möchten. Dieser zieht sich mehr und mehr in den Orchesterklang zurück. Spielt er überhaupt noch? Nicht immer im Verlauf von Mozarts Klavierkonzerts lässt sich dies eindeutig beantworten. Die Balance zuungunsten des Soloparts überzeugt dabei nicht gänzlich.

Dass der 54-jährige Pianist nicht nur zurückhaltend spielen kann, beweist er in der zweiten Konzerthälfte. Dort steht Haydns 1782 komponiertes Klavierkonzert in D-Dur auf dem Programm – qualitativ demjenigen von Mozart in nichts nachstehend. Frisch und lebendig haut Glemser in die Tasten – ohne dabei auf Präzision zu verzichten. Der ­Camerata Bern begegnet er verspielt auf Augenhöhe.

Zu Höchstform aufgelaufen

Unter ihrem ehemaligen künstlerischen Leiter Erich Höbarth agiert das Berner Spitzen­ensemble als eingespieltes Team. Zu Höchstform läuft es in der Interpretation von Mozarts letzter, der sogenannten Jupiter-Sinfonie. In dieser Sinfonie lässt sich alles finden, was Mozart auszeichnet: In der Musik sprudelt es von Themen und Motiven, nie jedoch wirkt eines davon als eines zu viel. Und trotz komplexer Kompositionstechnik klingt die Musik nie überladen. Eine artifizielle Natürlichkeit sozusagen.

Den 27 Musikern der Camerata Bern zuzuhören, wie sie mit sportlichen Tempi diesem Meisterwerk der Sinfonik Leben einhauchen: ein Hochgenuss! Ihr durchsichtiger, alle Instrumentalstimmen ins rechte Licht rückender Gesamtklang: eine Offenbarung! Nicht gerade eine Offenbarung, aber zumindest eine lohnende Entdeckung war indes das Eröffnungsstück, die Ouvertüre aus der Oper «Los esclavos felices» des Spaniers Juan de Arriaga. Erstaunlich, was der viel zu früh verstorbene Komponist bereits vor seinem 15. Lebensjahr aufs Papier brachte.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 15.11.2016, 06:24 Uhr

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