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«Parkour überwindet Hindernisse im Kopf»

Von Claudia Salzmann. Aktualisiert am 01.06.2011 2 Kommentare

Wo Geländer, Treppen, Tische und Hauswände anderen Fussgängern die Gehwege vorgeben, lassen sich «Traceure» nicht aufhalten. So werden die Parkour-Sportler genannt, die aus der Stadt einen Hindernislauf konzipieren.

1/12 Beim Parkour geht es um effiziente Fortbewegung.
Bild: Roger Widmer / ParkourONE

   

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Andere Interpretationen

Freerunning bedeutet, sich zwanglos zu bewegen, in jeder beliebigen Umgebung. Die Bewegung soll nicht Mittel zum Zweck sein, sondern Selbstzweck, das heißt, das Sich-Bewegen steht im Mittelpunkt. Man bewegt seinen Körper kreativ und kann sich dabei seine komplette Umgebung ohne Einschränkungen zu nutzen machen. Beim Freerunning sollte immer der ganze Körper in Bewegung sein. Der Grundsatz von Parkour, die Effizienz, steht hierbei nicht im Vordergrund.

Tricking oder Martial Arts Tricking ist ein Mischung aus verschiedenen Sportarten. Man unterteilt die Moves in drei Kategorien: Twists, Flips sowie Kicks. Ästhetik und Optik ist ausschlaggebend über die Elemente. Tricking kombiniert beispielsweise die akrobatischen Dreh- und Sprungkicks aus dem Tae Kwon Do mit akrobatischen Turnelementen aus dem Bodenturnen beispielsweise Flick Flack, Salti. Außerdem enthält es sämtliche Freestyle-Elemente sowie Teile des Capoeira (Double Leg) oder dem Breakdance (Flare).

L’art du deplacement: Mitglieder der ersten Gruppe von David Belle, „Yamakasi“, die an der Entwicklung des Parkour teilhatten, vertreten einen Stil, der sich „l’art du deplacement“ nennt und im Film Yamakasi – Die Samurai der Moderne ein Denkmal gesetzt wurde. „Die Kunst der Fortbewegung“ entwickelt sich zu einem Überbegriff, welcher alle Stilrichtungen vereint, die dem Parkour nach David Belle entsprangen. Dies stellt sich als wichtige Entwicklung dar, die die verstrittenen Richtungen vereinen könnte. Zwar benutzen die Yamakasi ebenfalls akrobatische Elemente in ihrem Lauf, räumen diesen aber längst nicht soviel Platz ein wie Free Runner. Das effiziente Fortbewegen stand und steht für die Yamakasi und die heutigen Anhänger dieses Stils noch immer stark im Vordergrund.

Quelle: Wikipedia

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Ausnahmsweise ist nicht die USA der Vorreiter von Parkour, sondern Frankreich. Begründer und erster «Traceur» war David Belle. In Paris erklomm er mit der Gruppe Yamakasi Mauern und Gebäude. Bell hat den Sport von seinem Vater gelernt und weiterentwickelt, einer natürlichen Fortbewegungsart, die bei Ureinwohnern beobachtet wurde. Laut Eigendefinition ist Parkour eine Disziplin, die Bewegungskunst und Technik verbindet.

Nach der Parkour-Definition von Belle trainieren auch Roger Widmer und Felix Iseli. Seit mehr als einem Jahrzehnt fröhnen die gebürtigen Münsinger ihrer Leidenschaft. Widmer ist eigentlich Lehrer für Gestaltung und Kunst plus Erwachsenenbildner. Iseli war Koch. Widmer verkörpert das Chaos und Iseli die Struktur. Unterschiedlicher könnten sie laut eigenen Angaben nicht sein, doch Parkour vereint sie. Sie gründeten 2008 ihre GmbH «ParkourONE» und machten so ihr gemeinsames Hobby zum Beruf. Was traumhaft klingt, bringt in Wirklichkeit knallharte Arbeit und wenig Freizeit mit sich. An vier Abenden pro Woche geben sie Trainings in Münsingen, Bern und Zürich, die allesamt ausgebucht sind.

Effizienz macht den Unterschied

Widmer gilt als der Parkour-Pionier der Schweiz und hört man den beiden zu, merkt man, dass es ihre Leidenschaft ist und hinter Parkour mehr als eine trendige Eintagsfliege steckt. «Bei Parkour zählt vor allem das Miteinander als das Gegeneinander», sagt der 30-jährige Widmer. Es gehe um die Bewegungskunst und nicht um Showeffekte. Der Traceur setze auf die Effizienz der Bewegung und nicht auf Ästethik.

Oft seien es Nuancen, die Parkour von anderen Sportarten unterscheide. Für Laien ist es kaum ersichtlich, ob es nun Parkour ist oder Streettricking, Parcouring oder Akrobatik (siehe Box). Heute gibt es Traceure und Gruppen von Traceuren, die Parkour aus Spass oder als Sport ausüben, ohne die dahintersteckende Philosophie zu leben. Beispielsweise lautet das Motto von Parkour:«être fort pour être utile», stark zu sein, um nützlich zu sein. Doch für wen kann der Traceur wichtig sein? Für die Gesellschaft, wie beispielsweise bei der Aktion «Move for Japan», erwidern die beiden Berner Traceure. Aber auch für sich selber nützlich, denn bei Parkour hat jede Entscheidung unmittelbare Konsequenzen. Überschätzt man sich oder das Hindernis, landet man hart auf dem Boden der Realität. Wer Parkour ausübt, setze sich mit seinen Stärken und Schwächen auseinander. «Man ist sich seiner Entscheidungen bewusst und somit auch mit sich selbst.»

Wettkampflos

Andere verstehen Parkour aber auch als Form der Akrobatik oder als Stuntkunst. Im Parkour wurden ursprünglich keine Wettkämpfe gemacht, weil dies das «Miteinander» ablehne und das «Gegeneinander» fördere. Mittlerweile gibt es dennoch Wettkämpfe, beispielsweise das Parcouring, bei dem es ein Hindernislauf schnellstmöglich überwinden werden gilt. Zu unterscheiden ist also zwischen den ursprünglichen Formen und Varianten anderer Traceure.

Ein typischer Traceur im Training von «ParkourONE» ist zwischen 18 und 25 Jahre alt. Die meisten sind männlich, in Münsingen sind rund ein Drittel Frauen und in Bern rund 20 Prozent. Gelegenheit mitzutrainieren gebe es momentan keine, weil die Kurse ausgebucht seien. «Mehr Kurse sind nicht geplant, da unsere Agenda keine zulassen und noch keine Nachwuchstrainer bereit sind», sagt der 26-jährige Felix Iseli. In grösseren Gruppen trainieren, wollen die Geschäftsführer aus Prinzip nicht. Mit 12 Teilnehmer pro Trainer hat der Coach noch genügend Aufmerksamkeit für den einzelnen.

Anfang im Vita-Parkour

Doch nur weil keine freien Trainingsplätze gibt, heisst das nicht, dass man Parkour selber erlernen kann. Ein Tipp der Pioniere: «Geht auf die Vita-Parkours.» Parkour könne man sich selber beibringen, wie die beiden das auch gemacht haben. Das Handwerk kann auch bei Filmen wie Yamakasi abgeschaut werden, wobei dabei beachtet werden müsse, dass immer schauspielerische Effekte dabei sind. Theorie kann beispielsweise im Buch, das von Sportwissenschaftler Markus Luksch und «ParkourONE» kürzlich publiziert wurde, nachgelesen werden. Ausserdem gäbe es viele Veranstaltungen, wo man teilnehmen könne – teils kostenlos, teils gebührenpflichtig.

Solche Veranstaltungen sind es auch, die Widmer und Iseli finanziell über Wasser halten. In ihren Trainings steckt lediglich Herzblut, doch wenig Einkünfte. Daher bieten sie daneben Kurse und werden auch von Firmen gebucht. «Parkour hat nicht nur einen pädagogischen Wert für Jugendliche», erklärt Widmer. Es könne helfen, lösungsorientiert zu denken und man könne besser mit Erfolg und Misserfolg umgehen.

Ihr Ziel, die Parkour-Szene zu stärken, wollen sie dennoch weiter vorantreiben. «Die Szene jünger, leistungsorientierter und schnelllebiger geworden», meint Iseli. Sie grenzen sich klar ab von den diversen Interpretationen, was nicht heisst, dass das eine besser oder das andere schlechter sei. Sie sind sich sicher, dass es die Philosophie hinter Parkour sei, die den Sport nicht in Vergessenheit geraten lässt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.06.2011, 13:55 Uhr

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2 Kommentare

buxx Ralph

01.06.2011, 19:34 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Bild 3, 4 und 5 sind garantiert Fotomontagen! Antworten



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