Ära endet nach 101 Jahren
Von Urs Wüthrich. Aktualisiert am 20.07.2011 1 Kommentar
In aller Herrgottsfrühe montieren Margrit und Fritz Blaser am Dienstagmorgen ihren Stand auf dem Bundesplatz und legen frische Salate und Früchte, Bohnen, Gurken, Blumenkohl, Zwiebeln, Tomaten und viel anderes Gemüse attraktiv auf die Auslage. «Wir stehen um 3.30 Uhr auf, und um 7 Uhr sind wir auf dem Märit parat», sagt Margrit Blaser. Dieses Ritual hat lange Tradition. Seit 101 Jahren fährt die Familie Blaser zweimal pro Woche, jeden Dienstag und Samstag, an den Berner Märit. Aber nicht mehr lange: Am 30.Juli stellt die vierte Generation, Margrit und Fritz Blaser aus Frauenkappelen, zum letzten Mal ihren Stand auf. Sie gehen in den Ruhestand. «Es gibt keine fünfte Generation, welche die Tradition weiterführen kann», sagt Fritz Blaser. Er selbst fährt seit 1970 auf den Bundesplatz. «In all den vielen Jahren haben wir eine freundschaftliche Beziehung zu den Kunden aufgebaut», sagt der Gemüsebauer, «die werden wir jetzt im Ruhestand vermissen.» Mit einigen hätten sie aber auch künftig noch Kontakt.
Mit Hund und Zweiradkarren
Christian Blaser, Fritz Blasers Urgrossvater, war der erste aus der Familie, der 1910 z’Märit ging. «Er kam von Seftigen mit dem Hund und dem Zweiräderkarren nach Bern», erzählt sein Urenkel. Damals habe es auf dem Bundesplatz noch keine Märitstände gegeben, die Waren wurden an der Marktgasse feilgeboten. Ab 1913 konnten die Marktfahrer ihre Stände dann vor dem Parlamentsgebäude aufstellen. Die zweite Generation – Ernst Blaser – kam bereits mit Ross und Wagen. Er hatte den Gemüsebetrieb ins Liebefeld verlegt. «Mein Grossvater kam immer im Anzug auf den Märit, mit Krawatte und einem Borsalino auf dem Kopf», weiss Fritz Blaser und zeigt ein altes, unscharfes Foto, das einen elegant gekleideten Herrn hinter Kisten von Gemüse zeigt.
«Nur erstklassige Ware»
1921 zügelte der Betrieb nach Ostermundigen. Es soll vorgekommen sein, dass das eisenbahnscheue Ross Fany mit dem Wagen und sämtlichen Waren durchgebrannt sei und Ostermundigens Strassen mit Gemüse eingedeckt wurden. 1937 siedelten sich Blasers in Riedbach an. Neu war nicht nur die Adresse, sondern auch das Märitfahrzeug: ein Auto. «1950 übernahm dann mein Vater den Betrieb», erzählt Fritz Blaser. In jener Zeit seien die ersten Treibhäuser gebaut worden, das habe eine Spezialisierung für mehrere verschiedene Gemüsesorten ermöglicht. Fritz Blaser: «Früher gabs eine Tomate, heute haben wir sechs verschiedene Sorten im Angebot.» Trotz breitem Angebot, die Devise habe immer gelautet: «Nur erstklassige Ware auf den Markt bringen.» Kundinnen und Kunden des Berner Märits würden für Qualitätsprodukte gern ein bisschen mehr bezahlen, meint Blaser, der sich in den Siebzigerjahren auf Nüssler, Bierrettich, Gurken und Tomaten spezialisiert hat. Er tritt am übernächsten Samstag nach 41 Jahren nicht nur von der Märitbühne ab, sondern hat unlängst auch das 28 Jahre dauernde Präsidium des Vereins Bärner Märit abgegeben. Aber ganz aus dem Geschäft sind Blasers nicht. Sie beliefern nach wie vor etliche Restaurants mit frischer Ware. (Berner Zeitung)
Erstellt: 20.07.2011, 06:44 Uhr
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1 Kommentar
Schade, schade ... den bei Blasers am Stand wurde man immer nett bedient und ein Schwatz mit Fritz lag oft drin,. Fritz hat die Marktlandschaft in Bern geprägt und sein Engagement ging weiter über seinen Stand hinaus. Jetzt habt ihr wohl dann Zeit selber über den Markt zu schlendern. Viel Spass im "Unruhestand" - Rosmarie Antworten
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