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«Die Vorschriften bezüglich Milch wurden nicht verschärft»

BernDas Pflegeheim Kühlewil bezieht keine Milch mehr von Bauer Dreier. Kantonschemiker Othmar Deflorin sagt, dass Heime und Spitäler weder Milch separat lagern, noch Pastmilch verwenden müssen.

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Die Gründe, warum Bauer Albrecht Dreier dem stadtbernischen Alters- und Pflegeheim Kühlewil keine Milch mehr liefern darf, sorgen nicht nur in der Landwirtschaft für Kopfschütteln. Auch Kantonschemiker Othmar Deflorin sagt, er habe beim Lesen des Artikels in dieser Zeitung gestaunt, vor allem über die Worte von Urs Stoll, Heimleiter ad interim: «Wenn man Rohmilch bezieht, darf diese nicht zusammen mit anderen Lebensmitteln gelagert werden.» Dies schreibe die Lebensmittelverordnung vor.

Vorschriften nicht strenger

Kantonschemiker Deflorin, Amtsvorsteher der kantonalen Lebensmittelkontrolle, hält fest, dass die Lebensmittelverordnung schon vor einiger Zeit durch andere Verordnungen abgelöst worden sei. «Die Vorschriften sind aber damals bezüglich Milch nicht verschärft worden», betont er und sagt, dass Milch im gleichen Kühlraum mit Fleisch und anderen Lebensmitteln gelagert werden dürfe. Vorausgesetzt, eine saubere Produktetrennung werde eingehalten und die Kühltemperatur liege unter 5 Grad.

Abkochen reicht

Weiter sagt Deflorin, es gebe keinerlei Vorschriften, dass in Heimen Pastmilch abgegebenwerden müsste. «Es reicht, Frischmilch abzukochen, aber das ist natürlich ein Mehraufwand.» Klar nicht erlaubt sei, Rohmilch für den direkten Konsum abzugeben. Aber in einer Dessertcreme oder in heisser Schokolade werde Milch ja so oder so hoch erhitzt und stelle kein Problem dar, sagt Deflorin. «Wir haben Heimen oder Spitälern nie die Auflage erteilt, Milch separat zu lagern oder Pastmilch zu verwenden.»

Neue Kaffeemaschinen

Nach Deflorins Ausführungen drängt sich die Frage nach den wahren Gründen auf, warum das Heim Kühlewil keine Milch mehr vom Bauern nebenan bezieht. Wie sich herausstellt, sind die neuen Kaffeemaschinen in den Wohngruppen des Heims der Hauptgrund. Diese müssen mit homogenisierter Pastmilch gefüllt werden weil diese schön schäumt und Frischmilch die Maschine verkleben würde.

«Früher wurden die Wohngruppen mit Kaffee und abgekochter Milch aus der Küche beliefert. Das ist heute eben anders», sagt Heimleiter Urs Stoll und erklärt, dass selbst wenn das Heim jährlich 30'000 Liter Milch von Bauer Albrecht Dreier nebenan beziehe, Lastwagen nach Freiburg zur Milchverarbeiterin Cremo fahren würden. «Milch wird heute hin und her transportiert, das können wir nicht ändern.» Stoll war früher in einem Heim im Kanton Freiburg tätig. Dort müsse Milch separat gelagert werden, sagt er. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.04.2016, 18:35 Uhr

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