Bern

In der Reitschule kann man jetzt legal Cannabis kaufen

BernSeit über einer Woche kann man im ­Restaurant Sous le Pont in der Reitschule legal Cannabis kaufen. Auch andere Geschäfte in der Stadt Bern bieten THC-freies Gras an. In der Hanftheke etwa ist die Nachfrage gross.

Seit einer Woche gibt es das CBD-Cannabis im Restaurant Sous le Pont und in der Rössli-Bar in der Berner Reitschule zu kaufen.

Seit einer Woche gibt es das CBD-Cannabis im Restaurant Sous le Pont und in der Rössli-Bar in der Berner Reitschule zu kaufen. Bild: Keystone

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Auf den ersten Blick sieht es aus wie Cannabis, das auch ein Dealer verkaufen könnte. Erst wenn man das braune Tütchen umdreht, wird der Unterschied deutlich: Das Gras aus der Reitschule enthält weniger als ein Prozent Tetrahydrocannabinol (THC). Stattdessen steckt in den dunkelgrünen Blüten rund 16 Prozent Cannabidiol (CBD). Der Indus­triehanf führe kaum zu Sinnes- oder Wahrnehmungsveränderungen, wirke aber trotzdem entspannend und schmerzlindernd, sagen Fachleute.

Seit einer Woche gibt es das CBD-Cannabis im Restaurant Sous le Pont und in der Rössli-Bar in der Berner Reitschule zu kaufen. Der Kollektivbetrieb verfolge damit mehrere gesellschaftliche Anliegen, ist in der Reitschule zu erfahren. Einerseits wolle man eine Alternative zu jenem Stoff bieten, der auf dem Vorplatz verkauft werde. «Draussen auf der Schütz erhältst du zum Teil wüstes Zeugs, das mit Blei, Glas oder anderen gefährlichen Substanzen gestreckt ist», lässt sich Terry vom Kollektiv zitieren. Andererseits wolle man dem «Deal vor der Haustür etwas entgegensetzen».

«Das Geschäft floriert»

Die Reitschule ist nicht das einzige Lokal in der Stadt Bern, welches legal Cannabis verkauft. Auch einzelne Tabakgeschäfte bieten das CBD-Gras bereits an. Ende November eröffnete zudem in der Berner Innenstadt die Hanftheke. Neben alltäglichen, mit Hanf versetzten Produkten wie Spaghetti und Cremen, werden dort auch CBD-haltige Blüten und Tropfen angeboten.

«Unser Kundenstamm wächst von Monat zu Monat, und das Geschäft floriert», sagt Inhaber Yilmaz Simsir. Die Nachfrage nach CBD-Rohstoffen sei, zumindest in der Hanftheke, sehr gross. Besonders die «Swiss CBD Flowers», also Blüten mit einem CBD-Gehalt von 8 Prozent, seien beliebt. Ein ähnliches Bild zeichne sich auch in der Basler Hanftheke ab.

Davon, dass nun auch die Reitschule legal Cannabis anbietet, haben Simsir und sein Geschäftspartner Volkan Kaymaz bereits gehört. Als negativ empfänden sie diese Entwicklung jedoch nicht, meint Kaymaz: «Unser Ziel ist es, Menschen allen Alters umfassend über den Rohstoff Cannabis und über den Konsum von Cannabisprodukten zu informieren.»

In diesem Sinne begrüsse man alle Bestrebungen von Mitbewerbern, die ebenfalls an das gesundheitsfördernde Potenzial des Rohstoffs Cannabis glaubten. Ganz reibungslos verliefen die ersten Monate der Hanftheke übrigens doch nicht: Das Geschäft, das eigentlich Hanfapotheke hiess, musste seinen Namen ändern. Nur lizenzierte Geschäfte dürfen sich Apotheke nennen.

Einen Schritt weiter als die Reitschule und die Hanftheke will die Stadt Bern gehen: Aktuell wird – zusammen mit Basel, Genf und Zürich – ein Pilotprojekt lanciert, welches die legale Abgabe von Cannabis prüft. Und zwar nicht von Industriehanf, wie man ihn in der Reitschule und in der Hanftheke findet, sondern von Marihuana mit unterschiedlichem THC-Gehalt. Künftig sollen Kiffer ihren Stoff bei einer Apotheke beziehen können.

Kiffen für die Forschung

Damit dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt werden kann, benötigt es die Bewilligung des Bundesamts für Gesundheit. Diese wiederum kann nur dann eingeholt werden, wenn der Versuch mit einer wissenschaftlichen Studie in Verbindung gebracht wird. Das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern hat bereits festgelegt, wie das entsprechende Forschungsprojekt aussehen könnte: Freiwillige Probanden melden sich online, füllen mehrmals pro Monat einen Fragebogen aus und geben somit an, ob sich die legale Abgabe auf ihr Konsumverhalten auswirkt. Ein entsprechender Projektentwurf wurde im August der nationalen Ethikkommission zur Beurteilung vorgelegt. Der Entscheid, ob das Projekt ethisch ist oder nicht, ist noch hängig.

Falls die Ethikkommission grünes Licht für das Forschungsprojekt gibt, werden vorerst nur die ausgewählten Versuchspersonen THC-haltiges Cannabis in den Berner Apotheken beziehen können. Bis das Angebot der breiten Öffentlichkeit zugänglich ist, dürfte es also noch eine ganze Weile dauern. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.01.2017, 21:25 Uhr

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