Gymeler und Studenten sollen Carl Albert Loosli wiederentdecken

Carl Albert Loosli war Mundartdichter, Journalist, Krimiautor und auch als «Philosoph von Bümpliz» bekannt. Die Carl-Albert-Loosli-Gesellschaft will ihn nun zum national ­bekannten Autor und Denker auf­steigen lassen.

Carl Albert Loosli soll national anerkannt werden.

Carl Albert Loosli soll national anerkannt werden. Bild: zvg

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«Ich bin sogar der Meinung, jene Lüftung des Bankgeheimnisses, auch nur auf ein paar Jahre hinaus, trüge mehr zur Genesung unseres Staates und Volkes, wenn nicht der ganzen Welt bei, als ­jegliche beliebige andere Mass­regel»: Das schrieb Carl Albert Loosli 1935 – gerade mal ein Jahr nachdem das damals neue Bankengesetz das Schweizer Bankgeheimnis eingeführt hatte.

Vielen Bernern ist Carl Albert Loosli als Mundartdichter von «Mys Ämmital» ein Begriff. Andere haben vielleicht «Schattmattbauern» gelesen, den ersten modernen Kriminalroman der Schweiz. Ältere Bümplizer haben ihn möglicherweise vor seinem Tod vor 58 Jahren noch als Mit­bewohner ihres Quartiers gekannt.

Nun sollen ihn auch Jüngere besser kennen lernen: Die Carl-Albert-Loosli-Gesellschaft hat 14 Themen ausgewählt, die den Bümplizer Autor und Denker beschäftigt haben, und daraus fertige Lektionen erstellt. Diese lassen sich gratis von der Website herunterladen.

«Loosli war mutig und neugierig»

«Looslis Lebenswerk ist wichtig – für die ganze Schweiz», betonte Alt-Gemeinderätin Joy Matter am Dienstag an einer Medienorientierung. «Er konnte selbstständig denken, war mutig und neugierig aufs ­Leben», begründete Erwin Marti, Präsident der Loosli-Gesellschaft, diese Einschätzung. Marti hat gemeinsam mit Hans-Ulrich Grunder, dem Leiter des Instituts für Bildungswissenschaften der Uni Basel, die Lektionen erar­beitet.

Loosli hat sich mit weit mehr als Mundartdichtung und Krimis beschäftigt. Er, der in seiner Jugend selber in mehreren Anstalten interniert war, kämpfte gegen solche Anstalten. Er wehrte sich dagegen, dass Verdingkinder als billige Arbeitskräfte missbraucht wurden. Er schrieb gegen die Hetze der in- und ausländischen Nazis an, ohne sich einschüchtern zu lassen.

1908 schrieb er in der «Berner Tagwacht» über die zunehmenden Schülerselbstmorde. Die Schule sei schuld daran: «Weil ihr der Wille und die Lust am Geschehen und Gestalten fehlen, weil sie nicht einzusehen vermag, dass es eine Entwicklung geben könnte, die ausserhalb eines ausgeklügelten Programms läge, darum ist sie lebensverneinend, ledern, knöchern, tot, und wer ihr verfällt, muss logischerweise das Leben verneinen.»

«Es starb ein Dorf»

Solche und viele weitere Texte und Fotos findet man auf seiner Website. Zum Thema «Bümpliz und Bern» ist zum Beispiel auch ein Flugblatt zu finden, das die bürgerliche Partei 1913 in Zusammenhang mit der Eingemeindung von Bümpliz an die stimmberechtigten Bürger verfasst hat:

«Die Stunde ist ernst. Mit der ­Abstimmung vom nächsten Samstag und Sonntag wird es sich zeigen, ob wir noch fähig sind, unser Gemeinde- und Schulwesen selber zu verwalten, oder ob wir das einem Vogt überlassen müssen.» 1919 ist Bümpliz in die Stadt Bern eingemeindet worden. Loosli schrieb darüber in seiner Dorf­geschichte «Es starb ein Dorf». (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.02.2017, 11:05 Uhr

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