Bern

Ein Kubus, ein Fest, ein paar Clowns und drängende Fragen

BernAm Wochenende feierte Konzert Theater Bern im Kubus auf dem Waisenhausplatz ein grosses Eröffnungsfest – am Samstag für die Grossen und Sonntag für die Kleinen.

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Ein Zelt, das so tut, als wärs ein Theater. So wirkt der Kubus von aussen ein bisschen: Von weitem beeindruckt das repräsentative Stadttheater-Äussere mit den Sandsteinmauern und den grossen Fenstern. Kommt man näher und berührt man die Fassade, erkennt man die bedruckte Zeltblache, die das Metallgerüst ummantelt. Aber es soll ja auch nur ein Provisorium sein. Nicht mehr und nicht weniger als die Stellvertretung für das bis Oktober unpässliche Stadttheater.

Nur einen Monat hat es gedauert, um den Kubus aufzubauen und fertig einzurichten. Am Eröffnungswochenende feierte Konzert Theater Bern das Provisorium mit einem zweitägigen Fest. Am Samstagabend bekamen die Erwachsenen einen Einblick in Kubus und Programm, der gestrige Tag gehörte den Kindern. Es gab Sitzkissenkonzerte, Tanz- und Musiktheaterworkshops, ein Kinderschminken, Zu­ckerwatte, Popcorn, Artisten und Clowns. So strömten trotz Traumwetter viele Menschen in den Kubus – angelockt wohl von Popcornduft und Neugier. Wie sieht der Kubus von innen aus? Ist er auch stabil? Wo sind die Toiletten? Endlich hat das Mutmassen ein Ende. Hier schon mal die Antworten auf ein paar drängende Fragen.

Wie sitzt man? Nun ja, Menschen mit langen Beinen oder sehr ausladenden Hüften werden vielleicht etwas leiden in den kompakten Sitzreihen. Aber das sind sie sich ja gewohnt. Ansonsten sitzt es sich ganz gut im 480 Plätze umfassenden Saal. Keine Plastikware, sondern gepolsterte Klappstühle schaffen Theater­atmosphäre.

Die Tribüne ist steil genug, sodass auch die Kleinsten von oben gute Sicht haben. Gestern bei «Peter und der Wolf» von Prokofjew – launig gespielt vom Berner Symphonieorchester (BSO) – waren die Stuhlreihen bis auf den letzten Platz belegt. Und blieben es bis zum Schluss.

Ist das nicht alles sehr eng? Nein. Der Kubus wirkt von innen erstaunlich geräumig. Das dunkle Foyer erinnert ein bisschen an den Eingangsbereich eines Kinos: Dunkle Wände, Sitzgelegenheiten, ein langer Tresen. An der Bar bieten die benachbarten Restaurants Luce und Il Grissino Sandwiches, Bruschette und eine ordentliche Getränkeauswahl an. Für Detailverliebte: Die Getränkekarte gibts in Kubusform. Geht man weiter in den Theatersaal, staunt man auch hier. Er wirkt grösser als erwartet. Hier erinnert nur die Decke an ein Provisorium. Und Zeltvergleiche? Kommen nur bei der Temperatur auf: Bei vollem Haus und Sonnenschein wurde es gestern ziemlich warm.

Ist die Akustik gut genug? Nun ja. Das Positive ist (zumindest für die oberen Reihen), dass das Orchester sehr nah beim Publikum sitzt. Der Klang wandert direkt die Tribüne hoch und entfaltet sich dort recht ordentlich. Ob das beim Schauspiel von der Bühne her auch so gut funktioniert? Auch im Foyer, wo kleinere Aufführungen stattfinden werden, ist die Akustik nicht einfach. Hier werden Nebengeräusche sehr schnell laut.

Wie schwer ist das Ding? Die Aussenhülle wiegt 618 Kilogramm. Die gesamte Hülle ist 1325 Quadratmeter gross – fünfmal so gross wie ein Tennisplatz. Vier Männer haben die Blache an drei Tagen montiert. Das Provisorium auf 1000 Quadratmetern kostet übrigens 1,8 Millionen Franken.

Zu guter Letzt: Wie komfortabel sind die Toiletten? Tja. Hier musste offensichtlich gespart werden. Die Toiletten befinden sich im Foyer in Containern. Sie sind eng, das Brünneli ist klein und etwas unpraktisch. Wäre nicht alles so sauber, käme glatt noch Festivalstimmung auf. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.03.2016, 20:35 Uhr

Das Programm

Der Theaterkubus wird von März bis Oktober 2016 bespielt. Die Highlights im Überblick :


  • «Das Versprechen» von Friedrich Dürrenmatt (ab 31. März) - Das Berner Symphonieorchester spielt einen Brass-Abend (12. April) und lädt zur Tango-Milonga (6. Mai).

  • Ruggero Leoncavallos Musiktheater «Pagliacci» für fünf Instrumente (ab 14. April).

  • «Entartete Kunst – der Fall Cornelius Gurlitt», ein Theatergastspiel des Renaissance-Theaters Berlin (15./16. Mai).

  • Das Festival Tanzplattform Bern (26. bis 28. Mai).

  • Das Opernensemble, die Tanzcompagnie und die Band Take This laden zur «James-BondNight» (7. Juni).

  • Die Tanzcompagnie gestaltet einen Abend mit Musikerin Erika Stucki (9. Juni). In der Sommerpause gibts Fussball: Vom 10. bis 22. Juni flimmern sämtliche EM-Spiele über die Leinwand.

mei

Infos unter: www.konzerttheaterbern.ch

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