Wie aus einer Gantrisch-Tanne Berns Weihnachtsbaum wird

BernZum ersten Mal steht der Berner Weihnachtsbaum auf dem Bahnhofplatz. Gefällt wurde die Tanne am Dienstag im Gantrischgebiet. Und geschmückt wird sie nach der Kritik vom letzten Jahr ganz traditionell.

Vom Wald bis auf den Bahnhofplatz: Die Reise des Berner Weihnachtsbaums.
Video: Martin Bürki

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«Schauen Sie: Es ist ein Baum. Allzu emotional dürfen Sie das nicht sehen.» Das sagt Fritz Burri, Revierförster der Burgergemeinde Guggisberg. Hinter ihm hievt ein Kran eine Tanne auf einen Lastwagen. Nicht irgendeine Tanne, sondern die Berner Weihnachtstanne.Bei aller Sachlichkeit: Diese Tanne weckt Emotionen.

Letztes Jahr rief ihr Schmuck gar Empörung hervor. Zu grell, zu innovativ, «wie eine Zitronenpresse» – so kommentierte die Berner Bevölkerung ihren Weihnachtsbaum. Die Kritik war so heftig, dass die Bernexpo Groupe, Sponsorin des Anzündfests, den Lichterschmuck nachbesserte.

«Dieses Jahr machen wir keine Experimente», verspricht André Caradonna, Leiter Kommunikation der Bernexpo. Eine schlichte Tanne soll es sein, mit traditionellem Weihnachtsschmuck.

Da auf dem Bundesplatz schon viele Anlässe stattfinden und der Platz knapp wurde, kommt die Berner Weihnachtstanne erstmals auf dem Bahnhofplatz zu stehen. Was einfach klingt, beschäftigte am Dienstag eine ganze Schar Fachleute: Baumpflegespezialisten, Förster, Kranführer und Bergführer sind nur einige von ihnen.

Kurz nach 9 Uhr versammelt sich die Gruppe etwas abseits von Riffenmatt im Aegertenwald, 1100 Meter über Meer. Und da steht sie, die Tanne, mitten im Schnee: 20 Meter hoch, 6 Meter breit und zwei Tonnen schwer. Vor 80 Jahren ungefähr trug der Wind den Samen an diesen Platz, den sie nun verlassen soll. Die Tanne wurde als Geschenk auserkoren. Vom Naturpark Gantrisch an die Stadt Bern.

Revierförster Fritz Burri klappt das Visier seines Schutzhelms hinunter und lässt sich vom Kran in die Höhe ziehen. Nein – allzu emotional soll es nicht sein, und doch macht es einen fast zärtlichen Anschein, wie sich der Förster fast zuoberst im Baumwipfel wiegt, sanft umarmt von Tannästen. Vorsichtig legt er die Tanne in Gurte, schon ruft es von unten: «Fritz, mir lüpfe di use!»

Nach einer Dreiviertelstunde hängt statt Fritz die Tanne in der Luft. Eine Weisstanne, das zeigt die kammförmige Nadelanordnung. Nicht gefällt wurde sie, sondern abgesägt, damit sie «sachte hingelegt» werden kann. Kein Ast darf brechen am Berner Weihnachtsbaum.

Aber so leicht brechen diese Äste nicht. Auch wenn die Tanne mit ihren weissen Stellen an der Blattöffnung einen blass vornehmen Eindruck macht – sie ist flexibel und sturmfest. Ihre Äste sind bis tief ins Baummark verwurzelt. So lässt sie sich denn auch vom Transport in die Stadt nicht gross beeindrucken.

Um ein paar Meter gestutzt und zusammengepfercht, liegt sie auf der Ladefläche des Haussener Spezialtransports. Marcel Guillebeau ist ihr Chauffeur. Über vier Rückspiegel bewacht er auf der Fahrt das Weihnachtsgeschenk. «Nicht die Tanne ist in Gefahr», sagt der 23-Jährige. «Die anderen Verkehrsteilnehmer sind es.» Darum sorgt ein Begleitfahrzeug mit Drehlicht für freie Strassen. Nur ein-, zweimal streift ein grösseres Gefährt die Äste.

Nach 30 Kilometern und knapp eineinhalb Stunden Fahrt trifft die Tanne heil auf dem Bahnhofplatz ein. Bis sie schliesslich um 14 Uhr fast gerade im Betonsockel steht, vergeht nochmals eine Stunde. Über ein Dutzend Helfer haben sich bis dahin mit der Weihnachtstanne beschäftigt, der doch noch jede Feierlichkeit fehlt. Für diese sorgt nun die Firma M K Illumination.

860 Meter Lichterkette sowie 300 silberne und rote Kugeln werden in den nächsten eineinhalb Tagen angebracht. Pünktlich zum Anzündfest ist sie dann bereit: Mit feierlicher Rede übergeben Stadtpräsident Alexander Tschäppät und Roland Brand, CEO der Bernexpo Groupe, die Tanne am Donnerstag um 19 Uhr der Bevölkerung.

Und wie es sich für ein Geschenk gehört: «Der Preis bleibt geheim», sagt André Caradonna. Das ist gut. Für Emotionen sorgt schon die Tanne, in warm-weisses Licht gehüllt, ein Ruhepunkt mitten in der Bahnhofhektik.

(Berner Zeitung)

(Erstellt: 01.12.2015, 20:39 Uhr)

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