Bringt Tschäppät die Tour de France nach Bern?

Die Zeichen verdichten sich, dass Bern ein Etappenort der nächsten Tour de France sein wird. Stapi Tschäppät und die Hotellerie hoffen – entschieden wird aber erst im Oktober.

Der Zytglogge steht zwar weiterhin nicht an den Champs-Elysées. Bilder von ihm könnten aber bei der nächsten Tour de France in die ganze Welt verbreitet werden.

Der Zytglogge steht zwar weiterhin nicht an den Champs-Elysées. Bilder von ihm könnten aber bei der nächsten Tour de France in die ganze Welt verbreitet werden. Bild: zvg/Montage:BZ

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Die Tour de France gilt als drittgrösster Sportanlass der Welt, hinter Olympischen Sommerspielen und der Fussball-WM. Wo die Tour haltmacht, belegen allein die Teams und die Organisatoren 1500 Hotelbetten. Hinzu kommen 2000 akkreditierte Medienschaffende.

Die Zeichen mehren sich, dass sie alle nächstes Jahr nach Bern kommen – und die halbe Welt nach Bern schaut. «Offenbar gefällt Bern den Organisatoren der Tour de France», sagt Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) auf Anfrage zu entsprechenden Gerüchten. «Es sieht so aus, als hätte unsere Kandidatur gute Chancen.»

Tschäppät spricht seit ein paar Jahren davon, wie gern er die Tour nach Bern holen möchte. Vor zwei Jahren besuchte er die Etappe auf den Mont Ventoux, wie der «Bund» damals berichtete.

Eingeladen wurde er vom Unternehmer und YB-Besitzer Andy Rihs, der mit BMC Fahrräder produziert und ein eigenes Radteam sponsert. «Rihs kennt alle massgeblichen Akteure und war ein idealer Türöffner», sagt Tschäppät.

Ganze Region soll profitieren

Zu Rihs’ Netzwerk gehört auch Tour-Direktor Christian Prudhomme, zu dem er dem Vernehmen nach einen guten Draht hat. «Inzwischen war Prudhomme selber zweimal in Bern», sagt Tschäppät, und wertet dies als positives Signal.

Prudhomme traf nicht nur den Stapi, sondern auch Bundesrat und Sportminister Ueli Maurer (SVP). Auch die Regierungsräte Andreas Rickenbacher (SP) und Hans-Jürg Käser (FDP) befürworten laut Tschäppät die Kandidatur der Stadt. «Dass wir auch aus Sicht der Tour-Organisatoren ein ernsthafter Kandidat zu sein scheinen, zeichnet sich erst seit kurzem ab», sagt Tschäppät.

Ein Indiz für hohen Besuch aus Frankreich liefert auch Beatrice Imboden, die Präsidentin von Hotellerie Bern+Mittelland. Sie bestätigt, dass die Tour-Organisatoren für zwei Nächte gut 1500 Betten reserviert haben. «Allerdings machen die Organisatoren dies auch in anderen Städten, die nach der Evaluation noch infrage kommen», sagt Imboden. Definitiv und unterschrieben jedenfalls sei noch nichts.

Auch Imboden hofft, dass Bern den Zuschlag erhält. «Das wäre eine einmalige Sache», sagt sie. «Wir reden immer davon, Bern in die Welt hinauszutragen – die Tour de France wäre dafür prädestiniert.»

Weil die Stadt nur über 3500 Hotelbetten verfügt, würden laut Imboden auch Hotels aus der Agglomeration vom Tross profitieren. Grund genug für ihren Verband, auch in die eigene Schatulle zu greifen. «Wir haben der Stadt zugesichert, dass wir uns finanziell beteiligen würden.»

Anschluss an die Alpen

Die Tour de France zu sich zu holen, kostet eine Stadt normalerweise mehrere Hunderttausend Franken. Hinzu kommen laut Stadtpräsident Tschäppät verschiedene Leistungen, die sich Stadt, Kanton und Bund teilen würden. Auch Tourismusverbände dürften sich beteiligen, so Tschäppät: «Auf dem Weg der Tour nach Bern und zurück nach Frankreich würde die halbe Schweiz von den Bildern profitieren, die in die ganze Welt übertragen werden.»

Doch auch bei der Route gilt: Entschieden wird in Frankreich, darüber informiert Ende Oktober in Paris. Mehr war von den Organisatoren gestern nicht zu erfahren. Gestartet wird die nächstjährige Tour de France am 2. Juli beim Ärmelkanal, im Departement La Manche, und sie endet am 24. Juli in Paris.

Die Reservation für die Berner Betten gilt für Montag, 18. Juli, bis Mittwoch, 20. Juli. Falls tatsächlich zwei Nächte gebucht würden, fände am Tag nach der Ankunft in Bern ein Ruhetag statt. «Das würde noch mehr Aufmerksamkeit für Bern bedeuten», sagt Tschäppät.

Es ist naheliegend, dass die Tour de France einen Bern-Besuch mit den Alpenetappen verbände. Für die Durchfahrt würde sich etwa das Saanenland anbieten, was auch die Touristiker im Berner Oberland freuen dürfte.

Kick für den Breitensport

In Frankreich ist die Tour ein Volksfest mit einem historischen Bewusstsein. So plant Direktor Prudhomme zum Auftakt der Tour einen Massensprint am Utah Beach von Sainte-Marie-du-Mont, «zur ehrenvollen Erinnerung an die Soldaten, die im Juni 1944 an den Stränden der Normandie gestrandet sind», wie er auf der Tour-Homepage zitiert wird.

Auch bei einem Ausflug nach Bern wären zahlreiche historische Verweise möglich, sagt Stapi Tschäppät, «schliesslich war Napoleon auch schon hier». Ein Velorennen sei «etwas Volkstümliches», findet er. «Es ist den ganzen Tag etwas los, kostet aber keinen Eintritt.» Er möchte den Anlass aber auch als Kick für den Breitensport nutzen.

«Wir könnten die Leute einladen, mit dem Velo an die Tour de France zu kommen, oder den Anlass mit dem ersten Berner Slow-up verbinden.» Schliesslich wolle Bern doch eine Velostadt sein, so Tschäppät. Falls die Tour kommt, dann ist dies Bern wenigstens schon mal für zwei Tage. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 17.09.2015, 06:04 Uhr)

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