Bern

Balkanklänge, Clowns und Füdliburger

BernDas 13. Buskers Strassenmusikfestival ist Geschichte: Friedliche und künstlerisch spannende drei Tage hat Bern hinter sich. Das schöne Wetter zog die Massen an – und das machte einmal mehr die Krux des Erfolgs deutlich.

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Ein Rundgang im Musterhaus gefällig? Zwei Frauen und ein Mann erkundigen sich auf dem Münsterplatz , was das genau sei, dieses extra für das Buskers aufgebaute Musterhaus. «Es ist ein Audio­rollenspiel», erklärt ein junger Helfer.

«Ihr könnt immer zu zweit rein. Jeweils ein Mann und eine Frau.» Und an eine der Frauen gerichtet: «Sie müssen sich noch einen Mann suchen.» Sie habe eigentlich gedacht, diese Zeiten seien vorbei, sagt die ältere Frau lachend.

Balkan-Orient-Pop

Am Buskers-Festival stehen die Zeiten und Konventionen eben manchmal kopf. Da lassen sich in Lack und Leder gekleidete Herren mit allerlei Sächelchen bewerfen, da stricken Besucherinnen gemeinsam am längsten Schal der Welt, da tanzt das Berner Volk ausgelassen auf der Gasse. Zum Beispiel zum wilden Mix von Suma Covjek. Die Musiker kommen aus verschiedenen Ländern und Kulturen, und jedes Bandmitglied bringt das Beste aus seiner Heimat mit: Bosnische, schweizerische und algerische Klänge verschmelzen zu einem sinnlichen und lebensbejahenden Balkan-Orient-Pop.

Da ziehen sich die Bläserklänge sehnsüchtig in die Länge, bleiben im Gedächtnis kleben wie orientalische Süssigkeiten an den Zähnen. Die zehn Musiker lassen ihre Zuhörer ganz nah an sich heran. Und gehören damit zu den Lieblingen des diesjährigen Buskers­ Publikums.

Erfolg ohne Spontanität

Auch Des Fourmis dans la Lanterne, das Puppentheater des Franzosen Pierre-Yves Guinais, ist auf Nähe angewiesen: Seine Kunst lebt von der Kleinheit. Der Franzose erzählt mit seinen Puppen die poetische Geschichte einer Glühbirne, die tanzt und Radio hört, sobald der Meister aus dem Haus und die Luft rein ist – und die sich gegen eine zweckmässige Sparlampe behaupten muss.

Das Puppentheater zeigt aber auch das Luxusproblem dieses Strassenmusikfestivals auf, das vor über zehn Jahren klein begann und dann grösser und grösser wurde: Es leidet am eigenen Erfolg. Kleintheater, das gemacht ist für kleines Publikum, muss plötzlich für Hunderte Zuschauer gleichzeitig funktionieren. Tut es aber nicht immer. Wer sich nicht rechtzeitig einen Platz sichert, sieht schlicht nicht, was vorne geboten wird.

Und wer seinen Buskers-Besuch plant und rechtzeitig am Spielort seines Wunschkünstlers ist, vermisst womöglich die Spontanität, die Magie der zufälligen Entdeckung, die den Zauber eines solchen Festivals eben auch ausmacht. Aber das Problem schien sich die vergangenen Tage meist selbst zu regulieren. Wer nichts sah, ging in der Regel weiter. Und war dafür vielleicht beim nächsten Spielort ganz vorne dabei.

Vorne dabei zu sein, lohnte sich auch bei The Penny Black Remedy. Die bunte Londoner Band mischt Americana mit Punk und Ska und schert sich weder um Lautstärkebestimmungen noch um Tempolimiten. Recht hat sie: Diese Musik ist laut, schroff, explosiv, und sie muss es auch sein. Wer sich daran störte, konnte ja derweil auf die Münsterplattform stricken gehen – garantiert geräuschlos.

Zirkus ohne Zelt

Und für die Kinder? Gabs wieder Zuckerwatte, Schminken, Theater und einige Clowns. Zum Beispiel das Wakouwa Teatro von Naima Bärlocher und Gerardo Tetilla. Das schweizerisch-argentinische Duo beweist mit Humor, Sinn für Timing und artistischen Einlagen, dass es keines Zirkuszelts bedarf, um Zirkusstimmung aufkommen zu lassen.

Und sonst? Die Stimmung war friedlich am 13. Buskers, die Veranstalter zufrieden, das Essen wie immer lokal und meist lecker. Der Renner waren die tibetischen Teigtaschen, aber auch die Seeländer Fischknusperli und die Füdliburger.


Mehr Bilder zum Buskers finden Sie auf unserer Website.

Video: Rundgang beim Buskers 2016

13. Buskers Bern: Berndeutsche Klänge, Balkan World Music und experimenteller Punk. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.08.2016, 18:34 Uhr

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