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Züchter Schärer: «Ich habe dem Ex-Kassier nie vertraut»

Von Jürg Spori. Aktualisiert am 16.11.2011 4 Kommentare

Wegen der Betrügereien des früheren Kleintierzüchterverein-Kassiers bangen Mitglieder um ihre Zukunft. Ein Besuch bei Züchter Hermann Schärer in der Eymatt.

Züchter Hermann Schärer mit einer Englischen Schecke: «In mein gemietetes Häuschen habe ich über 5000 Franken investiert.»

Züchter Hermann Schärer mit einer Englischen Schecke: «In mein gemietetes Häuschen habe ich über 5000 Franken investiert.»
Bild: Jürg Spori

Kleintierzuchtanlage Eymatt: Ex-Kassier M.K. zweigte Geld in die eigene Tasche ab. Hinten rechts die Hochhäuser vom Chappelisacker. (Bild: Jürg Spori)

Verein

M. K., der frühere betrügerische Kassier des Kleintierzüchtervereins der Stadt Bern (KTZV), hat für die Rechnungsprüfung seit dem Bezug der Anlage in der Eymatt 2006 ein externes Revisionsbüro in Sargans eingesetzt. Dies bestätigt die jetzige KTZV-Kassiererin Manuela Gysler gegenüber dieser Zeitung. Im Verein geht man davon aus, dass das Büro die Berichte erstellte, ohne die Rechnung wirklich angeschaut zu haben.

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Nebel hängt um 7.30 Uhr über den Dächern der zwölf Holzhäuschen des Kleintierzüchtervereins der Stadt Bern (KTZV). Züchter Hermann Schärer (66) füllt in einem der Häuschen den Futtertrog einer Englischen Schecke mit Körnern und schiebt Salat nach. Gierig verschlingt das schwarz-weisse Kaninchen die Blätter. Liebevoll streichelt Hermann Schärer seinem Tier über den Rücken. Im Dezember gebe es von zwei seiner insgesamt neun Kaninchen Junge, sagt er.

Dann zeigt Schärer in der grossen Voliere stolz seine Wachteln und Wellensittiche, die er bereits vorher gefüttert hat. «Ich hoffe, dass meine Tiere wegen der betrügerischen Machenschaften unseres früheren Kassiers nicht sterben müssen», sagt Züchter Schärer.

Seit bekannt wurde, dass der ehemalige FDP-Stadtrat M.K. wohl Vereinsgeld hinterzogen hat, ist die Stimmung unter den Züchtern schlecht. Er habe M.K. nie vertraut, sagt Schärer. «Ich hab mich auf mein Bauchgefühl verlassen und habe ihm deshalb keine Anteilscheine abgekauft», sagt der Züchter. «Er hat durch seine schmeichlerische Art und durch sein arrogantes Auftreten Missstimmung in den Verein gebracht.» Er sei ihm oft an den Karren gefahren. Und Schärer will wissen, dass der Ex-Kassier die monatliche Miete von 95 Franken für sein Häuschen nicht immer bezahlt hat.

M. K. sei nie ein richtiger Züchter gewesen, weil er phasenweise in seinem Häuschen gar keine Tiere untergebracht gehabt habe. Und weil er fast jedes Wochenende mit seiner Mutter und seinem Bruder, dem Ex-Vereinspräsidenten, in den Schwarzwald gefahren sei, hätten andere Züchter seine Kaninchen gefüttert. Er ist überzeugt, dass M.K. nicht nur die Gläubiger, die Stadtbehörden, sondern auch den Vereinsvorstand über den Tisch gezogen hat.

Richter sollens richten

Schärer kann nicht verstehen, warum die Stadtbehörden nicht früher hellhörig wurden auf die Missstände. «Wenn die Stadt ein Darlehen von 260'000 Franken gibt, muss sie doch eine Kontrolle über die eingehenden Zahlungen ausüben», kritisiert der Züchter. «Möglicherweise haben die Verantwortlichen weggeschaut», so Schärer. Jetzt hofft er auf die Richter: «Sie sollen den Betrüger zur Rechenschaft ziehen, ohne dass der Verein belangt wird.»

Nach dem Füttern schliesst Schärer die Türe zu seinem Häuschen in der Eymatt ab. «Es würde mir das Herz brechen, wenn ich wegen dieses Betrügers mit den Tieren ausziehen müsste», sagt er. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.11.2011, 07:55 Uhr

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4 Kommentare

Beat Schmid

16.11.2011, 13:19 Uhr
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Wenn in einem Verein nichts anderes geregelt wurde (Statuen), so haftet der gesamte Vereinsvorstand. Was mir aber nicht einleuchtet: Wenn die Zahlungsmoral vom Ex-Kassier so schlecht ist, warum hat der Vereinsvorstand nicht schon früher reagiert? Weshalb wurde die Buchhaltung des Vereins nicht mal einer ausserordentlichen Revision unterzogen? Deshalb: Mitgehangen ist mitgefangen... Antworten


Peter Häsler

16.11.2011, 18:23 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Wie sieht es eigentlich in diesen "Häuschen" aus? Werden die Kaninchen wirklich artgerecht, in Gruppen mit Auslauf und Rückzugsmöglichkeiten gehalten, oder sind sie in "Einzelhaft"? Was das Foto der Ställe leider vermuten lässt. Antworten



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