Region
Zögerlicher Ausstieg aus Atomstrom
Aktualisiert am 01.05.2009 2 Kommentare
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Was die Stadt Zürich schon eingeleitet hat, danach strebt auch Bern:?nach einer Energiewende. Die Zürcher Stimmbevölkerung votierte Ende November mit über 76 Prozent Ja-Stimmen für den Ausstieg aus der Atomenergie innerhalb von etwas mehr als 30 Jahren. Exakt zum selben Zeitpunkt wurde in der Stadt Bern die Volksinitiative EnergiewendeBern eingereicht. Sie fordert einen Ausstieg aus der Atomenergie innert 20 Jahren. Im Stadtrat sollte die Energiewende gestern schon Tatsache werden. Anlass dazu bot eine Motion von Natalie Imboden vom Grünen Bündnis.
Das Bekenntnis zum Ausstieg blieb aber halbherzig. Der Auftrag, den schrittweisen Ausstieg in die Eigentümerstrategie zu übernehmen, wurde nur als Postulat überwiesen. In der verbindlichen Form als Motion überwies der Stadtrat dagegen den Punkt, der städtische Energieversorger Energie Wasser Bern (EWB) habe sich neu auszurichten. Dies gelang nur dank Stichentscheid des Stadtratsvizepräsidenten Urs Frieden (GB), der den Präsidenten Ueli Haudenschild (FDP) vertrat. Die verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Stadtwerken lehnte das Stadtparlament knapp ab.
Eignerstrategie im Juni
Das etwas eigenartige Signal kam zu Stande, weil der Gemeinderat empfahl, die in Ausarbeitung begriffene Eignerstrategie zu EWB abzuwarten. Er kündigte sie für Juni 2009 an. Energiedirektor Reto Nause (CVP) verwies auf den EWB-Chef Daniel Schafer, der selber einen Ausstieg bis 2039 für möglich hält. Dann geht das Atomkraftwerk Gösgen, eine von zwei stadtbernischen Atomstrom-Quellen, vom Netz.
Motionärin Imboden wies darauf hin, dass die Gemeindeordnung ihr Anliegen schon enthalte, bis jetzt fehlten aber konkrete Umsetzungsschritte. «Wir müssen nicht den Ausstieg am heutigen Tag beschliessen, sondern den Einstieg in den Ausstieg», sagte sie. Denn Atomkraft sei ein Risiko und die Energiezukunft erneuerbar. Die Technologien seien vorhanden, und andere Schweizer Städte investierten in diese Richtung. «Bern darf hier den Anschluss nicht verpassen», sagte sie.
«Weichen jetzt stellen»
Unterstützung erfuhr sie von den Sprechern der Grünliberalen (GLP) und der SP. Michael Köpfli (GLP) rief auf: «Die politischen Weichen müssen jetzt gestellt werden.» Auch auf der kantonalen Ebene gehe das in Ausarbeitung begriffene Energiegesetz in diese Richtung. Denn Atomkraft sei weder ökonomisch noch ökologisch. Leyla Gül (SP) wies darauf hin, dass noch 66 Prozent des Stadtberner Stromverbrauchs aus nicht erneuerbaren Quellen stamme. Das müsse sich ändern.
Die GFL/EVP folgte dem gemeinderätlichen Kurs und wollten den Vorstoss nur als Postulat unterstützen. BDP/CVP, FDP und SVP lehnten die Motion ab.
«Bevormundung»
Pascal Rub (FDP) betonte, dass zwei Drittel der EWB-Kunden das günstigste Stromprodukt einkauften, also im Wesentlichen Atomstrom. Nur ein Drittel sei bereit, etwas mehr für Strom aus erneuerbaren Quellen zu bezahlen. Sobald die Nachfrage steige, werde EWB das Angebot schon schaffen:?«Hört auf, die Bevölkerung zu bevormunden», sagte er. Peter Bernasconi (SVP) zeigte auf, dass trotz Steigerung der Energieeffizienz momentan der Energieverbrauch steige, im vergangenen Jahr über 2 Prozent. Er sehe nicht, wie der Atomstrom in den nächsten Jahren zu ersetzen sei. Die Zielsetzung sei zu ehrgeizig.
Die Behandlung zweier weiterer Energievorstösse, unter anderem zur Beteiligung am Atomkraftwerk Fessenheim, verschob das Parlament. Sie sollen beraten werden, wenn die Eignerstrategie zu EWB vorliegt. (Berner Zeitung)
Erstellt: 01.05.2009, 09:06 Uhr
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2 Kommentare
Ein tatsächlicher Ausstieg aus dem Atomstrom wäre nur möglich wenn die Stadt Bern in der Lage wäre, selber genügend Strom zu produzieren für Ihren gesamten Verbrauch, also keinen Strom von auswärts einzukaufen. Ansonsten ist das Ganze schlicht und einfach ein riesiger Etiketten-Schwindel. Und jetzt soll mir bitte einmal jemand erklären, wie das möglich sein soll. Antworten
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Elsa Lüthi
Das wird vielleicht möglich, wenn alle Grünen und Roten auf Strom verzichten. Spass beiseite, es ist mit Sicherheit nicht realisierbar. Das hier ist wieder einmal ein Beispiel von Grün und Rot, das können sie am besten: Wasser predigen und Wein trinken. Antworten