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Zank um den richtigen Teller am Suppentag
Von Andrea Sommer. Aktualisiert am 21.05.2010 2 Kommentare
Tätig in 12 Regionen
In sozialen Institutionen kommt oft auf den Tisch, was Grossverteiler nicht mehr verkaufen können. Das Verteilen der Lebensmittel besorgt die Schweizer Tafel, ein Projekt der Stiftung Hoffnung für Menschen in Not mit Sitz in Kerzers. Die Tafel arbeitet in 12 Regionen, mehrheitlich mit Freiwilligen. Allein für die Berner Tafel fallen jährlich 150'000 Franken Logistikkosten an, die über Spenden gedeckt werden. as
Im Zelt auf dem Bärenplatz schöpfen SP-Stadtpräsident Alexander Tschäppät und FDP-Gemeinderätin Barbara Hayoz Suppe. Anlass ist der Suppentag, den die gemeinnützige Organisation Schweizer Tafel seit sechs Jahren jeweils im November in 31 Schweizer Städten durchführt. Gegen eine Spende erhalten hungrige Passanten Suppe, ein Stück Brot und ein Getränk. Mit dem Erlös finanziert die Schweizer Tafel die Verteilung von Lebensmitteln an Bedürftige.
Ob in Bern auch heuer ein Suppentag stattfindet, ist fraglich. Dies, weil die Stadt von den Organisatoren verlangt, dass sie entsprechend dem städtischen Abfallreglement für den Anlass Pfand- oder Mehrweggeschirr verwenden. Mit dieser «kleinlichen Regelauslegung» gefährde der Gemeinderat die Freiwilligenarbeit, sagt Isabel Haitz-Caffi, Präsidentin des Berner Fundraisings der Schweizer Tafel. «Dass wir Einweggeschirr verwenden, ist in keiner der 30 anderen Städte ein Problem.»
Dass die Berner nicht mit sich reden lassen, versteht Haitz-Caffi nicht: «Wir halten die Abfallvorschriften der Stadt ein und sammeln, trennen und entsorgen die Abfälle vorschriftsgemäss.» Zudem werde ausserhalb des Zeltes nicht konsumiert.
Zwei Ausnahmen
Das Problem mit dem Berner Abfallreglement ist allerdings nicht neu. Bereits in den Jahren 2008 und 2009 habe der Gemeinderat der Schweizer Tafel eine Ausnahmebewilligung erteilt, sagt Walter Langenegger, Medienchef der Stadt Bern. Dies um den Organisatoren des Suppentags genügend Zeit zu geben, eine Lösung zu suchen, die sich mit dem Abfallregelement der Stadt vertrage. «Wir begrüssen und unterstützen solche Anlässe», sagt Langenegger. Der Gemeinderat lege jedoch auch Wert auf Ökologie und setze deshalb das Abfallreglement nun konsequent durch. «Die Regeln gelten für alle Veranstalter.» Isabel Haitz-Caffi sagt dagegen: «Für das Mehrweggeschirr bräuchten wir einen zusätzlichen Sponsor, und Sponsoren sind heute schwierig zu finden.» Dies zumal Berner Firmen bereits vom Zelt bis zum Brot alles für den Suppentag spendeten. Das Erheben eines Geschirrpfandes kompliziere die Abläufe und die Suche nach mehr freiwilligen Helfern, welche die schweren Teller herumtragen könnten, sprenge die Möglichkeiten der Organisatoren.
SP will Teller schleppen
Probleme, die beim Gemeinderat auf taube Ohren stossen. Nicht so bei der Mehrwegberatungsstelle der städtischen Entsorgungshöfe. «Wir haben bis jetzt für alle Anlässe abfallvermindernde Lösungen gefunden», sagt deren Chef, Christian Jordi. Falls nicht, will laut SP-Stadtrat Thomas Göttin seine Partei Hand anlegen: «Wir sind bereit, die Teller zu tragen.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 21.05.2010, 08:02 Uhr
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2 Kommentare
Ich finde, dass gerade eine Organisation wie die Schweizer Tafel sich nicht gegen das Mehrweggeschirr Konzept stellen sollte. Sie machen einen sehr guten Job, verteilen Lebensmittel, die sonst vielleicht im Müll landen würden, da machts Sinn, auf Mehrweggeschirr zu setzen. Schade, dass die Stadt kein Geschirrdepot anbietet. Meine Mithilfe als Stadrat EVP habe ich gestern schon angemeldet. Antworten
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Manuel C. Widmer
Das der Suppentag sich von bürgerlicher Seite instrumentaliseren lässt, um das gut funktionierende Abfallkonzept in der Stadt Bern zu kippen, ist bedauerlich. Das Konzept, Soziales und Gemeinwesenarbeit gegen Ökologie auszuspielen, kann nicht aufgehen. Und die aufgeführten Gründe ("schwere Mehrweg-Teller") machen das Ganze nicht glaubwürdiger. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Antworten